Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Allgemein > Feuilleton > Andrej Heilig: Ironman –
Supermensch oder Zivilversager?

Andrej Heilig: Ironman –
Supermensch oder Zivilversager?

29. Dezember 2010 von Andrej Heilig

Triathlon Anzeigen

In der Arbeit macht man es nicht richtig, daheim macht man es nicht richtig, und im Sport macht man es auch nicht richtig … verdammt, was bin ich denn eigentlich? – die Speerspitze der westlichen Zivilisation oder die ärmste Sau, die rumläuft?

Es ist aber vielleicht gar nicht die Realität, die als unbefriedigend empfunden wird, sondern nur der Kontrast im Anspruch an sich selbst.

Wirklich regelmäßig eine Art von Sport zu treiben, ist bereits eine Herausforderung, der nur die wenigsten gewachsen sind. Bei drei Sportarten wächst der Aufwand exponentiell, und genauso ist es beim Wechsel von Sprint zu Olympischer Distanz und zum Ironman. Ihr strebt vielleicht sogar die Hawaii-Quali an? – dann werden nicht nur Schweiß, sondern ab und an auch Tränen fließen. Weil man es nicht mehr gebacken kriegt … weil man den Maßstab verloren hat … weil man nicht mehr anerkennt, dass man doch eigentlich ganz gut funktioniert.

Wer bestimmte Dinge erreichen will, die andere nicht erreichen wollen, der muss nun mal darauf gefasst sein, etwas schief angeschaut zu werden. Weil er immer der Erste ist, der sich von der Feier verabschiedet … weil er kein Problem damit hat, das letzte Plätzchen aufzuessen …weil man ihm ansieht, dass er manchmal überfordert ist … aber zur Hölle, das sind andere mit geringeren Ansprüchen an sich selbst auch!

Ich habe bloß keinen Nerv und keine Zeit, um da mal genauer hinzusehen – Gott sei Dank, denn was hätte ich schon davon?

Supermensch oder Zivilversager?
Vielleicht sind Triathleten einfach so, weil sie genau so sein müssen – zu hart zu sich selbst und (fast) immer unzufrieden. Sonst wären sie nie Triathleten geworden. Und wenn es so ist, dann ist es auch Okay so. Wenn es also wieder los geht sollte, man ab und an inne halten und sich bewusst machen, das es schon eine große Leistung ist, alles irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Und allein darauf darf man stolz sein. Man ist kein Supermensch, aber ganz sicher auch kein Zivilversager.

Ich brauche die Saisonpause jedenfalls, um mir auch über solche Dinge wieder mal im Klaren zu werden. Und um mir eines wieder bewusst zu machen: Es geht ja nicht um Leben und Tod – oder zumindest nur ein bisschen :-). Und jetzt Vollgas!

Eurer Andrej Heilig


Seite: 1 2
Seit 1999 ist Andrej Nichtraucher und gleichzeitig einer neuen Sucht verfallen: Triathlon. Seit den Anfängen hat sich viel getan im Leben des erfolgreichen AK30 Triathleten. Aber das erzählt er Euch lieber selber. Hier die Webseite von Andrej Heilig.
Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden