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Ab in die Wüste – das Abenteuer ruft: Darauf kommt’s an!

3. Mai 2015 von Michael Raab

Mohamad Ahansal,   einmaligMit dem ersten Schritt in die Wüste beginnt ein neuer läuferischer Lebensabschnitt. Die Weite und Ruhe sind beeindruckend und beängstigend zugleich. „Lost in space“ kann hier tatsächlich passieren. Hinzu kommen extreme Temperaturunterschiede und natürlich auch unwegsames Terrain. Damit gleich auf Anhieb alles klappt und nichts in den Sand gesetzt wird, finden sich hier wertvolle Tipps.


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Läufe weltweit.

So wie du irgendwann nach Biel musst, erweitert auch eine Reise in die Wüste den Horizont. Der bekannteste Lauf ist der legendäre Marathon des Sables in Marokko. Als Etappenlauf kommt es vor allem auf das Einteilen der eigenen Kräfte an, denn die fünf Tages-Distanzen reichen von 30 bis über 90 Kilometer. Erschwerend kommt hinzu, dass es während der Woche nur Wasser und ein Nomadenzelt gibt – den Rest, also Essen, Schlafsack, Toilettenpapier und persönlichen Luxus muss man selbst schleppen.

Ebenso ein Etappenlauf ist der 100 km del Sahara mit vier Tagen und fünf Etappen von sieben bis 42 Kilometern, der letzten Monat im Senegal stattfand.

Eine weitere interessante Rennserie sind die 4deserts mit dem Atacama Crossing (Chile), Sahara Race (Namibia), Gobi March (China) und The Last Desert (Einladungsrennen in der Antarktis).

Mohamad Ahansal, einmaligNeu und mit einer persönlichen Note sind die beiden Rennen von Mohamad Ahansal in Marokko. Der fünffache Gewinner des Marathon des Sables veranstaltet sowohl den Trans Atlas Marathon – sechs Etappen mit insgesamt 14.000 Höhenmeter – als auch, besonders für Wüsten-Neulinge geeignet, den Ultra Trail Morocco Eco Sahara mit entweder 65 oder 110 Kilometern. Die Zeitlimits bei beiden sind so großzügig, dass man auch flotten Schrittes wandernd das Ziel erreicht.

Das Terrain.

Wüste, Sand soweit das Auge reicht. Das muss nicht immer stimmen. Es kann genauso eine Steinwüste sein, der Weg über steile Berge oder schlammige, rutschige Wadis führen. Genauso können plötzlich sintflutartige Regenfälle oder Sandstürme losbrechen. Nirgends gibt es Deckung oder einen Unterschlupf und selbst die womöglich nur ein paar Meter entfernte nächste Markierung ist nicht zu sehen.

Wie schnell jetzt ein Verlaufen passiert, ist leicht im Selbsttest feststellbar: Einfach auf einem Fußballfeld mit geschlossenen Augen bei einem Tor in Richtung gegenüberliegendes losmarschieren… 1994 verirrte sich ein Teilnehmer beim Marathon des Sables im Sandsturm. Erst neun Tage später und um 15 Kilogramm abgemagert, fanden ihn Nomaden zufällig 200 Kilometer abseits des Kurses im benachbarten Algerien.

Mohamad Ahansal, einmalig

Die Ausrüstung.

Genau deshalb gibt es bei dieser Art von Rennen auch eine vorgeschriebene Pflichtausrüstung. Selbstverständlich lässt sich diese gewichtsoptimiert bis zum letzten Gramm ausreizen. Allerdings stellt sich bei jedem Gegenstand, selbst wenn er nicht mitzunehmen ist, die Frage: Bin ich mit ihm für alle Eventualitäten besser gerüstet?

Michael Raab, einmaligEin gutes Beispiel dafür ist das Schlafen: Wer einen superleichten Schlafsack hat, fröstelt vielleicht in der Nacht. Die raschelnde Sicherheitsdecke als zusätzliche, isolierende Schicht ist zwar eine gute Idee, könnte aber den mit einem leichten Schlaf gesegnete Zeltgenossen extrem stören… Frieren heißt sowohl wertvolle Energie statt fürs Laufen zum Aufrechthalten der eigenen Körpertemperatur einsetzen zu müssen als auch schlecht schlafen, eben nicht gut (aus) zu ruhen.
Die Antwort lautet deshalb: Lieber ein paar Gramm mehr, wenn sie unterm Strich zu einem besseren Resultat führen. Aus diesem Grund empfiehlt sich auch eine dünne Isomatte. Diese lässt sich aber getrost Mitte Oberschenkel abschneiden.

Apropos frieren. Sobald die Sonne untergeht, wird es schnell richtig kalt. Gewichtstechnisch macht es deshalb Sinn, nicht ein langes Shirt und Hose einzupacken, sondern Ärmlinge, Beinlinge, Kompressionssocken und ganz wichtig eine Mütze.

Enorme Temperaturen von +50° C.

Michael Raab, einmaligWahrscheinlich haben die meisten Angst vor den enormen Temperaturen. In der Tat ist es sehr warm. Jedoch ist es nicht wie in der Sauna, sondern eine trockene Hitze. Es rinnt, trotz Anstrengung, kein einziger Schweißtropfen. Da dieser mechanische Reiz, der uns zum trinken animiert, fehlt, trocknen wir unbewusst aus und verlieren dabei lebensnotwendige Mineralien. Salztabletten sind hierfür eine einfache Lösung.

Ferner sind lange, am besten dunkelblaue, weite Laufshirts, die den Schweiß zum Kühlen auf der Haut lassen, ein guter Schutz dagegen.

Oder eben dünne Strick-Ärmlinge. Meistens hat man selbst an den Checkpoints etwas seiner Wasserration übrig – oder es stehen Reste von anderen herum: Verschwendung bedeutet in der Wüste den Tot. Deshalb dieses Wasser für sich nutzen, oben in die Ärmlinge und über die Sonnenmütze auf Kopf und Körper laufen lassen. Die Wirkung belebt Körper, Geist und Seele für die nächsten Kilometer und ist genauso schön wie der Gedanke an eine Dusche, ein kaltes Bier und sauberes Bett.

Trainieren, aber wie?

Die Wüste ist tatsächlich für den, der dort nicht aufgewachsen ist, terra incognita, unbekanntes Terrain. Beim Marathon des Sables erfährt man der Chancengleichheit wegen zum Beispiel erst auf dem Transfer ins Biwak die Route und Länge der Etappen. Insofern ist mentale Flexibilität ein wichtiger Trumpf.

Zwar lässt sich – wenn man nicht am Meer wohnt – das Laufen auf Sand auf jedem Spielplatz für ein paar Schritte gut simulieren. Effektiver ist aber ein Training auf Flusssandbänken oder noch besser, um die Dünen zu simulieren, in einer Kiesgrube. Im Winter mit Schnee eignet sich auch ein Lauf querfeldein.

Überhaupt ist im Vorteil, wer Schneeoberflächen lesen kann, denn Sand verhält sich genauso. Manchmal trägt er einen Läufer gut. Wenn allerdings viele drüber trampeln, wird er weich und tief. Neben der Spur ist da oftmals die bessere Wahl. Außer es geht bergauf: Hier dann in die Fußstapfen des Vordermanns treten, wo der Sand bereits komprimiert ist und nicht mehr so stark wegrutscht.

Achte auf Deine Füße!

Michael Raab, einmalig

Ein entscheidendes Detail vor allem bei Mehrtagesläufen und insbesondere in der Wüste sind Blasen. Jedes Sandkorn im Schuh ist wie die berühmte Erbse im Bett der Prinzessin. Der beste Schutz dagegen sind Gamaschen (Gaiters), die mit einem Klettverschluss um den ganzen Schuh herum befestigt und vom Schuster aufgenäht werden.

Wenn es nur ein paar Kilometer über Sand geht, – und jetzt bitte nicht lachen – sind zwei Paar Damennylonkniestrümpfe übereinander und über den gesamten Schuh gezogen eine preisgünstige gute Alternative.

Was aufgrund der Hitze definitiv nicht funktioniert, sind Blasenpflaster, weil sie mit der Haut im wahrsten Sinn des Wortes verschmelzen. Schuhe eine ganze Nummer größer als die normalen Laufschuhe hingegen schon. Wobei beim Tragen von Kompressionssocken in der Nacht eine halbe bereits reicht.

Selbstverständlich stehe ich gerne für Rückfragen und weitere Tipps zur Verfügung und freue mich von Euren Wüsten-Abenteuern zu hören.

In diesem Sinn viel Spaß im Sand, wir sehen uns an der Startlinie!

Michael

P.S.: Die einmalige Chance einmal mit einem der besten Wüstenläufer eine Runde zu laufen und sich von ihm kostenlos die ultimativen Tipps zu holen, bietet sich mit Mohamad Ahansal am Mittwochabend, 3. Juni in München. Treffpunkt und Details hier!

Zur Website von Trail Maniak.

Fotos: Mohamad Ahansal, Miachael Raab

Michael Raab fuhr in seiner ersten sportlichen Karriere im Freestyle Europacup und ist noch heute als Tiefschnee-Guide und Buckelpisten-Coach tätig. Im Sport-Business arbeitete er unter anderem für die Marken Bogner, Suunto und X-BIONIC sowie X-SOCKS. Die Liebe zum Laufen entdeckte er auf den Trails, finishte den UTMB ebenso wie den Marathon des Sables und Transalpine Run und lief bei den 100MeilenBerlin in die Top Ten. Als Partner von TRAIL-MANIAK – pure Trail experience veranstaltet er Events und reist mit Athleten zu den schönsten Trails dieser Welt, zum Beispiel Ende Oktober zur Premiere des Ultra Trail Morocco Eco Sahara.
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