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„Ein Rennen, wie für mich gemacht“ – zweimalige Norseman-Gewinnerin Susanne Buckenlei im Interview

4. August 2011 von Doris Kessel

Extreme Höhenmeter, extreme Wettkampfstrecken, extreme Temperaturunterschiede – seinen Titel „Xtreme Norseman Triathlon“ trägt das härteste Rennen über die Ironmandistanz nicht umsonst. Susanne Buckenlei gewann bereits zweimal in Folge die Frauenwertung der letzten beiden Jahre. Ob ihr der Hattrick dieses Jahr gelingt? Wir haben sie vor dem Rennen befragt.


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triathlon.de: Bald geht es los, bist du schon aufgeregt?

Susanne Buckenlei: Ja, wie vor jedem Rennen und etwas mehr. Als zweifache Siegerin ist der Erwartungsdruck schon sehr groß – aber es ist auch positive Aufregung. Die Spannung gehört für mich dazu, um Leistung zu bringen.

triathlon.de: Auf was freust du dich am meisten?

Susanne Buckenlei: Auf viele Dinge: die Menschen rund um den Norseman, einige sind mittlerweile sehr gute Freunde geworden, auf die Stimmung bei der Wettkampfbesprechung, das Besteigen der Fähre am Renntag und die Fahrt und der Sprung von der Fähre in den Fjord. Ganz besonders freue ich mich, das alles mit meiner Familie erleben zu dürfen.

triathlon.de: Deine Eltern sind wieder mit dabei?

Susanne Buckenlei: Ja, und mein Freund Hans, der als Hauptsupporter in der Wechselzone und beim abschliessenden Gipfellauf dabei sein wird. Meine Eltern übernehmen meine Verpflegung, geben mir die Splitzeiten durch und sind schon immer meiner Motivation im Sport – sie unterstützen mich, wo sie nur können. Das motiviert mich sehr, vor allem in Tiefpunkten noch Leistung zu bringen.

triathlon.de: Willst du wieder gewinnen?

Susanne Buckenlei: Natürlich merke ich, dass jeder den Sieg von mir erwartet, weil ich jedes Jahr deutlich gewonnen habe. Ich bin aber keine Maschine. Bei diesem Rennen ist sowieso nichts planbar. Auch die Konkurrenz wird jedes Jahr stärker. Ich kann aber sagen, dass ich mich fitter, als denn je fühle, mehr trainiert habe und sehr motiviert bin. Ich werde wieder sehr hart um den Sieg kämpfen. Alles andere entscheidet der Renntag.

triathlon.de: Wie sehen die letzten Tage vor dem Norseman für dich aus?

Susanne Buckenlei: Ich verbringe viel Zeit mit Lesen und Tee trinken (lacht) und genieße unser schönes Appartment mit überdachtem Balkon über dem Eidford. Neben ein paar kleineren Einheiten rund um und im Fjord und ein paar Kilometern auf der Radstrecke, wird es ingesamt sehr ruhig und entspannt, ohne viel Kontakt zur Außenwelt.

triathlon.de: Wie bereitest du dich mental darauf vor?

Susanne Buckenlei: Meine letzten Einheiten sind wie Meditation für mich. Dazu höre ich Musik und werde einerseits ruhig, aber es baut sich auch eine positive Spannung auf. Am Tag vor einem Rennen werde ich meist sehr ruhig und konzentriere mich auf das Rennen. Während ich meine Bekleidung und die Verpflegung vorbereite, stelle ich mich schon auf das Rennen ein. Wenn das erledigt ist, bin ich normalerweise „drin“ und es kann einfach nur noch losgehen.

triathlon.de: Das Wetter ist extrem und du magst die Kälte, was muss man alles an Kleidung für den Renntag einpacken?

Susanne Buckenlei: Im Grunde alles: Überschuhe, Regenjacke, Windweste, Handschuhe. Am höchsten Punkt auf der Radstrecke, den ich so ca. um 7:45 Uhr erreichen werde, kann es Schneeregen haben. Ebenso auf dem Gipfel im Ziel. Generell ist Kälte nicht mein Problem, aber Nässe. Somit hoffe ich, dass wir vom Regen verschont bleiben.

triathlon.de: Was nimmst du während des Norsemans zu dir?

Susanne Buckenlei: Das ist relativ schnell gesagt: Wasser, Gel, Salz, etwas Traubenzucker und Fresubin. Nach Dreiviertel der Rennstrecke auch Cola.

triathlon.de: Der Schwimmstart ist um 5 Uhr morgens vom Schiff aus, kannst du die Atmosphäre vor, während und nach dem Start kurz beschreiben?

Susanne Buckenlei: Die Stimmung ist kaum zu beschreiben und löst jetzt schon Gänsehaut aus. Es ist etwas ganz besonders, um 4 Uhr morgens mit der Fähre in den dunklen Fjord zu fahren und zu wissen, dass jeder Meter zurückgeschwommen werden muss. Aber ich liebe diese Stimmung und dann den Sprung in den Fjord. Dabei herrscht unter all den Athleten eine besondere und gemischte Stimmung: Panik, Angst, Vorfreude und Aufregung. Bei mir hat immer die Vorfreude gewonnen. Das Eintauchen in das 15-16°C temperierte Wasser ist einfach kalt, aber auszuhalten. Am besten sofort in Richtung Startlinie los schwimmen und nicht darüber nachdenken – dann muss es einfach losgehen!

triathlon.de: Nach dem Schwimmen geht es 3500 Höhenmeter durch die norwegische Natur. Mit welchen Temperaturunterschieden und sonstigen Erschwernissen hat man da zu kämpfen?

Susanne Buckenlei: Am härtesten fand ich den kalten und starken Gegenwind auf der 180 kilometerlangen Radstrecke, der einem ins Gesicht blies. Auf die Berge stellt man sich ein und arbeitet sie nach und nach ab – aber den kontinuierlich zunehmenden Wind von vorne empfindet man zwischendurch schon als etwas unfair (lacht).

triathlon.de: Die ersten Kilometer der Marathonstrecke gehen am See entlang. Danach folgt der knackige Rest: der Gaustatoppen. Wie stellt man sich das als Außenstehender vor?

Susanne Buckenlei: Man läuft 25 km fast flach. Nach 20 Kilometern sieht man „ihn“ schon das erste Mal, wenn keine Wolken davor sind. Man läuft dann um eine Kurve und hat plötzlich freien Blick auf den Gaustatoppen mit seinen 1880 Höhenmetern. Auf 17 Kilometer geht es 12% hoch. Zu Hause stellt man sich diesen Berg und den Trail immer wieder vor, aber wenn man ihn dann das erste Mal sieht, ist er einfach nur höher und steiler.  Im ersten Jahr war ich kurzzeitig erschrocken, aber dann hat die Lust auf die Herausforderung gesiegt und ich habe mich gefreut diesen Berg zu „laufen“ und nicht zu gehen. Im letzten Jahr genoss ich die Chance vorne weg zu laufen.

Quelle: melau.no

triathlon.de: Wie haben sich die letzten fünf Kilometer angefühlt, als du über das Felsengeröll hinauf gestiegen bist?

Susanne Buckenlei: In beiden Jahren war mein Vorsatz den Trail zu rennen. Im ersten Jahr ist mir das auch fast komplett gelungen, bis auf die Abschnitte, die man fast klettern muss. Im zweiten Jahr hatte ich zu viele Körner auf dem Rad und im flachen Lauf gelassen, um das zu wiederholen. So musste ich viele Teile der letzten fünf Kilometer zügig gehen. Hauptproblem war mein Rücken und die müden Beine. Der Kampf um den Streckenrekord waren die härtesten Kilometer meines sportlichen Lebens.

triathlon.de: Aber du hast es geschafft. Wie stellt man sich den Zieleinlauf vor, im Vergleich zu einer „normalen“ Ironmandistanz?

Susanne Buckenlei: Das Ziel ist eine Hütte auf 1880 Metern, vor der die Crew des Norsemans versammelt ist. Das Gefühl dort anzukommen und dieses Rennen geschafft zu haben, ist, ähnlich wie die Stimmung beim Schwimmstart, schwer zu beschreiben. Es sind nicht der Hype und die Zuschauermassen, die einen auf einer Ironmandistanz erwartet. Dort oben auf der Höhe ist es die klare Bestätigung dessen, was man den ganzen Tag in schönster und härtester Natur geleistet hat.

Vielen Dank für das Interview!

Hier geht’s zur Website des Norseman Xtreme Triathlon

Fotos: melau.no

 

Doris Kessel ist Autorin dieses Artikels: Sie kommt aus der Triathlonhochburg Roth, ist Triathlon B-Lizenz-Trainerin, Wettkampfrichterin, Mentalcoach für Sport und Business und ist seit 20 Jahren Triathletin aus Leidenschaft von der Sprint- bis zur Langdistanz.
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