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Windchill: Nichts für Frostbeulen

11. Januar 2016 von Benjamin Reszel

Christine Waitz,   freiWer zur Radeinheit bei kühlen Temperaturen an die frische Luft aufbricht, der kennt das Gefühl. Während es im Wald noch ganz gut geht, wird es auf dem freien Feld richtig unangenehm. Woran es liegt und warum der sogenannte Windchill-Effekt beim Laufen nicht so stark auftritt, lest ihr hier.


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Willkommen im Physikunterricht

Foto: Christine Waitz. freiDer Begriff des „Windchill“ stammt aus dem englischsprachigen Raum und wird dort in meteorologischen Zusammenhängen als „windchill factor“ erwähnt. Er steht im deutschen für den „Windauskühlungsfaktor“ und ist eher unter dem Begriff der „gefühlten Temperatur“ bekannt. Häufig ist auch vom „Windchill-Effekt“ die Rede. Hervorgerufen wird diese Auswirkung durch die Abführung körpernaher und relativ warmer Luft in die Umgebung, sowie einer dadurch gesteigerten Verdunstungsrate. Diese erhöhte Verdunstung wird vom Organismus als kühlend wahrgenommen.

Aus schneller folgt kühler

Der Windchill-Effekt beschreibt den Zusammenhang einer herabgesetzten, gefühlten Temperatur im Zusammenhang mit der Windgeschwindigkeit. Dabei ist mit der Windgeschwindigkeit nicht lediglich die Windstärke gemeint die euch um die Ohren weht, sondern auch die eigene Bewegungsgeschwindigkeit zählt. Bedeutet also in der Konsequenz, wer bei Windstille zügiger radelt kühlt schneller aus als ein langsamer Radfahrer. Und wem der Wind mit Orkanstärke begegnet, wird bei sonst gleichen Bedingungen schneller frieren als bei einer leichten Brise.

Geschwindigkeit in km/h Gefühlte Temperatur in °C
0 10,0 5,0 0 -5,0 -10,0 -15,0
10 8,6 2,7 -3,3 -9,3 -15,5 -21,2
15 7,9 1,7 -4,4 -10,6 -16,9 -22,9
20 7,4 1,1 -5,2 -11,6 -17,9 -24,2
30 6,6 0,1 -6,5 -13,0 -19,5 -26,0
40 6,0 -0,7 -7,4 -14,1 -20,8 -27,4

So kalt wird´s: Temperaturen und zugehörige Windgeschwindigkeiten

Ein echter Energiefresser

Foto: Christine Waitz, freiWas euch im Sommer den Vorteil einer angenehmen Kühlung verschaffen kann, kehrt sich im Winter in einen Nachteil um. Durch das Wegblasen der erwärmten Luft durch den Wind und die gesteigerte Verdunstung, ist Training bei Kälte neben der Möglichkeit des Auskühlens, mit einem gesteigerten Energieverbrauch verbunden. Es kann ein etwa bis zehn Prozent erhöhter Bedarf genannt werden. Dies solltet ihr bei der Länge der Trainingseinheiten und der eventuell mitgeführten Energielieferanten beachten.

Alternative Mountainbike

Wer nicht ganz auf sportartspezifisches Training auf dem Rad und Frischluftzufuhr bei kühlen Temperaturen verzichten kann, sollte als Alternative auf das Mountainbike umsteigen. Die geringere Bewegungsgeschwindigkeit bedeutet auch eine verminderte Windgeschwindigkeit (siehe Tabelle). Dieser kleine Temperaturvorteil macht sich besonders bei längeren Ausfahrten bemerkbar. Eine Trainingsrunde in bewaldetem Gebiet schütz zudem vor weiteren ungünstigen Windeinflüssen. Die Landstraße, auf der ein „mumukuartiger“ Wind weht, solltet ihr zu Gunsten einer besseren Thermoregulation vermeiden.

Zudem sollten lange Auf- und Abfahrten vermieden werden. Die Bewältigung der Höhenmeter erfordert, in Abhängigkeit der gewählten Geschwindigkeit, eine Mehrarbeit des Organismus. Zusätzlich verringert sich der Fahrtwind. Herabgesetzte Kühlung und erhöhte Arbeitsleistung führen bei der Bergauffahrt zu einer verstärkten Schweißbildungsrate. Nach dem Anstieg kühlt der Körper auf dem anschließenden Flachstück oder der folgenden Abfahrt noch stärker aus.

Auch nicht ganz so kalt …

Christine Waitz, frei…wird es bei einem sportartunspezifischen Training. Durch Skilanglauf, Skating, Skirollern oder auf Skikes können ebenso wichtige Grundlagen in der Ausdauerleistungsfähigkeit erarbeitet werden. Im Sinne des Windchill-Effektes ist auch bei den genannten Sportarten die Bewegungsgeschwindigkeit und damit die Gefahr des zu staken Auskühlens vermindert. Dabei ist ebenso zu bedenken, dass Training bei eisigen Bedingungen die mentalen Fähigkeiten eines Sportlers stark herausfordern und zu Erfrierungen der Extremitäten führen kann. Dadurch wird eine lange Radausfahrt unter sehr kalten Witterungsbedingungen mitunter zur Gefährdung für die Gesundheit.

Kann subjektives Temperaturempfinden objektiviert werden?

Der Windchill-Faktor soll die Berechnungsgrundlage für das subjektive Kälteempfinden darstellen. Die angeführte Tabelle bildet berechnete Mittelwerte ab und ist nicht allgemein auf jede Person und jede Situation übertragbar. Körpergröße, Körpergewicht und Körperbehaarung, sowie verwendete Kleidung oder das Auftragen einer isolierenden Creme auf die Haut nehmen entscheiden Einfluss. Ebenso sind die Spezifik der körpereigenen Thermoregulation, Anpassungseffekte an ein bestehendes Klima und genetische Einflussfaktoren nicht allgemein objektivierbar. Ein in Südafrika Lebender wird demnach die Kälte anderes empfinden als ein Sibirier. Wie sich das eigene Kälteempfinden verändert, kann bereits bei Ausstieg aus dem Flugzeug nach einem Urlaub in warmen Gebieten zur Winterzeit erfahren werden.

Fazit

Witterungsentsprechende Bekleidung, am besten mit eingenähten windundurchlässigen Membranen, die zugleich eine Überhöhte Schweißbildung verhindern und eine angepasste Trainingsintensität sind die beiden wichtigsten Faktoren, um nicht zu stark auszukühlen. Zudem ist die Wahl von Trainingsgerät und Gelände von Bedeutung und kann den die gefühlte Temperatur bei starkem Frost positiv beeinflussen.

Fotos: triathlon.de

Paul Benjamin Reszel ist Autor des Artikels. Ben ist studierter Diplom Sportwissenschaftler und arbeitet derzeit an seiner Promotion. Seit mehr als 5 Jahren betreut er erfolgreich Sportler aus den Disziplinen Triathlon, Mountainbike, Rennrad, Laufen und Moto-Cross. Dabei steht er den Athleten mit Resource in den Bereichen komplexe Leistungsdiagnostik, individuelle Trainingsplanung, Ernährungs- und Technikoptimierung zur Seite. Er betreibt die Firma Resource.
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