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Vorsicht Glatteis: Unfallgefahr im Winter rechtlich beleuchtet

6. Januar 2015 von Torsten Klose

Foto: Christine Waitz,   frei„Die Tour der France gewinnt man im Winter.“ Diese Antwort soll Bernard Hinault, französische Radrennprofi, der zwischen 1978 und 1985 als dritter Fahrer überhaupt fünf Mal das Rennen für sich entschied, einst einem Journalisten auf die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis, gegeben haben. Ob er wohl wusste welche Konsequenzen ihn bei einem Unfall bei Eis und Schnee erwarten? Uns klärt Anwalt Torsten Klose auf.


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Indoor-Cycling im Fitnessstudio ist gut, um die Grundfitness zu halten. Allerdings weiß jeder, der diese Variante ausprobiert, spätestens im Frühjahr, wenn er wieder auf das Rennrad steigt, dass die Belastungsfrequenz auch bei sehr guten Geräten geringer ist, als unter Realbedingungen. Viele Triathleten zieht es daher auch bei Schnee und Eis nach draußen.

Wer sich aufs Glatteis begibt, tut das auf eigene Gefahr

Foto: Christine Waitz, freiWer im Winter in die Pedale tritt, sollte wissen, welche Konsequenzen ihn bei einem Unfall erwarten. Probleme ergeben sich schon bei der Wahl der Route. Nicht jeder Fahrradweg muss gestreut werden, entschied der Bundesgerichtshof am 09.10.2003. Die Klägerin, im zu Grunde liegenden Fall, befuhr mit ihrem Fahrrad einen Fuß- und Radweg. Infolge von Glatteis kam es zum Sturz und der anschließenden Klage gegen die Gemeinde, auf Schadenersatz wegen Verletzung der winterlichen Räum- und Streupflicht.

Der BGH gab der Klägerin Recht, führte aber aus, dass die Streupflicht grundsätzlich nur für Fußgänger gelte. Eine Pflicht bezüglich aller Radwege gebe es nicht. Erstens sei bei schlechtem Wetter generell mit einem geringen Nutzung der Radwege zu rechnen. Zweitens würde eine solche die sicherungspflichtigen Gemeinden über Gebühr strapazieren.

Radunfall auf erkennbar spiegelglatter Straße? Pech gehabt. 

Noch weniger radfahrerfreundlich zeigte sich das Landgericht Osnabrück, in einem Urteil vom 13.12.2004. Die Klägerin begehrte von der Stadt Schadensersatz, wegen versäumter Streuung, nachdem sie sich, infolge eines Sturzes, eine Fraktur des linken Handgelenkes zuzog. Eine Augenzeugin sagte aus, im fraglichen Bereich seien an mehreren Stellen spiegelglatte Eisflächen und gefrorener Schneematsch vorhanden gewesen. Es war äußerst riskant, die zudem sehr kurvenreiche Straße, mit dem Fahrrad zu befahren. Das Gericht urteilte, die Klägerin sei nicht nur vor Antritt der Fahrt, sondern auch unterwegs verpflichtet, die Straßenverhältnisse zu überprüfen. Als aufmerksame und sorgfältige Verkehrsteilnehmerin, wäre sie dieser Pflicht nachgekommen und hätte die Gefahrenlage erkannt. Das Verhalten der Klägerin sei als grob sorgfaltswidrig zu werten. Die Stadt treffe keine Schuld.

Vollgas, sobald das Eis schmilzt? Lieber nicht.

Wer nach Abtauen der Eisschicht, sein Training wieder im gewohntem Tempo aufnimmt, sollten sich bei herumliegendem Streusplitt vorsehen.
Beim Versuch zu bremsen ist der Kläger eines am 22.03.2006 vom Landgericht München I entschiedenen Falles, wegen nicht entfernten Rollsplitts und Streugutes vom vergangenen Winters, schwer gestürzt. Er befand sich für mehrere Tage im Krankenhaus und wurde operiert. Der Unfalltag war der 5. April.

Foto: Christine Waitz, frei

In Folge verklagte der Verletzte die Stadt München auf Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 7.000,- Euro, sowie Übernahme weiterer Schäden mit der Begründung, die letzte Frostbildung hätte mehrere Wochen zurückgelegen. Der Radweg hätte inzwischen gereinigt werden müssen. Die Gericht wies den Vorwurf zurück. Das Streugut sei aus Sicherheitsgründen liegen geblieben. Anfang April sei realistischer Weise noch mit überraschend auftretender Glatteisbildung zu rechnen. Der Kläger hätte entsprechend vorsichtig fahren müssen.

Fazit

Radfahrer, die trotz Schnee und Eis, unter verschärften Realbedingungen, für den Triathlon trainieren, müssen sich nicht nur warm anziehen. Ideal, um folgenschwere Stürze zu vermeiden, sind an den Reifen angebrachte Spikes, die das Rad sicher in der Spur halten. Anders als beim Auto sind sie am Fahrrad legal. Kommt es zum Unfall, dürften die Konsequenzen klar sein: nach Ansicht der Gerichte hat der Radfahrer, der sich wissentlich in Gefahr begibt, in der Regel das Alleinverschulden. Eingefleischte Triathleten dürfte das nicht schrecken. Wie ein altbekanntes Credo besagt: „Gegenwind formt den Charakter.“

Zur Website von Thorsten Klose.

Fotos: triathlon.de

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