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Vater und Sohn – eine gemeinsame Reise zum Ironman 70.3 Mallorca

19. Juni 2015 von Lukas Bartl

Alex Beer, freiAlexander Beer ist 35 jahre alt, arbeitet als Extremsport- und Modefotograph , schwimmt Wettkämpfe auf nationaler Ebene und spielt semi-professionell Rugby. Alles in allem, ein Athlet wie er im Buche steht, und niemand von dem man eine Zeit von 8:33:44 Stunden auf der Halbdistanz erwartet. Warum er beim 70.3 Mallorca so lange gebraucht hat, und vor allem, warum er mehr als eineinhalb Stunden in T2 verbracht hat, lest ihr hier!


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Alexander Beer ist wahrscheinlich fitter und durchtrainierter als die meisten Starter die sich am 8. Mai beim Ironman 70.3 Mallorca der Herausforderung Halbdistanz gestellt haben. Es ist auch nicht sein erster Triathlon. Zwar seine erste Halbdistanz, aber gut vorbereitet ist er mit vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche definitiv. Warum er also nach 8:33:44 Stunden finishte und über eineinhalb Stunden in der zweiten Wechselzone verbracht hat, mag für viele die am 8.Mai nicht auf Mallorca an der Strecke waren, nicht klar sein.

„Let’s do an Ironman“

Alexander Beer, freiRobert Beer ist Alexanders Vater, 65 Jahre alt, und Geschäftsführer einer großen Firma in London. Bis vor ein paar Jahren gab es zwischen Sonnenauf- und Untergang für Robert nur eins: Arbeit und davon eine Menge. Vor fünf Jahren hatte er dann genug davon, den ganzen Tag im Büro zu verbringen,  verringerte sein Arbeitpensum massiv und begann zu laufen. Zunächst liefer er nur, weil es ihm gut tat, später trat er bei zehn Kilometer Wettkämpfen an, bald darauf folgte der erste Halbmarathon.

Letztes Jahr im September war es dann soweit: die beiden nahmen gemeinsam an einem Triathlon Event teil. Sie suchten sich den ITU London Triathlon aus. Das Feuer war entfacht und die beiden suchten nach einer größeren gemeinsamen Aufgabe. Die Wahl fiel auf den Ironman 70.3 Mallorca als neues, größeres Ziel. Viele Freunde und Roberts Frau sagten, er sei verrückt, in seinem Alter an so einem harten Ausdauerwettkampf teilzunehmen. Im Gegensatz dazu waren die Freunde von Alex begeistert von der Idee. Sie sehen seinen Vater als eine Art Superhelden, weil er sich in seinem Alter dieser Herausforderung stelle, berichtet Alex stolz.

Train hard – Race easy

Alex Beer, freiDie beiden begannen zu trainieren. Zuerst passten sie ihre Ernährung an und steigerten ihre Umfänge. Zwischen September und Dezember machten sie so viele zehn Kilometer Wettkämpfe wie möglich, um sich an die Rennathmosphäre und die Intensität zu gewöhnen. Ende Dezember bis Mitte März trainierten die beiden bereits doppelt soviel wie noch im September und hielten sich strikt an ihre Ernährungspläne.

Dadurch, dass Robert in der Großstadt London lebt, erwies sich sein Training zusätzlich als schwierig. Viel Indoortraining auf dem Spinning Rad ersetzte die langen Radausfahrten und durch Schwimmkurse und Stabitraining wurde seine Form immer besser. Im März besuchten die beiden dann ein Trainingslager auf Mallorca um die Ironman Strecke kennenzulernen. Alexander steigerte sein Pensum in den letzten fünf Wochen vor dem Wettkampf auf bis zu fünf Einheiten pro Woche, um den Wettkampf ohne große Schmerzen durchzustehen, denn das eigentliche Ziel war, das Alex seinen Vater sicher vom Start im Mittelmeer bis zur Finishline am Strand durch das Rennen bringt.

Der große Tag rückte immer näher. Vier Tage vor dem Rennen reisten die beiden an, um sich an das Klima zu gewöhnen und noch einige Schwimmeinheiten im Mittelmeer zu absolvieren. Einen Tag später folgten ihnen Familie und Freunde auf die Baleareninsel, darunter auch Alex jüngerer Bruder, selbst Triathlet, der für den englischen Verband startet.

Raceday – Kampf gegen die Krämpfe

Lukas Bartl, freiNun war es endlich so weit: am 8. Mai 2015 starte das Vater-Sohn-Gespann das Abenteuer Ironman. Robert startete drei Startwellen vor Alex. Der Plan war, dass sie nach dem Schwimmen zusammen auf die Radstrecke wechseln. Alex konnte den Großteil der Zeit beim Schwimmen gutmachen und kam zwei Minuten nach seinem Vater aus dem Wasser. Er rannte in die Wechselzone, um dort seinen Vater zu treffen, konnte ihn jedoch nicht finden. Er ging davon aus, dieser sei schnell auf das Rad gewechselt, und bereits auf der 90 Kilometer langen Runde unterwegs.

Ein Irrtum wie sich herausstellte, doch Alex fuhr die ersten 15 Kilometer extrem hart, um seinen Vater einzuholen. Als er nach circa 20 Kilometern zum Beginn des Berges kam, wurde ihm langsam klar, dass er seinen Vater wohl in T1 verpasst, übersehen oder verloren haben musste. Da Alex ein fairer Sportsmann ist, kam es für ihn nicht in Frage am Anstieg Tempo raus zu nehmen, um den vielen hundert anderen Athleten nicht die sowieso kräftezehrende KletterpartieKletterpartier zu erschweren. Er fuhr weiter den Berg hinauf, lies es von da an ruhiger angehen und rollte in Richtung T2. Dort angekommen, hieß es warten.

Warten und Tee trinken…

 

Was zum wohl wahrscheinlich längsten Bike to Run Split führte den es je gab. 01:31:42 verbrachte Alex in T2 und wartete, während ihm die balearische Sonne die Schultern verbrannte.

Als Robert in T2 ankam, war er total dehydriert, da er zu wenig Flüssigkeit auf der Radstrecke zu sich genommen hatte. Die erste Runde des Halbmarathons verlief katastrophal. Robert hatte Krämpfe aufgrund des hohen Flüssigkeitsverlustes und konnte nur sehr langsam laufen. Die Zeit wurde langsam knapp. Alex versorgte seinen Vater mit Gels und Isogetränken, um seine Krämpfe zu stoppen. Auf der zweiten Runde lief es besser, aber Alex war klar, die Cut – Off Time rückt unerbittlich näher. Die vielen Zuschauer an der Strecke motivierten seinen Vater zusätzlich und dieser konnte sein Tempo steigern. Alex verschwieg ihm jedoch, wie knapp der restliche Zeitplan war. Nach dem Rennen erklärte er, wenn er seinem Vater gesagt hätte, dass die Zeit eng werde, hätte dieser wahrscheinlich psychisch die Belastung nicht weiter ausgehalten, und am Ende wäre hinter seinem Namen ein DNF gestanden.

Nach 09:03:44 überquerten Alex und sein Vater Robert überglücklich die Ziellinie, knapp vier Minuten vor Ablauf der Cut – Off Time. Im Ziel nahmen Freunde und Familie die beiden herzlich in Empfang.Lukas Bartl, frei

Nach dem Rennen hatte triathlon.de die Gelegenheit mit dem Vater-Sohn-Gespann über ihr Projekt zu reden. Robert sprach von einer einzigartigen Reise mit einem seiner tollen Söhne und davon, dass diese Reise widerspiegelt, wie toll es ist, wenn eine Familie sich gegenseitig unterstützt und Hilft und zwar ein Leben lang. Ohne seinen Sohn Alex wäre es für ihn unmöglich gewesen, den Ironman 70.3 zu finishen. „Es ist schwer, die Euphorie und die Gefühle in Worte zu fassen, die ich gespürt habe, als wir gemeinsam die Ziellinie überquerten“ schwärmte Robert. Er gab zu, dass er aufgrund seines Zeitmangels, bedingt durch die viele Arbeit, nicht gut genug auf die Herausforderung 70.3 vorbereitet war und ohne die ständige Motivation und Hilfe seines Sohnes dies alles nicht möglich gewesen wäre. Er sei über alle Maßen stolz auf seinen wunderbaren Sohn Alexander.

Für Alexander ist es ein Ereignis, an das er sich für immer erinnern wird. Eine gemeinsame Erfahrung mit seinem Vater, die die beiden für immer verbindet.
Eines hat sich jedoch für Alex nicht geändert. Sein Vater war vorher ein Superheld für ihn und wird dies auch immer bleiben!

Fotos: Alexander Beer, Lukas Bartl

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