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Neoprenanzüge: Mehr als nur ein Kälteschutz

6. März 2014 von Stefan Tesar

Foto: AquamanVon offizieller Seite aus findet der Neoprenanzug im Triathlon als Kälteschutz seinen Einsatz. Angenehmer Nebeneffekt des Kälteschutzes ist allerdings ein erheblich verbesserter Auftrieb und niedrigere Reibungswerte beim Gleiten durch das nasse Element. Wir erklären was hinter der Technologie der schnellen Schwimmhäute steckt.


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Chloropren-Kautschuk ist das, was sich hinter dem Markennamen “Neopren”, der Firma DuPont versteckt. Im Jahr 1932 brachte diese US-amerikanische Firma das Polymer als erstes unter dem damaligen Namen Duprene auf den Markt. Der Neoprenanzug soll den Triathleten vor Auskühlung bei Wassertemperaturen von unter 21 Grad bei der Olympischen und 24 Grad bei der Ironmandistanz schützen.

Hier findet ihr Neopren-Testschwimmen überall in Deutschland

Zur Produktübersicht Neoprenanzüge 2014.

Zwei entscheidende Eigenschaften bieten

Einerseits gute und ausgewogene Auftriebseigenschaften um den Frontalwiderstand des Wassers zu reduzieren und andererseits eine hohe Flexibilität, besonders im Arm und Schulterbereich, um den Athleten beim Armzug so wenig Widerstand wie möglich zu bieten.

Aquaman ArtIm Triathlonregelwerk ist der Neoprenanzug zwar als Kälteschutzanzug geführt, allerdings achten die Hersteller der Neoprenanzüge besonders darauf, dass ihre triathlonspezifischen Anzüge nicht als Kälteschutz bezeichnet werden. Der Grund: Für “Kälteschutzanzüge” gelten besondere Regeln, da sie eine CE-Norm erfüllen müssen und das wiederum würde höhere Kosten verursachen.

Neoprenstärken: Maximal fünf

Der Welttriathlonverband (ITU) erlaubt den Einsatz von Neoprenstärken bis maximal fünf Millimetern. Nun sind Neoprenanzüge aus verschiedenen Teilstücken zusammengesetzt, bei denen auch verschiedene Materialstärken zum Einsatz kommen. Grundsätzlich macht es Sinn, überall dort, wo gute Auftriebseigenschaften gefragt sind, stärkeres Material einzusetzen und an Stellen extremer Dehnbelastungen tendenziell dünneres Material – 1,5 bis 2 Millimeter Stärke – zu verarbeiten.

Neoprenarten: Die Bläschen machen den Unterschied

Weltweit gibt es eine handvoll Unternehmen, die aus synthetischen Kautschuk das geeignete Material für die Herstellung von Triathlonneoprenanzügen fertigen kann. Bekanntester Fabrikant ist Yamamoto, dessen Material in den meisten höherwertigen Anzügen zum Einsatz kommt. Dabei gibt die Nummerierung Aufschluss über die Eigenschaften. Allen voran ist Yamamoto #45, das weichste und flexibelste Material am Markt.

Foto: Ingo Kutsche, freiDer Unterschied zwischen den Neoprensorten liegt in der Anzahl der eingeschlossenen Nitrogenbläschen, die durch das Aufschäumen des synthetischen Kautschuks entstehen. Durch die isolierende Wirkung der Nitrogeneinschlüsse entsteht einerseits der Kälteschutz des Anzuges, andererseits auch der Auftrieb im Wasser. Je mehr Gaseinschlüsse pro Raumeinheit, desto dehnfähiger und flexibler ist Neoprenmaterial.

Nachteil solcher Hi-Tec Materialien ist die niedrigere Resistenz gegen mechanische Einflüsse. Aus diesem Grund wird der geschäumte Kautschuk mit Nylongewebe einseitig beziehungsweise beidseitig – bei Triathlonanzügen jedoch eher die Ausnahme – laminiert. Dabei gilt es zu beachten, dass erst das Laminat aus Kautschuk und Textilgewebe für die Flexibilität des Triathlonneoprenanzuges verantwortlich ist. Auch hier gibt es unterschiedliche Bezeichnungen.

Neoprenfarbe: Black is beautiful

Grundsätzlich ist die Grundfarbe eines Neoprenanzuges schwarz, wofür die Färbung des synthetischen Kautschuks verantwortlich ist. Bei der Produktion besteht die Möglichkeit, Farbstoffe beizumengen. Dabei wird jedoch auch die Dehnfähigkeit des Neoprens herabgesetzt. Bei vielen Herstellern kommt die Farb-Beimengung aus Marketinggründen trotzdem zum Einsatz.
Eine weitere Möglichkeit den Neopren einzufärben ist das Aufdrucken von Farbe auf den Anzug. Dieses Verfahren findet beim Aufbringen der Logos seinen Einsatz.

Foto: 2XU

Oberflächenbeschaffenheit: Nanotechnik

Anfang der neunziger Jahre führte Yamamoto die SCS – Technologie (Super Composite Skin – Beschichtung) ein. Diese spezielle Beschichtung verringert die Reibungswiderstände der Neoprenoberfläche. Mittlerweile ist die
Nano SCS Beschichtung state-of-the-art. Dabei Handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Yamamoto Erfindung bei der Nano Partikel auf der Neoprenoberfläche den Wasserwiderstand noch weiter verringern.

Verarbeitung: Die Mischung macht´s

Ausschlaggebend für die Qualität eines Triathlonneoprenanzuges ist die Verarbeitung und die Zusammensetzung der Materialien sowie die Schnitte. Dabei finden sich hier die erheblichsten Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Durch die Verarbeitung wird der Auftrieb, die Passform und die Flexibilität des Anzuges ausschlaggebend bestimmt. Um optimale Auftriebseigenschaften zu erzielen, sollte an der Körpervorderseite möglichst starkes Neopren verarbeitet sein. Grundsätzlich erhält man ausgewogene Auftriebseigenschaften, wenn fünf Millimeter starkes Neopren im Brustbreich sparsamer, um Bauch und Hüfte  und an der Beinvorderseite bis zum Beinende großzügig verarbeitet ist. Um gute Dehneigenschaften zu gewährleisten, muss das restliche Neopren dünner gewählt werden. Besonders im Bereich von Armen, Schulter und Latissimus sollte möglichst dünnes (1,5 Millimeter) Neopren verarbeitet sein.

Passform: Es muss halt passen

Foto: Christine Waitz, freiDas Killerkriterium schlechthin bei der Auswahl des richtigen Neoprenanzuges ist die Passform. Der Anzug soll im optimalen Fall wie eine zweite Haut sitzen und sich an die Anatomie des jeweiligen Triathleten anschmiegen. Dadurch verringert sich die Faltenbildung und es entstehen keine unnötigen Widerstände bei der Schwimmbewegung.

Dazu kann man nur eines der unzähligen Testschwimmen in Bädern oder bei Triathlonveranstaltungen empfehlen, bei denen man unterschiedliche Hersteller und Modelle testen kann. So findet man am sichersten zu seinem persönlichen Favoriten unter allen Neoprenanzügen.

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Fotos: Aquaman, Ingo Kutsche, 2XU, triathlon.de

Stefan Tesar ist Autor dieses Artikels. Der Geschäftsführer von xtesar Sportmarketing ist 10facher Ironmanfinisher und konnte sich bereits 3mal die Qualifikation für den Ironman Hawaii sichern. Mehr zu Stefan Tesar. Ein Podcast über Stefan.
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