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triathlon.de Blogger 2016: Peter Waldas von Null auf Gaustatoppen – Projekt Norseman

12. Januar 2016 von Christine Waitz

Peter Waldas,   frei

Wer kennt das nicht: Gerade dann, wenn es sportlich nicht so recht laufen möchte, gerade dann sind sie da. Die Flausen, wie sie Muttern früher kopfschüttelnd genannt hat. Peter Waldas kennt das nur zu gut. Bis letztes Jahr quälte ihn eine langwierige Verletzung, er entschloss sich zur Operation und  fast im gleichen Atemzug zu einem besonderen Projekt: Dem Start beim Norseman Triathlon. Auf dem Weg dorthin werden wir ihn 2016 begleiten.


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Vier Ironmanrennen hat Peter Waldas bereits gemeistert. Wie für so viele, verlief die Vorbereitung auf das Rennen nicht immer reibungslos. Manchmal macht einem der Körper eben einen Strich durch die (Zeit-)Rechnung. So trat er bei seinem letzten Langdistanzrennen gar ohne viel Training an. Der Grund: ein schmerzhafter Halux Rigidus, also eine Arthrose des Großzehengrundgelenks. Dabei wird das Abrollen des Fußes zur Qual. Schon deshalb ließ er sich im vergangenen Jahr operieren. Mit Aussicht auf baldige Genesung waren sie da, die großen Ziele, die neuen Projekte, die (Gipfel-)Träume.

Peter Waldas, frei

Der Weg zu den Wikingern

Peter Waldas wird seinen Weg zum Norseman 2016 im triathlon.de Blog dokumentieren. Von Null auf Gaustatoppen – Projekt Norseman, so der Titel. Der verdeutlicht genau das, was Peter bevor steht. Eine Vorbereitung startend bei Null nach langwieriger Verletzung und Operation auf eine der größten Herausforderungen eines Triathleten.
Und auch auf das Rennen dürfen wir uns freuen. Teil Peters Teams ist ein professioneller Fotograf, der bereits das RAAM und die Tour de France begleitet hat. Spektakuläre Bilder garantiert.

Norseman: Unendliche Weite für unendliche Emotionen

Ein Triathlon auf geografischer Höhe von Alaska. Wer sollte auf so eine Idee kommen? Die Norweger! Und damit nicht genug: Die Athleten stellen sich nicht irgendeiner Distanz, sondern der Ironman-Distanz. Wer den 1883 Meter hohen Gaustatoppen erklommen hat, der darf sich Norseman nennen. Auf perfekte Wetterbedingungen dürfen Starter des Norseman Triathlons nicht hoffen. Zumindest nicht im normalen Sinne. Perfekt in Norwegen bedeutet: Das Wasser ist statt eisiger 15 Grad ganze 17 Grad warm. Die Lufttemperatur ist zumindest zu Beginn der Radstrecke ähnlich warm wie das Wasser. Und das Ziel ist überhaupt erreichbar. Wer sich an den Norseman wagt, der darf nicht zimperlich sein. Eine Besonderheit des Rennens: Auch wenn Starter manchmal kilometerlang keinen Konkurrenten zu Gesicht bekommen, müssen sie sich nie allein durch die weitläufige Einsamkeit des Rennens kämpfen. Denn ihr persönliches Begleitfahrzeug, das das Reglement vorschreibt, ist stets nahe. So kann man sich nicht nur jederzeit mit Nahrung und Getränken, sondern auch mit Motivation versorgen lassen.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch Traumziel Triathlon – Die 46 schönsten Wettkämpfe weltweit.

Hallo Peter! Wie bist du darauf gekommen, dir ausgerechnet den Norseman – immerhin eines der anspruchsvollsten Rennen der Welt – als Ziel zu setzen?

Nach vier Langdistanzen wollte ich einfach mal etwas anderes machen. Mich haben die vielen Menschen bei den großen Events aufgeregt. Das ist wie am Skilift anstehen. Somit kam der Wunsch bei mir hoch, etwas ganz anderes zu machen. Norseman, Celtman oder den Swissman… Meiner Meinung nach ist der Norseman die spektakulärste Veranstaltung. Es ist einen Herausforderung, die ihres Gleichen sucht. Der Wettkampf ist unplanbar. Normalerweise hat man Wind, Berge,Kälte oder Hitze. Beim Norseman kann einen alles auf einmal treffen. Das reizt mich ungemein. Auch suche ich bei den extremen Bedingungen meinen Vorteil, da ich nicht zu den 75 Kilogramm-Triathleten gehöre, sonder eher zu denen, die etwas mehr auf den Rippen haben. Und genau das könnte bei den extremen Bedingungen ein Vorteil für mich sein.

Wie sieht dein Weg von Null auf Gaustatoppen im Idealfall aus? Welche Schwierigkeiten könnten jedoch auch auf dich zukommen?

Der Idealfall ist auch mein Ziel. Ich möchte auf jeden Fall zu den 160 Athleten gehören, die auf den Gaustatoppen dürfen. Die größten Schwierigkeiten sehe ich beim Laufen, ab Kilometer 25. Bis dahin geht es ja noch recht flach zu. Aber ab dem Zombhill wird’s eng. Dann ist mein Gewicht schon von sehr großem Nachteil. Dort wird das Beissen beginnen. Auch habe ich etwas Angst, eine Panne zu haben. Bis Dato ist mir in der Richtung noch nichts passiert. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Und die Straßenbedingungen sollen ja nicht die Besten sein. Dann kommt es eben darauf an, wie nah mein Supporter ist. Ich werde versuchen, mit einem Smartphone zu fahren, um permanent meinen Standort über ein Tracking zu senden. Somit sieht mein Supporter wenn ich stehe, und er kann mir zur Hilfe kommen.

Wie man sich auf eine Langdistanz vorbereitet, weißt du. Schließlich hast du bereits vier Rennen gefinisht. Welche Besonderheiten wird deine Vorbereitung auf den Norseman haben?

Ich habe bereits begonnen mich an die Kälte zu gewöhnen, indem ich mich nur noch eiskalt dusche. Sollte es 2016 wieder so kalt sein wie schon 2015 ( 10,5 Grad Wassertemp.) dann wird das die erste harte Hürde werden. Somit steht auf meinem Plan ab März nur noch im See zu trainieren. Zum Glück wohne ich ganz nah am Starnberger See. Der See hat auch an manchen Stellen eine gute Breite, sodass ich da durch muss. :-) Umdrehen bringt ja ab der Mitte des Sees nichts mehr :-) Des weiteren stehen Bergläufe auf dem Programm. Somit ist im Mai ein Marathon mit 1700 Höhenmetern geplant. Auch, wenn ich die ganz steilen Passagen lieber gehen werde. Das ist ja oft genauso schnell wie laufen. Und das wichtigste ist natürlich Gewicht zu verlieren. Jedes Kilo wird am Berg zählen.

Bei dieser Vorbereitung werde ich in Sachen Ernährung für mich neue Wege gehen. Ich möchte über einen sehr langen Zeitraum mich Paleo Ernähren. Das heisst, fast keine Kohlenhydrate. Ab einem gewissen Zeitpunkt fällt man in Ketose. In diesem Zustand lernt der Körper sich rein aus Fett zu versorgen. Auch spare ich mir die ersten 90 Minuten beim Training, wo der Körper zuerst auf die Kohlenhydrate zurückgreift. Ob das der richtige Weg ist weiss ich nicht, hoffe es aber. Das Training ist am Anfang ohne Kohlenhydrate sehr sehr hart. Aber wenn man da mal durch ist, hat es meiner Meinung nach nur Vorteile.

Einmal weg vom Sport – was machst du im „normalen Leben“?

Im normalen Leben habe ich mit Automobilen zu tun. Im Vertrieb kann man sich die Arbeitszeiten etwas besser einteilen, sodass mein Job nicht besonders hinderlich sein wird, was die Zeitplanung angeht. Und sollte mein Arbeitspensum nach oben gehen, muss die Schlafzeit halt darunter leiden und man macht die Einheiten um 5:00 Uhr am Morgen. Meine Familie ist mit meinem Vorhaben einverstanden. Meine 13-jährige Tochter findet das supergeil, und will am liebsten mit nach Eidfjörd. Sie hat mich schon ganz oft bei Veranstaltungen begleitet, und ist somit mein heimlicher Lieblingssupporter:-)

Peter Waldas, einmalig

Wer wird dich zum Norseman begleiten?

Meine Begleitung ist mein bester Freund Jürgen Bäumer. Er betreibt mit absoluter Begeisterung auch Triahtlonsport. Auf ihn kann ich mich zu 100% verlassen. Er weiss wie ich ticke und was ich brauche. Er ist super pragmatisch, und reagiert bei Problemen logisch.

Ein Supporter kann in meinen Augen nur ein (auch) Triathlet sein. Wir haben die gleiche Renntaktik. Nämlich keine. Wir starten, und warten was passiert. In unserer Leistungsklasse ist es egal, ob man beim Radfahren überzieht. Der Marathon wird so oder so eine Qual. Ob das Leiden bei Kilometer fünf beginnt oder bei Kilometer 30. Qual bleibt Qual. Ich habe mal einen Spruch gelesen von dem ich leider nicht weiss, wo er herkommt: „Wenn es Dir bei Kilometer 30 gut geht — sorge dich nicht – es ändert sich sicher.“

Sehr glücklich bin ich auch, dass mein Freund Jürgen Amann als Fotograf nach Norwegen mitkommt. Er ist ein begnadeter Radfahrer, und weiss ganz genau, wie er zu guten Fotos kommt. Vor 20 Jahren hat Jürgen in München gewohnt und in Grainau gearbeitet. Er ist jeden Tag, bei jedem Wetter von München nach Grainau mit dem Rad gefahren. Und am Abend wieder zurück. Das macht schnell mal 180 Kilometer am Tag. Also er weiss sehr genau was auf mich zukommt. Was kann mir somit besseres passieren – mit den beiden Jürgens – mein Vorhaben positiv zu starten und hoffentlich auch in Würde zu beenden.:-)

Fotos: Peter Waldas

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