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Trainingsweisheit von Steffen Liebetrau: Peinlich – gibt`s nicht

1. Februar 2011 von Steffen Liebetrau

Habt ihr schon mal das Lauf-ABC ausgelassen, weil ihr euch blöde vor kamt, vor den Blicken unwissender Außenstehender dämlich herum zu tänzeln? Oder seit nicht ins Schwimmbad gegangen, nur weil ihr euch zu dick oder zu langsam gefühlt habt?


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Von Zuschauern sollte man sich nicht beirren lassen, weder im Wettkampf noch im Training

Ich gebe zu, ich habe mein Bahntraining auf Lanzarote auch schon auf Feldwege in der Pampa verlegt, wenn gerade der Kurzdistanz-Olympionike und Roth-Gewinner 2010, Rasmus Henning auf der Bahn stand oder besser flog. Wenn jemand einen 5000-Meter Test unter 15 Minuten rennt, wie soll man sich da vorkommen, wenn man schon ein 1000 Meter-Intervall langsamer rennt als er im Durchschnitt seine 5000 Meter am Stück? Oder Dehnungsübungen, vor aus den Fenstern glotzenden Nachbarn? Nein Danke.

Eitelkeiten haben im Training aber nichts verloren. Man kann und sollte sie sich abgewöhnen. Im Training geht es nicht darum, wer im Moment was denkt, sondern wofür die Trainingseinheit gut ist, egal ob sie nun gut oder doof aussieht.

Also: Keine Trainingseinheit oder Trainingsform auslassen, weil man sich schämt oder einem irgend etwas peinlich erscheint!

Wenn der Laufstil sich durch die gefühlt „lächerlichen“ Lauf-ABC Formen entscheidend verbessert, oder die Verletzungsanfälligkeit durch absonderliche, vom Physiotherapeuten angeordnete Gymnastikübungen, tatsächlich sinkt – macht sie! Zieht sie durch – auch im mega-stylischen Fitnesstudio! Wer zu Letzt (also im Rennen) lacht, lacht am Besten.

Irgendwann habe ich es geschafft, innerlich konsequent zu sagen: „Lacht ihr nur und denkt euch was ihr wollt! Ich weiß wofür ich diese Trainingseinheit mache, und wenn sie mich auf meinem Weg zu einem erfolgreichen Wettkampf weiterbringen kann, gibt es keine Ausrede!“ So habe ich schon Kniehub-Läufe und Hopser-Lauf auf der Touristen-Promenade in Puerto del Carmen, Lanzarote, gemacht und dabei nicht an die zuschauenden, lachenden, betrunkenen Engländer gedacht, sondern an das Rennen im folgenden Mai. Oder ich bin beim Zwischenstopp in San Francisco auf dem Weg nach Hawaii wegen fehlendem Gepäck schon in Jeans und Halbschuhen laufen gegangen (und am nächsten Tag mit gleicher Montur wieder in den Flieger). Für mein Rennen war das gut! No guts, no glory!

Zur Übung: Laßt euch im Trainingslager auf einer GA1 Trainingsfahrt mal von eurem Spezialfeind oder von Touri-Radlern überholen. Laßt euch nicht reizen und bleibt stur bei eurem ruhigen Tempo. Oder schwimmt zehn Bahnen Brust Arme und Beine dabei gar nicht benutzen, wenn das Schwimmbad rappelvoll ist und ihr am liebsten mit zehn mal 50 Meter Kraul-Sprints glänzen wollt. Das bringt euch für euer Ziel garantiert mehr, als Eitelkeiten nachzugehen!

Autor: Steffen Liebetrau - Der Ex-Triathlonprofi studierte Sportwissenschaftler und Betriebswirt hat sein Training 15 Jahre selbst gesteuert und dabei alle Höhen und Tiefen erlebt. Einige Fettnäpfchen der Trainingskunst kann man durch Nutzung von Erfahrungen anderer auslassen, glaubt er inzwischen, und teilt in der Serie "Trainingsweisheiten" zentrale und allgemeine Erkenntnisse seiner Zeit als Profi mit. Sobald er anfängt, den Alltag genauer zu beleuchten, kommen Kolumnen dabei heraus.
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