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Trainingsweisheit von Steffen Liebetrau: Mit Sinn und Verstand

17. Februar 2011 von Steffen Liebetrau

Wie oft seid ihr schon vor die Türe gegangen und habt mit dem Training losgelegt, ohne euch kurz und konzentriert zu besinnen, wofür diese Trainingseinheit gut sein soll?


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Man „latscht“ raus, radelt los, schwimmt los, oder läuft los und denkt gar nichts oder denkt: “Egal was ich mache, wird schon helfen!“ oder denkt: „Ach, im Plan steht langer GA1-Lauf! Dann läuft‘ s plötzlich super und man rennt schneller als GA1 und dafür ist man dann nach 1 h 20 platt und nicht nach 2 h wie im Plan steht. Oder man soll schnell laufen und ist müde vom Arbeiten und stellt nach dem ersten Intervall fest, dass gar nichts geht und rennt dann auch keine schnellen Intervalle, aber so richtig auf Regenerations-Lauf stellt man auch nicht um.

Es gibt nichts uneffektiveres, als Training im Kleinen (Trainingseinheit) oder im Großen (Trainingswoche oder Trainingszyklus) zu verwässern. Man beispielweise anstatt ein Mal ganz lang und langsam,  ein Mal ganz schnell und hart und einmal nur zur Regeneration läuft/schwimmt/radelt, dreimal halblang, halbschnell und halbeffektiv unterwegs ist. Eine Spezialität von Triathleten! Bevor man gar nichts macht, lieber rumrutschen und vor lauter rumrutschen ist man immer zu müde, um mal richtig richtig hart zu trainieren.

Deshalb: Nie ohne Ziel in eine Trainingseinheit starten. Vor jeder Trainingseinheit kurz verinnerlichen: Wozu ist diese Trainingseinheit bestimmt? Selbst wenn das Ziel Entspannung, oder einmal ganz ohne Vorgaben loslaufen heißt, macht euch vor dem Start bewusst, wozu das Training gedacht ist. Welche körperliche Fähigkeit will ich verbessern? Konzentriert euch darauf! Das wird die Trainingseffektivität deutlich steigern, einfach nur, weil man nicht planlos unterwegs ist.

Es wird auch vorkommen, dass das Ziel während der Einheit „nachjustiert“ werden muss. Kein Problem! Aber tut auch dies bewusst. Ihr merkt, dass alle Akkus leer sind? Dann verändert das Trainingsziel während der Einheit von „Tempohärte gewinnen“ auf „Heute einfach mal regenerativ und spaßbetont Dampf vom Job ablassen. Tempo egal, Zeit egal!“ Viel zu oft verharrt man dann im „Ach eigentlich sollte ich doch …“ und hat am Ende weder Tempohärte noch Entspannung erreicht.

Zusammgefasst: Sich vor jedem Training kurz das Trainingsziel bewusst machen. Die „Nachjustierung“ von „guten Tag nutzen“ bis „Training abbrechen“ im Auge haben. Und damit Zeit effektiv nutzen, egal für welches Ziel.

Ganz nebenbei: die gekonnte Nachjustierung von Zielen während der Einheit, ist schon eine mentale Fähigkeit der Königsklasse, auch und besonders in Wettkämpfen, worauf noch gesondert eingegangen werden wird.

Autor: Steffen Liebetrau - Der Ex-Triathlonprofi studierte Sportwissenschaftler und Betriebswirt hat sein Training 15 Jahre selbst gesteuert und dabei alle Höhen und Tiefen erlebt. Einige Fettnäpfchen der Trainingskunst kann man durch Nutzung von Erfahrungen anderer auslassen, glaubt er inzwischen, und teilt in der Serie "Trainingsweisheiten" zentrale und allgemeine Erkenntnisse seiner Zeit als Profi mit. Sobald er anfängt, den Alltag genauer zu beleuchten, kommen Kolumnen dabei heraus.
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