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Trainingstipps vom Abu Dhabi Triathlon Team:
Medizinischer Check – auf Herz und Nieren geprüft -Teil 3

31. Januar 2012 von Meike Maurer

Einer der Teamärzte des Abu Dhabi Triathlon Teams – Priv. Doz. Dr. med. Roman  Leischik – erläutert euch, was man alles bei einer sportmedizinischen Untersuchung beachten sollte, welche Werte interessant und wichtig sind und warum es einen Unterschied macht, ob ein junger oder älterer Athlet bzw. ein Anfänger oder Fortgeschrittener sich durchchecken lässt.


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Es stellt sich die Frage, welche medizinisch/internistischen Untersuchungen bei einem Sportler/Triathleten sinnvoll sind – gerade im Hinblick auf ein Ausdauertraining, um an einem Langdistanzrennen teilzunehmen.

Das Spektrum der möglichen Untersuchungen ist natürlich sehr weit. Hier würde ich eine Einteilung in drei Stufen vornehmen wollen und zwar:

-       minimal
-       mittel
-       optimal

Blutbild ein Muss für Ausdauersportler

Als minimale Voraussetzung für ein Langdistanztraining würde ich ein Blutbild, die Nierenwerte und die Elektrolyte ansehen. Beim Blutbild wäre es meiner Einschätzung schon ausreichend, den Hämoglobinwert und die weißen Blutkörperchen (quantitativ) zu bestimmen. Dann sollte zumindest ein Ruhe-EKG geschrieben worden sein, um gewisse Abnormalitäten des Herzens zu erkennen. Des Weiteren sollte auch der Ruheblutdruck gemessen werden. Bei einem Wert <120 mmHg, systolisch und  diastolisch <80 mmHg würde ich von einem Normalbefund sprechen.

Echokardiographie & Belastungs-EKG

Als mittlerer Stufe gilt aus meiner Sicht ein Echokardiographie (Bestimmung der Größe des linken Ventrikels, Funktion der Herzklappen, Größe der Aorta, Größe des linken Vorhofs) und ein Belastungs-EKG, wo man eben gewisse Veränderungen des Herzens als auch des Blutdrucks unter Belastung erkennen kann.

Bezüglich des Blutbildes könnte dieses etwas umfangreicher gestaltet werden. Neben Anzahl der Blutplättchen und des Hämatokritwert, die ohnehin heutzutage fast immer bestimmt werden, sind Schilddrüsenwerte (fT3, fT4, TSH) wie auch die Nieren-, Leber- und Eisenwerte und Ferritinwert (Speichereisen) sinnvoll.

Im Rahmen des Belastungs-EKGs könnte eine Laktatbestimmung in Ruhe und auf jeder einzelnen Belastungsstufe erfolgen. Dann hätte man hier schon eine Laktatkurve, welche einem erfahrenen Sportmediziner schon Information über die anaerobe Schwelle liefert für das jeweilige Schwellenmodell.

Alles genau unter die Lupe genommen

Das Optimum. Dieser Check kann natürlich unter Umständen etwas kostenintensiver ausfallen. Im Blutbild werden neben den erwähnten Werten der mittleren Stufe auch zusätzlich der Antikörperspiegel bestimmt und zwar gegen Borreliose, Cytomegalie, Ebstein-Barr, Echovirus, Coxsackie-Virus, Chlamydien, Mycoplasmen, Toxoplasmen, Tetanus. Sollte im Verlauf eine entsprecehnden Symptomatik auftreten, erlauben diese AK-Spiegel eine Entscheidung darüber, ob eine Leistungsschwäche durch eine Infektion bedingt ist (häufig: Chlam. pneumoniae, Cytomegalie, Epstein-Barr). Eine der Komplikationen des Ausdauertrainings ist die Schwächung des Immunsystems mit konsekutiven Infektionen. Durch die Veränderung der Antikörperspiegel kann man festlegen, ob man eine frische Infektion durchmacht oder nicht.

Spiroergometrie & Laktatmessung

Unabhängig von der Blutuntersuchung wäre es optimal, wenn eine Spiroergometrie in Kombination mit einer Laktatmessung auf den einzelnen Belastungsstufen erfolgen würde wie auch eine Echokardiographie. Bei Sportlern über 40 Jahren sollte man eine Ultraschalluntersuchung des Abdomen durchführen, um die Nieren beurteilen zu können. Auch die Schilddrüse sollte mittels Ultraschall untersucht werden wie auch die Halsschlagadern, um eine mögliche Arteriosklerose zu erfassen. Eine einfache Lungenfunktion ergänzt die Erstuntersuchung.

Selbstverständlich wäre bei Athleten, welche im Alter von ca. 35 Jahren mit dem Sport bzw. Triathlon beginnen auch die Bestimmung der Cholesterinwerte und der Triglyceride erforderlich, um abzuschätzen, ob hier das Risiko einer koronaren Herzerkrankung vorliegt. Dann wäre neben dem Belastungs-EKG auch eine Stressechokardiographie sinnvoll, sollten Beschwerden in der Brust vorliegen. Aber auch Atemnot kann ein Symptom darstellen, wo sich dahinter eine Herzerkrankung verstecken kann.  Die Situation ist bei jüngeren Athleten natürlich anders, bei welchen diese Vorsichtsmaßnahme nicht notwendig ist. Hier wäre eine Echokardiographie ausreichend. Im optimalen Falle sollte allerdings immer eine Spiroergometrie mit Laktatbestimmung durchgeführt werden, da man danach die Trainingsplanung und -gestaltung vornehmen kann.

Die Spiroergometrie ist die einzige Methode, welche die Leistungserfassung ermöglicht (Einschätzung der Sauerstoffaufnahme/kg Körpergewicht als wichtigen Parameter) und die Bestimmung der anaeroben Schwelle nach einem bestimmten Schwellenmodell mittels Laktatdiagnostik. Darüber hinaus stellt sie visuell den aeroben/anaeroben Übergang dar, was im Verlauf für die Gestaltung des Trainings von Relevanz ist. Nur dann kann man auch die entsprechenden Trainingsformen im frühen, mittleren und späteren Trainingsplan berücksichtigen, weil man dann entscheiden kann, ob man z.B. ein extensives Ausdauertraining empfiehlt oder auch ein intensives Ausdauertraining, welches mehr zur Anhebung der aeroben Schwelle führt – oder auch ein wechselhaftes Ausdauertraining mit z. B. 60 % der Vmax über 30 min und dann 80 % der Vmax (jeweils über 30 min). Auch Entscheidungen über die Eignung für ein Intervalltraining sind dadurch möglich oder auch wann evtl. sehr intensive Serien durchgeführt werden können. Es ist wichtig, sich bei der Trainingsplanung nicht nur auf subjektive Werte zu verlassen, sondern die wenn die Trainingsplanung durch  objektive Daten des Athleten unterstützt.

Unterschied ob jung oder alt … Anfänger oder Profi

Athleten, die am Beginn des Trainings stehen – z. B. Athleten nach der Winterpause oder  Hobbyathleten – ermöglichen Spiroergometrie und Laktatdiagnostik einen optimalen Beginn desselben und eben die optimale Trainingsplanung und -gestaltung.

Die Blutentnahmen und die Echokardiographie stellen wiederum sicher, dass man es mit einem gesunden Hobbysportler oder Triathleten zu tun hat. Es lassen sich gewisse Risiken ausschließen. Auf Grund unserer Erfahrungen, u.a. basierend auf aktuell durchgeführten Studien, zeigt sich, dass krankhafte Befunde bei ca. 20 Prozent der aktiven Triathleten gefunden werden. Manchmal zwingen diese Befunde zur Optimierung, so dass man z. B. die Eisenwerte verbessert, Schilddrüsenpräparate einsetzt bei z.B. Vorliegen einer Schilddrüsenunterfunktion oder z. B. auch eben eine Chlamydieninfektion behandelt, welche bisher nicht erkannt worden war.

Bei einem gesunden 20-jährigen Sportler kann die internistisch-kardiologische Diagnostik geringer ausfallen; bei einem 35-50-jährigen Athleten sind natürlich umfangreichere Maßnahmen erforderlich, wobei die Spiroergometrie mit Blutdruckmessung unter der Belastung und die Echokardiographie wie auch die erweiterte Blutentnahme, inkl. Blutbild, Nierenwerten, Cholesterin-Werten,  Schilddrüsenwerten eine Basis  darstellen sollen.

Trainingstipps vom Abu Dhabi Triathlon Team – die Serie

Teil 1: Kraftraining mit Swen Sundberg
Teil 2: Schwimmen mit Christof Wandratsch
Infos zum Abu Dhabi Triathlon Team

 

 

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