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Genuss ohne Reue – auch im Wettkampf!

Wer mich kennt weiß, dass ich ein Genussmensch bin. Ich liebe frisches, gutes Essen, dazu auch gern mal ein Glas Wein. Mit Fertigprodukten kann man mich auf alle Fälle jagen. Täglich stehen Hans und ich bestimmt eine Stunde in der Küche, um mindestens einmal am Tag eine warme und frischgekochte Mahlzeit auf dem Tisch zu haben. Bei der Menge an Grünfutter, die dabei verbraucht wird, könnte man meinen, dass meine Vorfahren auf der Weide gelebt haben. Und dennoch habe ich mich über Jahre hinweg immer wieder nach dem Essen unwohl und platt gefühlt, dazu kamen starke Magenschmerzen und – worin ich lange keinen Zusammenhang gesehen habe – auch starke Rückenschmerzen. Diesen Zusammenhang hat mir später dann mein Physiotherapeut und Kinesiologe erklärt.  Wenn ich heute zurückblicke, ist es unglaublich, wie ich mich an dieses Zustand gewöhnt hatte und dennoch immer vor mir hergeschoben habe, diese Probleme einmal anzugehen. Der Spruch „Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe“ trifft hier den Nagel auf den Kopf. Hätte einer meiner Athleten über solche  alltäglichen Probleme geklagt, hätte ihn sicher von „Pontius zu Pilatus“ geschickt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Aber im Nachhinein betrachtet, sind die Dinge meistens klar.

Anfang 2011, in einem unserer Trainingslager auf Fuerteventura hatte ich dann ein äußerst interessantes Gespräch mit Laura Milojevic, die Freundin eines Teilnehmers. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin (www.essperiment.at) und einer ihrer Schwerpunkte ist das Thema „Nahrungsunverträglichkeit“.

Histamin als Auslöser?

Nachdem ich selbst schon an eine Laktose-Unverträglichkeit gedacht hatte, hat sie mir nach einem langen Gespräch über die Art meiner Beschwerden und nach welchen Lebensmitteln sie besonders stark auftreten,  den entscheidenden Hinweis gegeben, mich doch lieber einmal auf „Histamin“ testen zu lassen. Da ich mich schon über Jahre vor allem mit dem Thema Sporternährung befasse, war mit Histamin zwar ein Begriff, aber die klaren Symptome der Unverträglichkeit hätte ich bei mir selbst eher nicht erkannt.  Schon während dem Nachlesen über betroffene Lebensmittel wie Rotwein, gereifter Käse, Gepökeltem, Fisch in Dosen und allem sonst, was lange Reifeprozesse hinter sich hat, wurde mit klar, dass sie mit ihrer Vermutung sehr wahrscheinlich ins Schwarze getroffen hatte.

Direkt nach dem Camp war mein erster Gang der zum Arzt, um mein Blut auf den Grundhistaminspiegel zu testen und vor allem die Höhe des abbauenden Enzyms zu überprüfen. Und dann hatte ich es Schwarz auf Weiß: das Enzym ist faktisch bei mir nicht vorhanden. Somit hat mein Körper jedes Mal zu kämpfen, wenn ich ihn mit Lebensmittel belaste, die entweder sehr viel Histamin enthalten, oder den Histaminabbau noch weiter verzögern beziehungsweise Histamin freisetzen können.

Im Nachhinein muss ich mich wieder einmal über die Intuition des Körpers wundern, da ich seit Jahren zumindest einen Bogen um die sehr stark betroffenen Lebensmittel wie Rotwein, Käse oder größere Mengen an eingelegtem Fisch mache.  Scheinbar funktioniert mein Körpergefühl noch relativ gut. Dennoch war die Umstellung groß und ich muss auch gestehen, dass ich nicht bereit bin mich zu 100% gegen alle betroffenen Lebensmittel zu entscheiden. Aber alleine die deutliche Reduzierung hat sowohl meinen Alltag, als auch Sport mehr als positiv beeinflusst, da ich nicht über Stunden nach einer Mahlzeit kämpfen muss, bis ich überhaupt wieder zu einer richtigen Belastung fähig bin und auch deutlich besser schlafe!

Weitere Tests

Die Histaminunverträglichkeit hat mich dazu bewogen noch weitere Tests durchzuführen. Ich empfehle den Sportler da vor allem Fructose, Laktose, Sorbit und falls Probleme vorhanden sind, auch Gluten. Ich selbst musste mich vor allem in Hinblick auf die Wettkämpfe und das Training auch bezüglich Fructose, umstellen, was auch zu einer Verbesserung meiner Trainings- und Wettkampfernährung und damit natürlich auch Leistung geführt hat.

Als Trainer empfehle ich jetzt natürlich noch dringlicher solche Tests, ebenso wie regelmäßige Blutkontrollen, die Mangelzustände auf decken sollen.  Meist stoß ich dabei am Anfang auf Widerwillen, da es einfach etwas Zeit klaut. Man rennt zum Arzt, wird man fündig geht es zur Ernährungsberatung. Zeit, die die meisten Athleten lieber zum Training verwenden würden.  Aber was bringt es mir, wenn ich topfit an den Start gehe, aber mir bereits das Frühstück die ersten und die Rennverpflegung dann die nächsten Probleme bringt. In früheren Rennen war bei mir der Magen oft der schwache Punkt, der meine Leistung limitiert hat, da ich auf Grund von zu wenig Energiezufuhr meine Leistung nur auf einem niedrigeren Niveau halten konnte.

Die Umstellung auf ein sehr verträgliches Gel vor einigen Jahren war bereits der erste Schritt in die richtige Richtung. Jetzt, wo mein Körper auch im allgemeinen, zum Beispiel im Training, die Tage vor dem Rennen und am Wettkampfmorgen nicht mehr von belastenden Stoffen „geärgert“ wird, fühle ich mich wesentlich energiegeladener, kann mehr Energie aufnehmen und letztendlich – und darauf kommt es an – mehr Leistung bringen. Die Zeit, die mich die Tests und die Beratung gekostet haben, wird damit mehr als aufgewogen.

Mein Tipp also: Checkt euren Körper auf eventuelle Schwachstellen wie Unverträglichkeiten und Mangelzustände und reagiert darauf! Denn Leistungssport (und das betreiben wir im Grunde alle, die regelmäßig trainieren), ist Körperpflege!

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