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Studie: Drei-Minuten-Test so gut wie Standard-Laktattest

20. November 2010 von Christoph Näger

Der Drei-Minuten-TestIst ein drei Minuten langer Ausbelastungstest so aussagekräftig wie ein üblicher Laktattest? In einer Studie wurde dies versucht herauszufinden. Wir wollen die Methode und das Ergebnis  hier näher vorstellen und haben eine Expertenmeinung dazu eingeholt.


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Ziel diese Studie war es die durchschnittliche Wattzahl am Ende eines dreiminütigen Ausbelastungstestes mit Laktatschwellen zu vergleichen. Zudem sollte eine Vorgehensweise entwickelt werden, den Drei-Minuten-Test mit bereits vorhandenen Meßsystemen für Radfahrer durchzuführen.

Die Methode
Es wurden acht gut trainierte Radfahrer untersucht, die drei Labortests durchlaufen mussten. Alle Tests wurden auf den eigenen Rädern durchgeführt, die Leistungsmessung erfolgte durch eine Hinterradnabe.

Test 1: Die Probanden absolvierten einen Stufentest mit 100 Watt Anfangsbelastung und 25 Watt Steigerung alle vier Minuten bis zum freiwilligen Testabbruch, der von jedem Sportler selbst bestimmt werden konnte.

Blutlaktatwerte wurden jeweils in der dritten Minute jeder Stufe genommen (eine Stufe war vier Minuten lang). Anhand der Laktatleistungskurve wurden folgende Leistungen/Laktatschwellen bestimmt:

  1. Die Leistung bei 4mmol/l
  2. Die Leistung an der Laktatschwelle nach Freiburg (+1,0mmol/l über dem Basislaktat)
  3. Die Stufenleistung bei der der Laktatwert an zwei aufeinander folgenden Stufen mindestens um 1mmol/l anstieg.

Test 2+3: Die Sportler absolvierten einen drei Minuten-Test auf einem progressiven Radergometer und wurden angewiesen sich maximal zu belasten. Der zweite Test diente der Eingewöhnung, beim dritten Test wurde die Durchschnittsleistung der letzten 30 Sekunden bestimmt.

Ergebnis: Ohne Laktattest, soll es möglich seine Laktatschwellen zu bestimmen
Die Durchschnittsleistung der letzten 30 Sekunden wurde in Bezug zu den drei Laktatschwellen gesetzt und so genannte Korrelationsfaktoren sowie lineare Regressionsgeraden (ist eine Gerade, die den Zusammenhang zweier Parameter beschreibt) bestimmt. Anhand der Durchschnittsleistung der letzten 30 Sekunden des drei Minuten Testes auf einem Radergometer und der berechneten Korrelationsfaktoren soll es möglich sein die Schwellenleistung an den drei Laktatschwellen zu berechnen ohne einen Laktattest zu absolvieren

Expertenkommentar
Die Studie ist unabhängig von der Methodik, aufgrund der sehr geringen Probandenzahl von sieben Personen statistisch nicht haltbar und deshalb nicht valide (gültig).

Fraglich ist zudem die Messung des Laktatwertes in der jeweils dritten Minute bei einer Stufendauer von vier Minuten und nicht am Ende der Stufe. Die Laktatleistungskurve fällt deshalb besser aus als sie tatsächlich ist.

Bei der Auswertung und der Bestimmung der linearen Korrelationsgeraden und der Berechnung der Laktatschwellen aus dem drei Minuten Test sind folgende Dinge anzumerken: Aufgrund der Streuung der Messwerte um eine Regressionsgerade (siehe auch Graphik Herzfrequenzfaustformel, rote Linie repräsentiert die Faustformel = Regressiongerade, Punkte sind tatsächliche Messwerte) stellt dies nur eine grobe Abschätzung der tatsächlichen Werte dar.

Die Hochrechnung der Laktatschwellen ist zudem fehleranfällig und liegt nicht wie angenommen bei einem definierten Prozentsatz der Maximalleistung, sondern ist am Stoffwechsel jedes Einzelnen orientiert. Die Streuung der individuellen anaeroben Schwellenleistung im Bezug zur Maximalleistung in einem klassischen Stufentest beträgt zum Beispiel zwischen 70 und 85 Prozent.

Foto: Udo Kroener – Fotolia.com

Christoph Näger ist Autor dieses Artikels. Christoph ist studierter Dipl.-Sportwissenschaftler mit der Hauptstudiumsrichtung Leistungssport. Als Trainer betreut er seit über 10 jahren erfolgreich Sportler in den Bereichen Triathlon, Skilanglaufen, Rad (Strasse und MTB) sowie Laufen. Mit energysource bietet er nicht nur umfassende diagnostische Betreuung an, sondern steht auch in den Bereichen Speed Training, Trainingsplanung und Ernährungsberatung zur Seite.
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