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Stryd Lauf-Powermeter im Langzeittest

12. April 2016 von Mario Lisker

Stryd Powermeter Laufen Mallorca2
Vor fast einem Jahr berichteten wir über das erste Lauf-Powermeter von Stryd (hier zum nachlesen). Nichts weniger als eine Revolution versprachen die Entwickler aus den USA. Laufökonomisierung und, bestenfalls, nie wieder Leistungseinbrüche zum Ende eines Wettkampfes. Watt-Pacing unter Beachtung von Steigungen und Gegenwind klangen vielversprechend. Kurz nach unserem Artikel hatten wir die Möglichkeit das Gerät fast ein Jahr zu testen…


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Vom Release zur Wirklichkeit

Stryd LaufpowermeterAls im Sommer 2015 das erste Gerät eintraf, erwartete uns nach euphorischem Zerreißen der Packung bereits die erste Überraschung. Anstatt des erwarteten Pods für den Gürtelbereich blinkte uns eine gelbe Signalleuchte auf einem Brustgurt an. Vielleicht haben die Amerikaner ein anderes Verständnis der Trageweise eines Gürtels? Nach kurzem Austesten war klar, dass es tatsächlich als Brustgurt getragen werden soll. Die einstige Argumentation, ein Pod sei durch einen besseren Kräftemittelpunkt besser geeignet, wurde somit verworfen. Entwickler Li Shang begründet diesen Schritt durch zu große Störfaktoren, die im Gürtelbereich auftraten und die Werte verfälschten.

Wattwerte genügten den Athleten nicht

Stryd PowercenterDie stetige Rücksprache mit den Athleten gaben Shang einen weiteren Grund für den Brustgurt. Kaum einer der Athleten mochte auf die Herzfrequenzmessung verzichten – das war schon bei der Entwicklung klar. Aber wer legt sich zwei verschiedene Brust- oder Gürteltragesysteme an? Die Kombination macht es im Nachhinein auch leichter die Daten auszuwerten. Anstatt alles separat Abgleichen zu müssen, sind alle Variablen in einer Grafik bereits vorhanden. Nach angelegtem Brustgurt ist die empfangene Herzfrequenz der erste Impuls das System zu starten. Ohne Herzfrequenz startet keine Wattmessung. Das System kann also nicht falsch getragen werden, womit der Algorithmus weniger Abweichungen beachten muss. Der Gurt selbst neigte in den Tests zu Scheuerstellen auf der Haut an den Rändern. Ebenfalls unzureichend: Die Wasserfestigkeit. Diese ist mit gerademal 30 Minuten bei einem Meter Wassertiefe für Triathleten schlecht geeignet. So muss der Gurt in der Wechselzone angelegt werden.

Laufband-Funktionen nur mit App

Stryd App mit LaufbandfunktionStryd bietet eine kostenlose App für IOS und Android an. Der Vorteil der Stryd-App, neben der möglichen Aufzeichnung mit dem Smartphone, ist die Erfassung von Indoor-Parametern des Laufbandes. Bei unseren Tests mit einer Garminuhr auf dem Laufband fiel auf, dass der Anstieg keine Auswirkungen auf die erbrachte Leistung hatte. Shangs Erklärung dazu ist schlüssig: Es fehlt der Beschleunigungsimpuls nach vorn, da nur auf der Stelle gelaufen wird. Mittels App kann diese Funktion eingeschaltet werden. Anstieg und Geschwindigkeit werden der App manuell mitgeteilt. Und siehe da: Die Wattwerte passten sich unserer Atemnot bei zehnprozentigen Anstiegen an.

Kommunikationsprobleme

Ein Muss für das Nutzen der Stryd-App ist die Update-Funktion der Firmware. Nur mit der App erfolgt ein Update des Gurtes. Leider wurde dies in unserer Testphase so nie beworben, weshalb wir dies auch spät nutzten. Das gab Minuspunkte in der Bewertung denn die alte Firmware beachtete zwar die Herzfrequenz, berechnete aber nicht die Herzratenvariabilität (HRV). In Folge dessen bekamen wir bis zum Zeitpunkt des Updates nie eine korrekte Berechnung der verbrauchten Kalorien. Das an sich wäre nicht schlimm. Aber durch das Fehlen des HRV-Wertes war keine Aussage für eine nötige Trainingspause oder eines bevorstehenden Infektes möglich. Ein automatisches Update erfolgt leider nicht.

Wichtig: Support zur Auswertung nutzen

Stryd Powermeter Laufen MallorcaUnsere Tests auf der Straße und im Gelände zeigten nachvollziehbare Änderungen der Wattwerte bei Steigungen, Gegenwind oder Pace-Änderungen. Leider gab es aber auf flachen Strecken ohne ersichtlichen Grund ebenfalls Wattsprünge. Die waren teilweise so groß, dass die Ursache nicht nachvollzogen werden konnte. So mussten wir testen was diese ineffiziente Leistung verursachte. Leider meist ohne Erfolg. Selbst die Zusammenarbeit mit einem Sportwissenschaftler und Trainer half uns wenig. Shang verweist an die kostenfreie Stryd Software „PowerCenter“, in der die Daten hochgeladen werden sollen. Das Team und die Software werten die Daten aus und es gibt Feedback zur Laufform und Effizienz. Ohne Support ist es schwer mit den Daten etwas anzufangen, was schade ist. Denn der Zeitversatz zu den USA und die Klärung der Fragen bedeuten einen nicht unerheblichen Zeitaufwand für deutsche Athleten.

Potenzial und Zielgruppe

Collage Stryd 2Schnelle und einfache Auswertung bieten zunächst nur einfache Parameter wie Schrittanzahl und daraus resultierende Schrittlänge. Das hilft zur ersten Einordnung der Laufökonomie. Der Mittelwert der erbrachten Leistung kann ebenfalls als Anhalt für das erste Pacen helfen, da die Intensität und Herzfrequenz eines Laufes ja bekannt sind. Die Wattwerte bei Steigungen oder Gegenwind sind nachvollziehbar und schützen vor einer Energieverschwendung. Aber: Die teilweise nicht erklärbaren Wattänderungen, sei es durch falsche Armarbeit oder zu starkes Aufstampfen, erfordern ein intensives Einbinden eines Laufcoaches oder des Stryd-Teams. Das lohnt für Hobbyathleten derzeit leider kaum. Geht es nach Stryd ist dies nur eine Frage der Zeit. Denn die Datensammlung im Stryd-Powercenter soll helfen allgemeinere Aussagen und Rückschlüsse zu generieren. Bis dahin bleibt Stryd leider mehr Spielerei als sinnvolle Hilfe, es sei denn es wird genug Zeit zur Datenauswertung mit dem Supportteam aufgebracht. Die unerklärlichen Wattänderungen während eines vermeintlich flachen Laufes sind einfach zu groß, um sie ohne Hilfe gezielt für die Laufökonomie und ein zielgerichteteres Watt-Pacing umzusetzen.

Habt Ihr Erfahrungen mit dem Stryd-Powermeter gemacht? Teilt diese mit uns und den Lesern, um dieser (immernoch) viel versprechenden Entwicklung eine Zukunftschance zu geben!

Hier geht’s nochmal zum ersten Stryd-Artikel. 

Hier geht’s zur Stryd-Website. 

Fotos: Stryd, Mario Lisker, triathlon.de

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