Rennräder sind weiblich. Anmutig gleiten sie durch die Landschaft, wenn man sie pfleglich behandelt. Kein Wunder also, dass immer mehr Frauen im Sattel sitzen. triathlon.de hat ein mehrtägiges Rennradcamp für Frauen begleitet.

Frauencamp: “Ortsschild keine Ziellinie”
Die Chiemsee-Umrundung ist die Königsetappe des viertägigen Einsteiger-Camps: 100 Kilometer zieht sich die Große Schleife um den See herum. Auf Wunsch der Teilnehmerinnen hat Bike Guide Stefan Bienert die Tour bereits am zweiten Tag in sein Programm aufgenommen: “Bei den Frauen erzielt man in kürzester Zeit ein Erfolgserlebnis.” Grund dafür sei das geringe technische Niveau, glaubt Bienert. Deshalb führt der 46-jährige Trainer vom Veranstalter Mountain Aktiv die Gruppe nicht nur durch den Chiemgau, sondern erklärt den drei Damen auch, wie man mit Klickpedalen und in der Doppelreihe fährt. Das klappt am zweiten Tag schon so gut, dass sich die Fahrerinnnen in der Führungsarbeit abwechseln. Der Radcomputer zeigt knapp 60 Kilometer pro Stunde an, die Sitzposition bei der Abfahrt wird windschnittiger. Im Gegensatz zu den Männern fehle den meisten Frauen jedoch ein ausgeprägter Ehrgeiz, erklärt der Bike Guide: “Hier ist nicht jedes Ortsschild eine Ziellinie.”
Pannen-Workshop: Freiheit auf zwei Rädern
Die Idee für eines der wenigen Frauencamps in Deutschland kam Geschäftsführerin Daniela Hackl vor drei Jahren. In einem Trainingslager auf Mallorca stellte die Hobby-Rennradfahrerin fest: “Es gibt viele Frauen, die schlecht fahren, aber keiner kümmert sich um sie.” Kurzerhand gründete sie zusammen mit ihrem Mann Martin im oberbayerischen Inzell Mountain Aktiv. Das Angebot des Sportreiseveranstalters umfasst mehrtägige Touren mit dem Mountainbike oder Rennrad, Kids-Camps und neuerdings sogar einen Workshop für Triathlon. Das Zugpferd seien nach wie vor die Frauencamps, erklärt Hackl: “Ohne Männer in der Gruppe sind Frauen freier.” Zu der neuen Freiheit auf zwei Rädern gehört auch ein Pannen-Workshop: Stefan Bienert zeigt den Teilnehmerinnen, wie sie das Hinterrad ausbauen und einen defekten Schlauch wechseln. Aus der Trockenübung wird am letzten Tag überraschenderweise ernst: Der Workshop gibt Sicherheit, der Reifen ist mit neuem Schlauch im Nu eingebaut.
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Fotos: triathlon.de


