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Rekordjagd beim Race Across America

26. Juni 2017 von Stephan Schepe

Thomas Futterknecht, freiKnapp 5.000 Kilometer auf dem Rad. Am Stück. Bei Tag und Nacht. Bei Hitze und Kälte. Bei Sonne und Regen. Fast ohne Schlaf. Das ist das Race Across America (RAAM), das härteste Langstreckenrennen der Welt. Ein Österreicher und vier deutsche Damen gingen bei diesem Wahnsinnsritt auf Rekordjagd.


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Christoph Strasser, freiChristoph Strasser, der österreichische Extremradsportler, ging als dreifacher Champion in der Solo-Kategorie dieses Rennens an den Start im kalifornischen Oceanside – nur noch 3.000 Meilen (ca. 4.800 Km) und 52.000 Höhenmeter zu überwinden bis zum Ziel an der Ostküste. Dass Strasser seinen vierten Triumph einfahren wollte, ließ er seine Konkurrenz schnell merken: bereits am zweiten Renntag übernahm Strasser die Führung des Rennens und gab sie an den sechs darauffolgenden Tagen nicht mehr ab. Nach 8 Tagen, 9 Stunden und 34 Minuten überquerte er die Ziellinie in Annapolis mit viertschnellsten je gefahrenen Zeit. Noch beeindruckender ist allerdings sein Vorsprung auf die Konkurrenten: als der Österreicher ins Ziel fuhr, hatte der Zweitplatzierte Brite Mark Pattinson noch 700 Kilometer vor sich und erreichte das Ziel anderthalb Tage nach Christoph Strasser. Ein solcher Vorsprung ist absoluter Rekord beim RAAM.

Strassers Erfolgsrezept liegt in seiner Konstanz und vor allem psychischen Stärke begründet. Bei Wind und Wetter, bei Tag und Nacht spulte der Extremradsportler seine Kilometer ab –  ungefähr 600 Kilometer pro Tag mit nur einer Stunde Schlaf auf den Tag verteilt. Nach eigenen Angaben verbrauchte er dabei zwischen 9.000 – 12.000 Kalorien am Tag und nahm 12 Liter Flüssigkeit zu sich.

 

Team „Quattra Bavariae“ holt sich den Streckenrekord 

Thomas Futterknecht, frei

Auch das deutsche Vierer-Damen-Team „Quattra Bavariae“ war mit großen Ambitionen in dieses Rennen gegangen. Nicht weniger als die Verbesserung des Streckenrekords für Damen-Teams war das erklärte Ziel der vier Radsportlerinnen. Dafür mussten knapp 5.000 Kilometer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 31 Km/h zurückgelegt werden. Es wurde eine Zitterpartie. Nach 6 Tagen, 15 Stunden und 19 Minuten erreichten Nicole Bretting, Christine Waitz, Monika Dietl und Steffi Steinberg völlig erschöpft den Zielort in Annapolis. Erst dort sollte sich herausstellen: das Team hat den Rekord geknackt.

Thomas Futterknecht, freiMonika Dietl, Gewinnerin des Ötztaler Radmarathons, ist, wie das gesamte Team überwältigt. „Wir wussten erst im Ziel nach den Hochrechnungen ob wir den Rekord jetzt wirklich geholt haben! Es war so knapp! Wir sind die letzten Stunden wirklich auf Anschlag gefahren!“

Maximal drei Stunden Schlaf pro Tag, Temperaturschwankungen zwischen acht und 50 Grad, Unwetter, Reifenpannen an den Teamfahrzeugen, ein gebrochener Lenker und zuletzt prasselnder und stundenlanger Regen waren die größten Herausforderung für Quattra Bavariae. „Zermürbend waren vor allem die Anstiege in der Nacht. Sie waren ja nicht zu sehen, kamen aus dem Nichts – das war echt zäh!“ so Christine Waitz aus Roth, die im Vorjahr als Einzelstarterin und als erste deutsche Frau das Race Around Ireland erfolgreich absolviert hat.

Im letzten Viertel des Rennens kamen die Appalachen als letzte große Hürde des RAAM. Crew-Chief Meike: „Der Rekord drohte uns durch die Finger zu gleiten. Dann kam noch der sintflutartige Regen dazu… Aber die Mädels wollten es so unbedingt. Und wir wussten, dass uns tausende vonFans über die sozialen Medien verfolgen, das war Gänsehaut-Feeling pur.“

Thomas Futterknecht, freiSteffi Steinberg aus Bad Honeff, die einzige Athletin die nicht aus Bayern kommt, war aufgrund einer schweren Erkrankung für Heike Prieß aus Dietramszell spontan eingesprungen. „Ich habe alles gegeben, für Heike für das Team! Es war eine große Chance für mich! Es ist unbeschreiblich, was wir hier gemeinsam erlebt und durchgestanden haben.“

Fotos: Thomas Futterknecht, Christoph Strasser

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