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Post-Race-Interview mit Sonja Tajsich: „Boah, war ich stolz.“

18. Oktober 2012 von Ralph Schick

Ingo KutscheRegensburg, 18. Oktober 2012 – Direkt nach dem Ironman Hawaii 2012 ist Sonja Tajsich zurück in die Heimat nach Regensburg geflogen. Sonja ist als vierte Dame über die Ziellinie gelaufen. Dabei war sie nicht nur schnellste Deutsche, sondern hat unter härtesten Bedingungen den schnellsten Marathon des Tages abgeliefert. Nun – wenige Tage später – hat sie uns verraten, wie ihr Rennen lief, was ihr auf der Ziellinie durch den Kopf ging und wie ihre weiteren Pläne sind.


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Sonja, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem tollen vierten Platz. Du bist den schnellsten Marathon beim Ironman Hawaii gelaufen. Wie geht es drei Tage später deinen Beinen? Tut dir irgendetwas nicht weh?

Direkt nach dem Zieleinlauf hat mir genau jeder Millimeter meiner Beine weh getan, die Nacht war kurz und unruhig. Am nächsten Tag ging es schon bedeutend besser und heute – drei Tage nach dem Event – spür ich noch einen normalen Muskelkater, besonders in den Waden und meinem rechten Rückenstrecker.

Wie war der Rennverlauf aus deiner Sicht? Wann war dir klar, dass nach vorne noch einmal richtig was gehen könnte?

Beim Schwimmstart ist leider das „worst case“-Szenario eingetreten. Erst kam ich ganz gut weg, dann hatten die rechts von mir Schwimmenden einen Linksdrang und die links Schwimmenden einen Rechtsdrang, ich war irgendwie eingekeilt, es kam zum kurzen Stillstand und schwups, bis ich mich verseh hab ich den Anschluss verloren. Dreißig Frauen in dem großen Meer sind ja eh nicht so viele und bei diesen welligen Bedingungen ist es dann schwierig, die ideale Position zu finden und zu halten. Das soll natürlich keine Ausrede sein, den anderen gelang es ja auch. Fakt war, dass ich die komplette Strecke alleine geschwommen bin. Die 3,8 km waren so lang!
Was dann den weiteren Rennverlauf angeht: Ich hab gottseidank einen „kühlen Kopf“ bewahren können, hab auf meine Stärken beim Radfahren und Laufen vertraut und auch abrufen können. Erst war noch eine große Portion Geduld gefragt: Eine gesamte Stunde lang habe ich niemanden auf dem Rad eingeholt. Aber dann ging es Schlag auf Schlag. Als ich als Zehnte vom Rad stieg war ich total glücklich. Zumindest Top 10! Dass ich noch auf den Vierten Platz vorlaufen würde, das hätte ich nie geglaubt!

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Kannst du uns deine Gefühle beschreiben, als du als Vierte über die Ziellinie gelaufen bist?

Ich war überglücklich! Letztes Jahr bin ich 17 Sekunden hinter der sechstplatzierten Karin Thürig ins Ziel und das wollte ich nicht noch mal so erleben. Man grübelt ewig rum, wo man diese paar Sekunden gelassen hat. Also hatte ich mich auf die härtesten letzten 7 Marathonkilometer meines Lebens eingelassen und es hat geklappt. Boah, war ich stolz! So ein Kampf! Beinahe hätte ich dann wieder gegrübelt, als ich erfahren habe, dass ich nur eine Minute hinter Platz drei ins Ziel gelaufen bin, aber ich hab die Gedanken dann gleich verworfen und beschlossen glücklich über das zu sein, was ich erreicht habe und nicht über das nachzugrübeln, was ich nicht erreicht habe.

Du bist gleich am Montag zurück nach Deutschland geflogen. Trägst du im Flugzeug Kompressionssocken? Wie sieht in den nächsten Tagen und Wochen dein Regenerationsprogramm aus?

Klar trag ich meine SKINS Recovery Tight im Flugzeug und die Sleeves tagsüber! Wir sind nach San Franzisko geflogen und erst einen Tag später dann weiter nach Deutschland. Das war ganz gut, den Beinen ging es schon erheblich besser. In der Früh vor dem Flug war ich kurz im Hotel-Fitnessstudio auf dem Hometrainer. Die zwei Wochen nach dem Wettkampf auf Hawaii lasse ich sehr, sehr ruhig angehen. Ein wenig schwimmen, ein wenig lockeres Kurbeln auf der Rolle. Der erste halbstündige Lauf erst eine Woche nach dem Rennen. Aber das ist auch gut so, meine Saison geht ja noch weiter!

Wie sehen deine weiteren Pläne aus? Weißt du schon, bei welchem Wettkampf wir dich wieder sehen dürfen?

Wir haben ziemlich schnell den Entschluss gefasst, dass ich meine tolle Form nicht im deutschen November verblassen lassen möchte. Ich möchte noch den Ironman 70.3 auf Lanzarote am 10.11. und den Ironman Cozumel am 25.11. machen – dieser Plan hat mir letztes Jahr sehr gut gefallen, dann hatte ich meine Winterpause genau in der Weihnachtszeit. Da die Regenerationsfortschritte gut verlaufen, denke ich, dass ich das so machen werde.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: Ingo Kutsche, triathlon.de

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