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Post-Race-Interview mit AK-Weltmeisterin Gabriela Harnischfeger

19. Oktober 2012 von Ralph Schick

Peter HarnischfegerKona, 17. Oktober 2012 – Während die Profis beim Ironman Hawaii im Rampenlicht stehen und einen Großteil der Aufmerksamkeit bekommen, bringen auch die Agegrouper, die 30 Minuten nach den Profis auf die Strecke gelassen werden, regelmäßig sensationelle Leistungen. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, auch diese Leistungen angemessen zu würdigen, denn oft werden sie von Athleten erbracht, die neben dem Sport berufstätig sind und vielleicht sogar eine Familie managen müssen. Eine von diesen Athletinnen ist Gabriela Harnischfeger, die am letzten Samstag bei ihrer Premiere auf Hawaii Weltmeisterin in der AK45 geworden ist.


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Gabriela, du bist beim Ironman Hawaii 2012 Weltmeisterin in deiner Altersklasse geworden. Herzlichen Glückwunsch dazu. Hattest du während des Rennens im Blick, wer vor und wer hinter dir liegt?

Vielen Dank. Ich wusste, dass meine Konkurrentinnen alle auch 9xx Startnummern hatten. Wer vor bzw. hinter mir war, bekam ich eigentlich erst auf der Laufstrecke richtig mit. Mein Betreuer (mein Mann) hat mir zugerufen, an welcher Stelle ich lag bzw. wieviel Rückstand/Vorsprung ich hatte. Das war vor allen Dingen wichtig auf den letzten zwölf Kilometern.

Kannst du dein Rennen kurz zusammenfassen? Die Verhältnisse auf der Radstrecke waren so hart wie schon seit einigen Jahren nicht mehr. Wie hast du das wahrgenommen?

Schwimmen: Ich war mir beim Schwimmstart doch unsicher und bin links gestartet. Ich bin aber mit dem Schwimmen-im-Meer besser zurecht gekommen, als gedacht. Allerdings brauchte ich doch ein paar Minuten länger als ich mir vorgenommen hatte und kam als 25. aus dem Wasser.

Auf der Radstrecke hatte ich trotz schwieriger Verhältnisse einfach nur Spaß und keinen Durchhänger. Zu Anfang war es sehr voll und ich konnte nicht so schnell fahren wie gewollt (Windschattenfahren vermeiden). Doch dann konnte ich konstant das Feld von hinten aufrollen, obwohl ich wg. Defekt nur das große Blatt vorne nutzen konnte. Mit den anspruchsvollen Windverhältnissen kam ich gut zurecht und ich merkte, ohne meine Rumpfstabi wäre ich durch die starken Böen von der Strecke geweht worden. Die Radstrecke selber war für mich abwechslungsreich und es hat mir nichts ausgemacht, in der Hitze der Lavafelder zu fahren. Die Steigungen waren für mich nicht so schlimm, was sicherlich daran liegt, dass ich daheim ständig Berge fahre.

Bei km 140 wurde mir Platz 3 angezeigt, wusste aber nicht, wie groß der Abstand nach vorne war. Kurz vor Ende der Strecke konnte ich die bis dahin Zweitplatzierte überholen und wir sind fast gleichzeitig auf die Laufstrecke gegangen.

Peter HarnischfegerAuf der Laufstrecke habe ich erst mal versucht auf dem Alii Drive meinen Rhythmus zu finden. Nach fünf Kilometern wurde mir zugerufen, dass ich 8 Min hinter #1 liege und 2 min vor #3. Ich habe mir auf der Laufstrecke bei jeder Station viel Zeit genommen, viel getrunken, mich viel mit Eis versorgt, um so mit der Hitze gut zurecht zu kommen. Die Versorgung auf der Laufstrecke war auch sehr gut. Die letzte Steigung auf dem Highway vor dem Energy Lab empfand ich als „never-ending“. Im Energy-Lab kam dann der Wendepunkt nicht nur der Laufstrecke, sondern auch für den weiteren Wettkampfverlauf: ich sah, dass die Erste in erreichbarer Weite, allerdings auch, dass die mir folgende direkt hinter mir war. Als ich aus dem Energy Lab rauskam, war ich ca. 500 Meter hinter der Führenden, aber auch nur ca. 200 Meter vor der Folgenden. Bei ca. Kilometer 34 habe ich dann die Führende überholt, während die Dritte weniger als 30 Sek hinter mir lag. Da wurde es dann richtig hart für mich und ich habe überlegt, wie viel ich jetzt noch zulegen kann, ohne einzubrechen. Ich habe mich auf Puls konzentriert und darauf, mich weiterhin gut zu versorgen. Beim Abbiegen in die Palani Road (die letzten ca. 3 km) habe ich dann nochmal Gas gegeben in der Hoffnung, dass es reicht. Für mich als Debütantin dauerten dann die letzten km doch länger und ich dachte mir:“Jetzt lasse ich mir nicht mehr die Butter vom Brot nehmen“.

Wie hat sich der Zieleinlauf am Pier von Kona angefühlt? Kannst du uns deine Emotionen beim Finishen schildern?

Bei Zieleinlauf konnte ich die Atmosphäre nicht so ganz genießen, da ich das nun unbedingt gewinnen wollte und ich ja nur wenig Vorsprung hatte.

Im Ziel hatte ich es dann geschafft – wie ich später erfahren habe mit nur 50 Sekunden Vorsprung – aber konnte es gar nicht fassen, dass ich gewonnen hatte. Es ist etwas so Großartiges für mich und fühlte sich an wie ein Traum. Ich habe mich im Zielbereich nur noch gefreut über das für mich Unglaubliche, ich habe die Betreuer umarmt und mich dann überglücklich in eine Liege fallen lassen.

Was steht jetzt an Regeneration an? Wie geht es mit deiner sportlichen Karriere weiter?

Ich genieße jetzt erst mal noch zwei Wochen Hawaii auf anderen Inseln. Danach werde ich mir Zeit nehmen für meine Pferde und die Reiterei (mein Beruf, zweite Leidenschaft und idealer Ausgleichssport). Das ist für mich die optimale Regeneration für Kopf und Körper. Und natürlich werde ich mir auch Zeit nehmen, mit meinen drei Töchtern zu shoppen, in’s Kino zu gehen, etc. Und ich werde mich erstmal auch mit Freunden treffen und in Ruhe Sachen machen, die sonst zu kurz kommen.

Im nächsten Jahr möchte ich an der ITU Weltmeisterschaft und an der Challenge Roth teilnehmen. Und ich werde nächstes Jahr wieder in Hawaii dabei sein, wenn ich weiterhin verletzungsfrei bleibe.

Vielen Dank für das Gespräch

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