Frankfurt am Main - Timo Bracht (Soprema Team MTG Mannheim/ Commerzbank Triathlon Team) hat den Titel des Europameisters im Ironman Triathlon in Frankfurt am Main in 7:59:15,7 Stunden und neuem Streckenrekord gewonnen. Er setzte sich bei der 8. Auflage der Frankfurter Sparkasse Ironman European Championship zum zweiten Mal gegen ein hochkarätiges Feld mit Eneko Llanos (ESP, 8:00:21), Vorjahressieger Chris McCormack (AUS, 8:03:05) und Andreas Raelert (GER, 8:03:29) in einem spannenden Laufkrimi durch.
„Das war das schwerste Rennen meines Lebens. Ich muss mich bei den Zuschauern bedanken. Auch bei Chris McCormack. Ohne Chris hätte ich nicht gewonnen! Wir waren den ganzen Tag zusammen. Ich habe wieder viel gelernt am heutigen Tag. Ich habe, als ich den Kontakt [beim Laufen] zu Macca verloren hatte, nicht mehr an den Sieg geglaubt. Dann kam irgendwas, das mich zurückbrachte. Sei geduldig hat mir mein Trainer Ralf Ebli zugerufen. Der Satz schwirrte die ganze Zeit im Kopf - die letzten Kilometer gehören dir. Meine Kilometer kamen tatsächlich. Das Rennen ist besonders wegen der Menschen hier. Ich bin sehr stolz, hier sein zu dürfen. Ohne die Anfeuerung der Fans wäre das nicht möglich gewesen“ erklärte ein überglücklicher Bracht, der sich auf dem Zielkanal mit Flagge abklatschen und feiern ließ.
Schon nach dem Schwimmen setzte sich eine Siebener-Gruppe mit fast allen Favoriten ab. Darunter auch Raelert, Eneko und seine Bruder Hektor Llanos (ESP), Terenzo Bozzone (NZL), Charly Loisel (FRA), Faris Al-Sultan (GER) und Matthias Hecht (SUI). Den Sprung an die Spitze schafften die beiden großen Mit-Favoriten McCormack und Bracht nicht und fanden später in einer fair fahrenden Gruppe mit Markus Fachbach (GER) den Rhythmus, um die vielleicht etwas zu früh nach rund 90 Kilometer hart attackierenden Raelert und Llanos nicht zu weit enteilen zu lassen. Zuvor führte Al-Sultan zeitweilig das Rennen auf dem Rad an, musste aber vor der Wechselzone die Spitze an Llanos und Raelert abtreten, um als Gesamtsechster einzulaufen.
Der Marathon war an Spannung kaum zu überbieten und erinnerte zeitweilig an das Laufduell zwischen Nicole Leder und Andrea Brede im Jahr 2007, das Leder damals für sich entscheiden konnte.
Llanos vergösserte schnell mit einem hohen Anfangstempo den Vorsprung, den er schon aus der Wechselzone 2 vor der Radstrecke mitbrachte. Auf den ersten 12 Kilometern gab der EM- und WM-Zweite von 2008 nur wenige Sekunden an die hartnäckigen Verfolger Bracht und McCormack ab. Die beiden starken Läufer blieben als siamesischer Zwilling wie die Schatten zusammen und peitschten sich zu Spitzenleistungen bei erschöpfenden Temperaturen bis zu 30°C auf der zweiten Hälfte des Marathons.
Es war dann Vorjahressieger McCormack, der den Angriff früh setzte, um sich mit einer Tempoverschärfung von Bracht zu lösen und danach auch Llanos überlief. Dann überstürzten sich die Ereignisse. Der schon geschlagen geltende Raelert berappelte sich trotz Magenprobleme und griff den drittem Platz von McCormack an, der mittlerweile selbst massive Probleme hatte. „Das waren die härtesten 6 bis 7 Laufkilometer meines Lebens. Ich musste lange nicht mehr so kämpfen.“
Bracht überholte in exzellenten 2:43:0 Stunden für die 42 Kilometer McCormack, der zusehends mit Krämpfen zu kämpfen hatte und knüpfte sich 7km vor dem Ziel Llanos vor.
Titelverteidiger McCormack zeigte sich als fairer zweiter Sieger:„Ich hatte ein schlechtes Schwimmen, und musste früh und hart auf dem Rad kämpfen. Wenn man die EM in Deutschland gewinnen will, muss man bei den starken Jungs vorne sehr hart arbeiten. Ich musste früh viel Energie investieren und bin halt an die Wand gelaufen. Timo ist ein wunderbarer Athlet. Er hat ein sehr schlaues Rennen gezeigt und hat länger gewartet als ich. Er hat die Würfel geworfen, wie ich auch und verdient den Sieg geholt!“
Prominenteste Opfer der schnellen Radausfahrt an der Spitze waren Bozzone und Raelert. Während sich der zweifache Olympiateilnahmer aus Drake ausgepumpt nach dem Radfahren statt um die Laufschuhe um die flüssige Energiezufuhr im Wechselzelt kümmerte, lief es für Bozzone als Ironman 70.3 Weltmeister schlechter. Es sollte ein Marathon mit vielen Gehpausen für Raelert werden, bis er wieder zu seinem Rhythmus und Platz 4 fand. Brachts junger Teamkollege Mathias Hecht aus der Schweiz schaffte am Ende einen hervorragenden fünften Platz und fing damit noch Al-Sultan ab. Bozzone wurde indessen weiter nach hinten durchgereicht und unterlag im Sprint um Platz 8 Nile Goerke (GER). Er zeigte sich von vom Ironman in Frankfurt beeindruckt: „Ich wurde gewarnt, dass es nicht leicht ist in Deutschland einen Ironman zu gewinnen oder sich nur vorne zu platzieren. Das Rennen war hart und eine beeindruckende Erfahrung.“
Normann Stadler, der in der kommenden Woche selbst auf der Langstrecke starten wird, beglückwünschte Bracht im Ziel und attestierte dem Rennen bei den heißen Bedingungen einen spannenden Rennverlauf. „Ich bin unheimlich stolz auf Timo. Besser kann man ein solches Rennen nicht bestreiten. Einen so spannenden Wettkampf habe ich lange nicht erlebt. Mit Marinos Sieg in Österreich ist es das perfekte Wochenende. Großes Lob auch an Mathias Hecht, der ein großes Kämpferherz bewiesen hat.“
Laut Polizeiangaben verfolgten circa 500.000 Zuschauer in der Region begeistert den spannenden Rennverlauf bei den einzelnen Disziplinen, und Tausende bejubelten rund um den historischen Frankfurter Römerberg die letzten Meter der beiden Sieger und bereiteten einen begeisternden Empfang.
Rennausrichter Kurt Denk (Geschäftsführer Ironman European Headquarters): „Das war heute wieder großes Sportkino, was den Zuschauern in Frankfurt und Umgebung geboten wurde, mit großartigen Leistungen und würdigen Siegern.“
(kb mit Material von HTV/tz und Ulrike Voss)

&i=Polar-Look-Keo-Power-2.jpg&w=65&h=65&cw=65&ch=65)


