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Freiburg - Steffen Liebetrau, bekannt für seine kämpferischen Radfahrten beim Ironman Lanzarote Canarias muss eine Schocknachricht verdauen. Herzprobleme und ein lebensgefährlicher Thrombus machen seine Saisonplanungen mit dem Start in Roth zunichte. Unklar ist, ob die Erkrankung ähnlich wie bei dem Dänen Sindballe einschneidende Folgen auf die Karriere haben wird.

Liebetrau erklärt die letzten Tage seiner Achterbahnfahrt auf seiner Website:

Nachdem meine schwer definierbaren "Bauch- und Rumpfschmerzen" auch nach dem Challenge Kraichgau nicht verschwanden, und ich im danach folgenden Training fast einging, wurde in der folgenden Woche zunächst ein seit mehreren Tagen existenter Thrombus (Blutpfropf) in meiner Herzkammer festgestellt - eine alarmierende, schockierende und phänomenale Diagnose zugleich. 

Auch wenn noch nicht alles geklärt ist, konnten bislang während meines 10-tägigen, stationären Aufenthaltes in der Kardiologie der Universitätsklinik Freiburg als Ursachen für die Thrombusbildung ein stark vermindert arbeitender Herzmuskel der linken Herzkammer und damit verbundener Blutstillstand an der linken Herzspitze, sowie eine Faktor-V Mutation im Blut (genetischer Gerinnungsfaktor) gefunden werden. Die Ursachen für die schlechte Herzfunktion liegen wiederum in nachweisbaren länger zurückliegenden und abgeklungenen Herzmuskelentzündungen sowie einem stumm verlaufenen, ebenfalls zurückliegenden thrombebolischen Herzinfarkt. Die Bauchschmerzen basierten auf einem zusätzlich erlittenen Milzinfarkt. 

Im Nachhinein war insbesondere der Start im Kraichgau ein absolut bedrohliches Unterfangen. Die Ärzte beschreiben mein Finish auf Platz 15 mit teilweise noch Spitzenleistungen (Rad) als medizinisches Wunder. Für mich erklärten sich mit einem Schlag seltsame Emotionen im Wettkampf und ein teilweise miserables Gefühl in den letzten Wochen und Monaten, was trotz der harten Lage auch ein Stück Erlösung und Verständnis bringt.

Dass mein Körper offensichtlich alles gibt, zeigt sich nicht nur in der Tatsache, dass ich trotz all dieser Schwächungen noch in meinem Job einsatzfähig war. Ich hatte auch das Glück, dass aktuelle Untersuchungen zeigen, dass der Thrombus bereits entgegen der Erwartungen komplett aufgelöst ist, und auch mein Herzmuskel eine dynamische Regeneration aufweist, d.h. seine Funktion sich wieder deutlich verbessert.

Dass ich nicht zum Grämen oder Hadern tauge, und lieber nach vorne „wurschtle“, habe ich auch in dieser Situation festgestellt. Nun stehe und radle ich wieder (langsam und flach) – nach zwei gänzlich anders als erwartet verlaufenen Wochen. Auch wenn die Lage erstmal offen bleibt und man die weitere Entwicklung einfach ein paar Wochen und Monate beobachten muss, besteht Hoffnung auf vollständige Genesung, worauf ich mich in den nächsten Wochen völlig und ausschließlich konzentriere. 

Eine Frage, die sich Triathleten (auch Profis) immer wieder stellen, muss ich nie wieder haben: ob ich genug Willenskraft und Leidensfähigkeit habe. Dass die Herrschaft des Kopfes über meinen Körper soweit geht, dass ich in lebensbedrohliche Lagen komme, hätte ich aber niemals gedacht. Auch wenn ich mir über den Grenzgang, den Maximalbelastungen in Ironmans darstellen, absolut bewusst war und bin. 

Ich möchte mich ganz herzlich bei dem ganzen Team der Kardiologie des Universitätsklinikums Freiburg sowie der Sportmedizin Freiburg bedanken. Es ist beruhigend und stärkend, solch kompetente medizinische Betreuung erfahren zu dürfen.

Ich werde weiter informieren und wünsche vor allem viel Spaß am Sport! The summer is on!

Aloha, Steffen
(kb mit Material von Steffen Liebetrau)

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