Washington (USA) - Der Brite Alistair Brownlee hat seinem Erfolg beim WM-Lauf im spanischen Madrid einen neuen Titel folgen lassen. In einem spannenden Laufduell distanzierte der den Spanier Javier Gomez und den Deutschen Maik Petzold. In Abwesenheit der starken Russen um Dimitri Polyansky, die nur ein VISA für eine Woche erhielten und sich somit für das nächste Woche folgende Rennen von Des Moines entschieden war der Weg nach vorne etwas freier.
Regen der letzten Tage hatte das Wasser des Pontomac Rivers eintrüben lassen und viel Treibholz auf den Parcours getrieben. Bereits in der zweiten Runde konnte sich eine kleine Fünfergruppe absetzen, unter ihnen Andy Potts (USA), Petzold, Hunter Kemper (USA), Brownlee und Gomez. Olympiasieger Jan Frodeno hatte als Siebter bereits 50 Sekunden Rückstand.
Die auf dem Rad harmonisch zusammenarbeitende und gut kooperierende 5er-Gruppe konnte bis in die T2 seinen Vorsprung auf rund 2 Minuten ausbauen. Ausgangs der Wechselsone griff Brownlee sofort an, um den führenden Kemper kaltzustellen. Petzold und Gomez reihten sich zunächst hinter Kemper ein, um sich dann abzusetzen und die Lücke zu Brownlee zu schließen.
Gomez, zeigte zwischenzeitlich eine Schwächephase und musste sogar Petzold ziehen lassen, nachdem Brownlee eine Tempoverschärfung bei Laufkilometer 6 folgen ließ. Gomez konterte keinen Kilometer später und verkürzte den Abstand zu Brownlee. Dabie hängte er Petzold deutlich ab. Souverän aber deutlich von der harten Arbeit auf dem Rad gezeichnet sicherte sich Brownlee Sieg Nummer 2 vor Gomez und einem immer stärker wirkenden Petzold, der langsam aber sicher den Top-Stars Frodeno und Unger den Rang abzulaufen droht. „Ich habe heute das Maximum herausgeholt“ freute sich ein Petzold im Ziel und attestierte Brownlee viel Arbeitsleistung auf dem Rad.
Die große zweite Verfolgergruppe auf dem Rad hatte offensichtlich in Blick auf den drohenden Ausscheidungslauf gebummelt. Bei manchem Athleten wird auch der pralle Geldtopf des Word Cups von Des Moines in der kommenden Woche von Interesse gewesen sein und für hochgelegte Beine auf dem Rad gesorgt haben. Über 2 Minuten zurück setzten sich Frodeno, Steffen Justus (GER), Brad Kahlefeldt (AUS) und Laurent Vidal (FRAU) sofort vom großen Pulk ab und zoegen Jarrod Shoemaker (USA) und William Clarke (GBR) mit sich, der sich zwischenzeitlich im Ausriss versuchte und kurz lösen konnte.
Den entscheidenden Angriff platzierte aber Frodeno an ähnlicher Stelle wie Brownlee, für einen 4. Platz sollte es indessen nicht reichen. Hinter den US-Amerikanern Potts und Kemper lief er auf Rang 6 ein und ist auf dem Weg sich sportlich weiter zu rehabilitieren. Justus vervollständigt das gute Ergebnis der Deutschen als 9., während Weltmeister Daniel Unger (GER, Hamburg 2007) noch einer Erkältung und Trainingsrückstand mit Rang 15 Tribut zollen musste. Pechvogel des Tages ist wohl der Südafrikaner Hendrik De Villiers (RSA), der zuerst an einem Wendepunkt mit Kettenklemmer stürzte, um dann in Alleinfahrt einen zweiten kapitalen Sturz mit Rolle vorwärts hinzulegen: DNF.
Das Rennen an sich auf weltpolitisch wichtiger Bühne im Regierungsherzen der USA zeigte einmal mehr die Schwächen des ITU-Formats. Zu dominant erscheint die Form von Brownlee und Gomez. Wenn sie den Sprung in die erste Gruppe schaffen, ist vielmals die Brisanz und Spannung aus dem Radfahren genommen – die Athleten scheinen sich mehr um die Plätze zu kümmern, als um den Angriff auf die Spitzenposition. Der zu flache, wenig selektive Kurs sorgte auch dafür, dass sich kein starker Radfahrer abmühte und die Flucht antrat. Erst beim Laufen zeigt das Rennformat seine sportlichen Fähigkeiten und Ästhetik.
Washington DC an sich mag man attestieren, dass es noch ein paar Jahre Sportbegeisterung benötigt, um Zuschauermassen in hunderttausender Zählweise, wie in Frankfurt, Hamburg oder Roth anzuziehen. „Der Tag als die Erde stillstand“ trifft das Zuschauerinteresse der Erstauflage eher. Kitzbühel und Hamburg versprechen ein anderes Feuerwerk, auch in London könnten im vorolympischen Zyklus Zuschauermassen erwartet werden.
(kb)

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