Tempe (Arizona, USA) - Nach der WM ist vor der WM, so lautet das Motto des Hannoveraners Jan Raphael, der sich zusammen mit dem Drager Andreas Raelert die Teilnahme beim Ironman Arizona in den Kalender mit rund 100 anderen Profis und 2.500 Altersklassenathleten notiert hat, der in diesem Jahr einmalig gleich zweifach stattfinden wird. Durch eine Terminverlegung für die kommenden Jahre vom Frühjahr auf den Spätherbst hat North America Sports die Weichen für eine Austragung rund 6 Wochen nach der WM auf Hawaii und wenige Wochen nach Floridia gestellt.
Wenn an diesem Wochenende der Startschuss für eine der ganz frühen Qualifikationsmöglichkeiten für die Ironman-WM auf Big Island im Oktober 2009 fällt, gehören die Deutschen zu den Mit-Favoriten. Während für Raphael nach einer entzündlichen Infektionskrankheit die schmerzliche Absage der WM 2008 nach erfolgreicher Quali bei der Ironman EM in Frankfurt (6. Platz) am Main viel Enttäuschung zurückgelassen haben dürfte, möchte der Youngster im Dresdner Kleinwort Triathlon Team das Ticket so früh, wie möglich sichern
Es ist schon eine Weil her, als der 28-Jährige den süßen Geschmack des Triumphs bei seinem Sieg (Ironman Florida) im Jahr 2006 auf der Zunge zergehen lassen konnte und sein Debut gewinnen konnte, um damit die These zu belegen, dass oftmals der erste Ironman das beste Ergebnis bringt. Zu neu und aufregend sind die emotionalen Eindrücke, das Rennen wird wie im Rausch erlebt - all seine Tiefs werden nicht so erfasst, wie in den Jahren eines abgeklärten Ironmen, der seiner Arbeit nachgeht.
Die Vorzeichen für Raelert hingegen stehen auf Sturm – Sturm auf das Podium. Kein anderer DTU-Athlet wurde noch vor dem Wechsel auf die Königsdistanz im Triathlon mit solchen Vorschusslorbeere versehen. Für den zweifachen Olympioniken hat es in diesem Jahr nicht mehr ganz für die Spiele von Beijing gereicht – aber seine Leistungsparameter und der bekannte Trainingsfleiss könnten ihn zu einem echten Senkrechtstarter der Szene werden lassen. Sein eindrucksvolles Debut beim Ironman 70.3 Monaco und der Vize-Weltmeistertitel beim Ironman 70.3 in Florida sollten genug Selbstvertrauen geschaffen haben, um das neue Land eines Rennens jenseits der vierstündigen Dauer betreten zu können. Die Mittel zum Sieg hat der 32-Jährige an Bord, wenngleich das Radfahren vielleicht noch als schwächste Disziplin zu werten ist und er die Erwartungen abdämpft. Als Trainingspartner von Raphael scheint sich der gebürtige Rostocker so gut in Form gebracht zu haben, dass er den möglichen ersten Start im Ironman für einen „Test“ zum Lernen vorgezogen hat und entsprechend konservativ-verhalten seine eigenen Erwartungen kommuniziert.
Ein Spaziergang wird das Rennen auch wegen der Distanz nicht, ein Ironman-Tag bietet immer Unwägbarkeiten und ein starkes Feld der professionellen Mitbewerber um Titel, Preisgeld und die Quali verspricht einen anstrengenden und schnellen Arbeitstag. Zu den ärgsten Konkurrenten zu zählen sind der starke Biker Chris Lieto (USA), Laufrakete Sergio Marques (POR), der Australier Chris McDonald, Francisco Pontano (ARG), die beiden Kiwis Bryan Rhodes und Kieran Doe und natürlich Titelverteidger Josef Major aus Ungarn.
Joanna Zeiger im Gold-Rausch?
Die 38-jährige US-Amerikanerin Joanna Zeiger gilt als Top-Favoritin und es wird schwer für die Mitbewerbeinnen aus dem eigenen Land werden. In Abwesenheit der Titelverteidigerin Erika Csomor (HUN) kann Zeiger als frischgekrönte Weltmeisterin beim Ironman 70.3 Clearwater auf ein emotionales Hoch an der Startlinie bauen.
In die Entscheidung der Frauen könnte Imke Schiersch eingreifen, wenn sie einen herausragenden Tag erwischen sollte. Ob sich die hoch aufgeschossene Ex-Mountainbikerin jedoch gegen Zeiger und Co. durchsetzen kann bleibt ebenso fraglich, wie die Chancen der ehemaligen Duathletin Ulrike Schwalbe (Chemnitz). Für beide steht sicherlich der Blick auf einen Qualiplatz im Vordergrund.
(Kai Baumgartner)

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