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Beijing (China) - Die Olympioniken Jan Frodeno, Antje Buschschulte, Ole Bischof und Raul Spank geben im Interview mit der Welt eine Sicht auf die Welt des Spitzensports. »Wir haben ein Luxusproblem« ist nur eine These der vier Athleten. Jan Frodeno wird konkret und bekräftigt einen Trend im deutschen Spitzensport, dass oftmals der Biss und die Einstellung fehlen. Attribute, die Triathleten (derzeit) noch aus sportphilosophischen Betrachtungen und dem Selbstverständnis heraus mitbringen, weil Triathlon Lifestyle und nicht nur Geschäft, Business, Kommerz ist. Wenn die Rahmenbedingungen gesetzt sind, gilt es die Sportler mit der richtigen Einstellung und dem nötigen Talent zu fördern:

»Ich sehe das ganz anders. Ich bin in Kapstadt aufgewachsen. Als Schwimmer in Südafrika hatten wir keine beheizten Becken, keine warmen Duschen, Physiotherapie war ein Fremdwort. Wir haben in Deutschland ein Luxusproblem. Viele Sportler, besonders die ewigen Talente, haben es nicht geschafft, weil sie die Möglichkeiten in Deutschland nicht zu schätzen wissen. Sehr viele Sachen werden als selbstverständlich vorausgesetzt: Man kann ins warme Wasser gehen und in warme Länder zum Trainieren fahren. Für eine optimale Nutzung des Angebots ist der Athlet selbst verantwortlich. Das Sportgruppen-Fördersystem ist fest verankert. Da sind viele drin, die mit dem Status quo zufrieden sind. Der Kämpfergeist, der im modernen Sport aus der freien Marktwirtschaft kommt, geht da ein bisschen verloren. Die Leute sehen vor lauter Netzen das gespannte Seil nicht.«

»Manchmal bedarf es nur einer einzigen Person. Bei uns Triathleten hatten wir einen Trainerwechsel. Der hat von vornherein gesagt: Jungs, wir können das. Innerhalb von elf Monaten haben wir dann einen Weltmeister und einen Olympiasieger gestellt, das haben wir auch ihm zu verdanken. Wenn man bei den Schwimmern jemand wie Michael Phelps hätte, dann gruppierten sich gleich vier oder fünf Leute um ihn herum, die den Trainingsaufwand sehen und Möglichkeiten erkennen. Durch die Dopingdiskussion macht man es sich in Deutschland zu leicht. Man sagt: Das geht sowieso nur, weil die alle bis oben hin voll sind« führt Frodeno im Gespräch mit der Welt am Sonntag aus., bevor er die Unterschiede bei den Männern und Frauen im DTU-Kader betrachtet.

»Bei uns ist das das krasse Gegenteil. Vor Olympia wurde gesagt, dass drei Frauen und eine Herrenmannschaft nach Peking fliegen. Die Männer haben alle gemeinsam trainiert, die Frauen hatten Angst, zusammen zu üben. Nach dem Rennen hieß es gleich: Ich bin zufrieden, ich war beste Deutsche - und das bei einem Platz jenseits von Gut und Böse.« Mehr im Interview der Welt am Sonntag.
(Kai Baumgartner)

Links
Zum Interview auf Welt Online vom 24. August 2008
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