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Beijing (China) - Zahnspangen, Pickelkrater, wie bei pubertierenden 13-Jährigen mit massivem Übergewicht und Fast-Food Sucht, jährlich neue Schuh- und Handschuhgrößen bei Mittdreißigeren, stetig wachsende Nasen- und Ohren machen mich nachdenklich, sehr nachdenklich. Doping mit EPO-Präparaten, Insulin, Wachtsumsfaktoren und Co. wabern über den Spielen.

An Arroganz grenzende Überheblichkeit mancher Überflieger und Flucht vor Doping-Themen in Interviews noch viel mehr. Möglicherweise bei der Ausstellung am 14. Februar 2008 das Geburtsdatum umdatierende Ausweisdokumente dreier junger Turnerinnen um He Kexin (何可欣) würden bei dem unwürdigen Spiel rund um den olympischen Dollar nur die Spitze des Eisberges darstellen. Betrug einmal ganz anders und staatlich kontrolliert.

Wie auch so manche Rekorde, etwa in der Leichtathletik oder im Schwimmen, die vielleicht nicht nur auf technische Innovation und Jahrhunderttalente zurückzuführen sein könnten. Es gibt keine Beweise für eine Manipulation, noch nicht einmal schwache Indizien.

Manche Länder mühen sich redlich den Sport im eigenen Hoheitsgebiet sauber zu halten. Doch schon bei der Kontrolle eigener, im Ausland trainierender Athleten stottert die geölte Maschine der NADA (Nationale Anti Doping Agentur) mit Sitz in Bonn  im Kampf gegen den Sportbetrug.  Die deutschen Olympioniken im Triathlon sind ausreichend häufig im Training getestet worden, wenngleich die derzeitigen Testverfahren und Szenarien Schwächen zeigen. Über andere Länder, bei denen gar nicht getestet wird, die Hoheit in den Händen der Fachverbände liegt oder ausländische Kontrolleure gar nicht erst ins Land gelassen werden muss man kein weiteres Wort mehr verlieren - lächerlich!

Das bigotte System einer Leistungsgesellschaft hat in Peking einen Spiegel vorgehalten bekommen, der selten so klar und sauber schien und ein überdeutliches Bild zurückgeworfen hat. Wir haben ein Regime gesehen, dass Menschen in einem Alter zu Höchstleistungen trimmt, die westliche antiautoritäre Erziehung zum Treppenwitz zwischen zwei von fünf täglichen Trainingseinheiten unter „blood and tears“ werden lassen.

Der alberne K(r)ampf der WADA und NADA auf technisch nicht auf dem aktuellsten Stand befindlichen Equipment hat in Beijing zunächst einmal versagt: „(Fast) alle sauber“ lautet das Fazit kurz vor dem Ende des größten Sportfests der Welt. Die deutlich sichtbaren Symptome sprechen eine andere Sprache, in deren Dialekten Wachstumshormone, Prototypen aus vorklinischen Studien und gepanschte Designer-Drogen eine große Rolle spielen dürften.

Acht Jahre auf Eis liegende Proben werden keinem Volkshelden mehr gefährlich werden können, dazu sind andere Interessen und Kräfte mancher Zirkel um Potenzen stärker, als die den Kampf gegen Windmühlen führenden Institutionen. Wenn die Zeit gekommen ist, werden Proben ungültig, verschwunden oder juristisch anfechtbar sein.

Angel Heredia, US-Kronzeuge im Balco-Prozess und Dealer der Drogen postuliert im Spiegel-Interview, was nicht nur er als Insider denkt: Freigabe von Doping und nur Verbot von Mitteln, die gut nachweisbar sind und als sehr gefährlich gelten. Der Spitzensport befindet sich in einem ethischen Dilemma: Doping freigeben oder weiterhin an der Heuchelei teilhaben? Ohne politische Änderungen  inklusiver einer Kopplung und Anpassung der Ausgabe der Fördermittel von IOC, Staat und NOKs an robuste Konzepte im Dopingkampf macht Spitzensport keinen Sinn mehr. Ohne Schaffung des Straftatbestandes des Dopings, Besitzes und Handels in allen Ländern, neuen Tests und natürlich neuem Geld  bleibt es ein Kampf gegen Windmühlen. Aber auch ohne neues Personal in den Chefetagen der Sportverbände und im Mittelbau steht die Reform auf wackligen Füßen.

Vielleicht sollte man sich an den deutschen Sprinter Tobias Unger halten, der Länder ohne eigenes (funktionierendes) Anti-Doping System gleich komplett von Olympia ausschließen will. Eigentlich eine gute Idee, dann kann das Olympische Dorf gleich erheblich kleiner geplant werden - ein paar ausrangierte ICE-Waggons sollten ausreichen...
(Kommentar von Kai Baumgartner)

Links
2001 Times UK
2002 Heise.de
*3 Spiegel.de
*4 Wikipedia über He Kexin (何可欣)
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