Beijing (China) - Die Deutsche Triathlon Union konnte die Ernte zweier historischer Jahre einfahren. Die Zeichen standen am Montagmittag in in Peking zwar auf Sturm, als die Frauen Ricarda Lisk (15.), Christiane Pilz (26.) und Anja Dittmer (33.) weit hinter den eigenen Erwartungen und Prognosen des Betreuerteams zurückgeblieben waren. Doch die Männer um Jan Frodeno (1.), Daniel Unger (6.) und Christian Prochnow (15.) haben die Kohlen mit bloßer Hand und schnellen Beinen einmal mehr bei einem Top-Event aus dem Feuer geholt.
Die Ernte des in diesem Jahr zurücktretenden sportlichen Leiters Rolf Ebeling mit seinem Team um die Trainer Wolfgang Thiel und Roland Knoll und die weiteren Betreuer konnte wegen der Leistungen der Doppelsitze Unger-Frodeno mit vollen Händen eingefahren werden. Eine Ernte, die erst eine autonome Zelle innerhalb der DTU ermöglichen konnte, die eigene Kompetenzen und Budgethoheit verlangte und erhielt - gegen den Widerstand der Geschäftsstelle und mit dem Risiko, dass im Falle des Versagens, selbiges mit voller Wucht auf die Verantwortlichen zurückgeworfen werden würde.
Ernten konnte auch DTU-Präsident Rainer Düro, der noch immer bemüht ist den Verband auf sicheren Kurs zu bekommen - nach einer Zeit voller Irritationen, Skandälchen und Skandalen.
Gesät allerdings hat eine andere Person. Gegen Windmühlen hat Ex-Präsident Dr. med. Klaus Müller-Ott die Vision des World Cups in Hamburg und der WM 2007 im eigenen Land durchgesetzt, um kurz vor der Ziellinie de facto per Misstrauensvotum abgewählt zu werden. Ihm wurde der emotionale und ideelle Höhepunkt seiner sportpolitischen Arbeit verwehrt, während die Welt, zum Teil die Landesverbände, die Medien und auch alle aktiven Triathleten noch immer auf Offenlegung der Beweise warten, die vordergründig und ohne genaue Prüfung die Gründe für die schnelle Abwahl von Müller-Ott lieferten.
Mit Spannung kann - muss - erwartet werden, ob eine vom Erfolg gestärkte DTU ihrem Versprechen nachkommt und den für Ende August angekündigten Abschlussbericht der externen Kassenprüfung auf den Tisch legen wird, um die postulierte Transparenz zu leben und die moralische und rechtliche Begründung abzuliefern. Geschieht das nicht, bleibt lediglich ein erfolgreicher Putsch in den Köpfen hängen, der hoffentlich nicht zum Rohmodell nachfolgender Funktionärsgenerationen werden wird: Stühlesägen schon nach Berufung...
Gut aufgestellt ist die DTU bei den Elite-Herren allemal. Im Damenbereich kündigt sich langsam ein Generationswechsel an. Ein Vakuum, das jüngere Jahrgänge wie Rebecca Robisch noch nicht zu füllen in der Lage sind. Es muss also beständig gesät werden - in der Hoffnung, dass totalitäre Regimes wie China mit menschenverachtender „Nachwuchsförderung“ oder Länder und private Trainingsgruppen aus Asien mit lächerlichen Anti-Doping Konzepten oder besser Nicht-Konzepten kein Gefallen am Triathlon mit seiner langen Aufbauarbeit finden werden...
(Kommentar von Kai Baumgartner)
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