Beijing (China) - Wer sind die Gewinner des olympischen Triathlons von Beijing? Klar, Australien und Deutschland als Länder, die die Sieger stellten konnten. Australien, die traditionell stärkste Nation des vergangenen Dekade kam endlich zu „ihrer“ wohlverdienten Goldmedaille. Deutschland nur für Nicht-Insider überraschend auf Goldkurs hat sich am eigenen Zopf aus dem sportpolitischen Tief gezogen.
Ich selbst hatte „Frodo“ in meiner Prognose auf Platz 2 gesetzt, aber auch nur, weil ich mich von Gomez' Jahresperformance dann doch verunsichern hab lassen. Frodeno lag zuvor auf 1 und ich habe ihn im letzten Moment zurückgesetzt ... Hätte ich mit dieser Prognose bei einem Buchmacher gewettet, wäre die Quote im gigantischen zweistelligen Bereich gewesen. Wie im Damenrennen, bei dem ich bei 6:1 richtig lag und meinen Tag versüßen konnte.
Weder nur in den Beinen noch ausschliesslich im Kopf spielt sich Triathlon ab. „Triathlon sind nicht nur Muckis, sondern ist Kopfsache“ habe ich im Live-Kommentar gesagt und diese Aussage hat sich 2008 in der Entscheidung der Männer bewahrheitet. „Verloren in der Taktik“ kann man zwei Athleten attestieren, die sich selbst um ein größeres Ziel gebracht haben, weil der Kopf den Körpern im Rennen noch nicht gefolgt war und mentale Schwächen offensichtlich wurden.
Der Spanier Javier Gomez und der Kanadier Simon Whitfield waren nicht stark genug für den Willen von Jan Frodeno. Whitfield ist noch der glücklichere der beiden Protogonisten. Er war schon geschlagen, kam dann wieder an die führende Gruppe um Gomez, den Neuseeländer Bevan Docherty und Frodeno heran, um nach kurzer Verweildauer sofort auf der Außenbahn anzutreten. Er platzierte seinen Sprint für alle völlig überraschend und einen Hauch zu frühzeitig. Der vermeintlich schwächste Athlet des Final-Quartetts, zuvor zweifach distanziert nahm sein Herz in die Hand und griff an: Ganz in der Tradition seines Sieges von Sydney 2000, als er den Reutlinger Stephan Vuckovic ganz ähnlich kurz vor der Ziellinie sensationell kaltstellen und erster Olympiasieger werden konnte.
Lediglich Frodeno war hellwach und zog gleich mit, Docherty verpasste den unmittelbaren Absprung, war aber schnell mit der souveränen Sicherung seiner Bronze-Medaille beschäftigt.
Whitfield zeigte dann schnell Schwächen. Viel zu sehr war sein Blick nach hinten orientiert, der Kopf und die Gedanken galten mehr dem geschickt im toten Winkel und Windschatten laufenden Frodeno, denn dem Zielbogen über den im typischen Blau schimmernden Teppich. Dann war für mich klar, dass er das Rennen, den Sprint nicht gewinnen würde.
Ganz anders Frodeno, nachdem er zuerst seinen Blick in den Rücken des einen ganzen Kopf kleineren Whtifield gegraben hatte zog er unwiderstehlich nach vorne um dann sofort den Kopf in den Nacken werfend nur noch das Ziel zu fixieren: 100 Prozent Konzentration, Tunnelblick - total. Was die anderen 55 Triathleten und die verbleibenden Protagonisten des Dreierpacks machten war zu diese Zeitpunkt unerheblich. Keine Energie wurde im Sprint darauf verwendet, sich an der nachfolgenden Konkurrenz auszurichten. Frodeno machte nicht den Fehler von Whitfield. Er richtete sich an sich selbst, dem Zielbogen und der Goldmedaille aus...
Noch schlimmer erwischte es Top-Favorit Gomez. In der Gewissheit nicht der beste Sprinter zu sein und mit Frodeno und Docherty zwei in dieser Disziplin gut aufgestellte Routiniers um sich zu wissen, verschenkte er seine schon da sichere Bronze-Medaille. Er „verbummelte“ zur fortgeschrittenen Renndauer maßgeblich das Tempo auf den letzten 400 Metern im taktischen Geplänkel. Mit dem ernüchternden Ergebnis, dass der sprintfreudige Whitfield wieder aufschließen konnte und Gomez sogar noch einem Angriff von Teamkollege Rana ausgesetzt war und um Platz 4 kämpfen musste. Gomez wird viel gelernt haben, am Ming Tomb Reservoir am 19. August 2008.. Er wird diesen Fehler sicher nicht erneut machen...
(Kommentar von Kai Baumgartner)
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