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Beijing (China) - In einem Spurtfinale und mit einer taktischen Meisterleistung setzt sich der 27-jährige Saarbrücker Jan Frodeno im Sprint um olympisches Gold gegen den Olympia-Sieger von 2000, den Kanadier Simon Whitfield durch. Erneut auf das Podium kommt nach Athen 2004 der Neuseeländer Bevan Docherty. Der 30-jährige Daniel Unger und Christian Prochnow runden tolles Mannschaftsergebnis der Deutschen Triathlon Union ab, während Weltmeister Javier Gomez aus Spanien auf Rang 4 einläuft.

Zwei Schwimmgruppen vereinen sich zu Radexpress
Zwei Schwimmzüge finden sich schnell nach dem Sprung vom Ponton am Ming Tomb Reservoir unter den 55 Triathleten zusammen. Die Deutschen Jan Frodeno, der seinen gestrigen Geburtstag nicht mit einem guten Ergebnis der DTU-Frauen feiern konnte und Daniel Unger sind in der unteren rechten Gruppe vorne an zweiter und dritter Position hinter dem Russen Alexander Brukhankov dabei.

Doch kurz vor der ersten Wende gliedert sich die kleinere Gruppe in den etwas schnelleren linken Zug ein. Diesen führt der Neuseeländer Shane Reed souverän über die gesamte Strecke an, gefolgt vom Franzosen Frederic Belaubre. Daniel Unger muss sich indessen sputen, dass es ihm nicht so geht wie Anja Dittmer am Vortag, schließt aber schnell eine Lücke von 18 Sekunden nach dem Wechsel auf das Rad.

Fruchtlose Einzelaktionen
Belaubre ist es auch, der den Druck auf den ersten Metern der Radstrecke an der langgezogenen Steigung aufrechterhält, bevor sich mehrere Einzelathleten in kleineren Scharmützeln an der Spitze des Rennens zeigen.
Darunter mit Einzelattacken der 20-jährige Brite Alistair Brownlee, mehrfach der Este Marko Albert und etwa der Kanadier Colin Jenkins. Auch der Kasache Daniiil Sapunov wagt einen Versuch.

Die Verfolger um den US-Amerikaner Hunter Kemper und der Kanadier Colin Jenkins kontrollieren zusammen mit dem Aussie Courtney Atkinson aber meist die Nachfolgearbeit. Schnell wird etwa Sapunov geschluckt. Weitere Ausreißversuche starten Ryosuko Yamamoto (JPN) und der Belgier Peter Croes, der sich mehrfach mit dem schwersten Athleten des Feldes  Matthew Reed (USA) an der Spitze zeigt.

An den Steigungen zeigen sich regelmäßig auch der Bronze-Medaillengewinner Sven Riederer aus der Schweiz zusammen mit dem ehemaligen Franzosen und Teamkollege Olivier Marceau.

Trio sucht Heil in der Flucht
Doch es ist der Mexikaner Franciso Serrano, dem gemeinsam mit dem Belgier Axel Zeebroek kurz vor Ende von Runde 4 die Flucht nach vorne gelingt. Dirk Bockel aus Luxemburg stiefelt wenig später hinterher und schafft den Anschluss. Bockel, der vor etlichen Jahren aus persönlichen Gründen sein Startrecht für Deutschland abgegeben hatte, baut phasenweise den Vorsprung der Gruppe von 24 Sekunden 44 Sekunden aus.

Dreigestirn wird zum Duo
Kurz vor Beginn der fünften von sechs Runden hängt sich der Kiwi Shane Reed für die Nachführarbeit mächtig rein, um den Vorsprung nicht zu groß werden zu lassen. An der letzten Steigung zeigt zuerst der Mexikaner als letzter des Trios Schwächen und muss abreißen lassen. Selbst Bockel hat an der steilsten Passage Probleme das Hinterrad des Belgiers zu halten. Doch Zeebroeck wartet aus taktischen Gründen auf den Wahl-Luxemburger und sportlich klatschen sich die beiden Ausreißer eingangs der Wechselzone ab - nun ist jeder auf sich alleine gestellt.

Bockel mit schnellem Wechsel
Bockel packt 3 Sekunden nach dem Wechsel auf seinen Partner der Interessengemeinschaft "Radflucht Beijing 2008", während Serrano sichtlich angeschlagen und müde 52 Sekunden dahinter folgt, die jagende Meute nur einen Hauch später auf den Fersen folgend. Die Deutschen Frodeno und Unger wechseln mit allen Top-Favoriten weit vorne liegend. Das Tableau ist bereitet mit dem harten Anstieg und steil abfallenden Mauerdurchbruch an der Staumauer.

Brownlee setzte die Pace
Alistair Brownlee ist es einmal mehr, der als amtierender U23- Weltmeister von Vancouver die Pace im jugendlichen Elan setzt, während sich die erfahrenen Triathleten, wie Ivan Rana, Javier Gomez, Shane Reed, Sven Riederer, Bevan Docherty, Rasmus Henning, Filip Ospaly, Brad Kahlefeldt und den beiden Deutschen in Geduld üben.

Indessen wechselt sich das Führungsduo - um Schadensbegrenzung bemüht - noch immer ab. Nach 2,5 Kilometern beträgt der Vorsprung nur noch 19 Sekunden. Das Ende der Flucht und das Schicksal des Duos ist nach dem zweiten Durchgang der Steigung besiegelt, während der Däne Rasmus Henning die Pacearbeit macht.

Spanische Attacke eröffnet Rennen im Rennen
Die entscheidende Attacke setzt Ivan Rana mit einem trockenen zehnsekündigen Antritt beim dritten Durchlauf an der Steigung durch die Staumauer. Nur Gomez, Brownlee und der Kiwi Bevan Docherty können unmittelbar folgen.

Frodo schließt Lücke
lle anderen Athleten haben Probleme und werden sofort 7 Sekunden distanziert. Jan Frodeno übt sich in Führungsarbeit und kann das Loch zusammen mit Simon Whitfield schließen - vorerst.

Eine Sechsergruppe  kämpft sich erneut die Rampe hinauf, jeder der Protagonisten verzichtet aber auf eine weitere Tempoverschärfung. Erst im Flachabschnitt drückt Brownlee zusammen mit Gomez wieder aufs Tempo, während Unger kurzzeitig als der Geschlagene gilt und als Solist hinterherläuft. Ex-Weltmeister Unger, der extra ein wenig Masse für das Hitzerennen von Beijing abgearbeitet hatte, müht sich redlich, während weit vorne Brownlee und Rana um den Anschluss kämpfen.

Unger mit Kämpferherz
Unger kämpft um den Anschluss. Wenn er den Abstand von 12 Sekunden überbücken kann, ist er der Mann für den Endspurt - sofern er noch Energie im Tank hat.

Gomez zupft am Gaspedal
Es ist aber Gomez, der die Pace allmählich erhöht. Das nächste Opfer ist Simon Whitfield, der 5, 10, 15 Meter bei Laufkilometer 9 verliert - saugt sich aber ein weiteres Mal an das Trio heran. 

Whitfield ist es, der - kaum aufgeschlossen - überraschend die Attacke 200 Meter vor dem Ziel anzieht. Die Alarmsirenen schrillen bei allen Beteiligten. Bilder von Sydney 2000 kommen auf, als Whitfield am Deutschen Stephan Vuckovic vorbei zu Gold stürmt.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Spanier Gomez bereits geschlagen. Der für einen durchschnittlichen Sprint bekannte amtierende Weltmeister kann sich nicht, wie zuvor regelmässig auf allen Strecken dieser Welt zelebriert, in der zweiten Hälfte der Laufstrecke mit Tempoverschärfungen absetzen.

Jan Frodeno liefert kämpferisches und taktisches Meisterstück ab
Jan Frodeno kontert und nutzt geschickt wie ein Radfahrer den Windschatten des mit Vollgas an der Spitze laufenden Kanadiers. Der wendet den Kopf nach allen Seiten und schlägt leihcte Haken, kann Frodeno aber weder abschütteln, noch richtig ins Blickfeld bekommen. 50, 75 Meter vor der Ziellinie folgt die finale, endgültige Tempoverschärfung des in Südafrika aufgewachsenen Modellathleten: Gold, Olympiasieg für Deutschland.

Sieg für Frodeno, vor dem Kanadier Simon Whitfield und dem Neuseeländer Bevan Docherty, der nach Silber von Athen wieder den Sprung auf das Podium schafft. Frodeno, der von Unger im letzten Jahr viel gelernt zu haben scheint steht auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Das erstklassige Mannschaftsergebnis runden Daniel Unger mit Rang 6 und Christian Prochnow als starker Fünfzehnter ab und lassen das enttäuschende Ergebnis der Frauenkonkurrenz vom Vortag vergessen.

Die Schweizer um Olivier Marceau und Sven Riederer konnten trotz einiger Rennakzente an den Radsteigungen und zu Beginn des Laufes nicht an die Erfolge der Athener Spiele anknüpfen und kamen mit Rang 19 und 23 abgeschlagen ins Ziel. Teamkollege Reto Hug landete auf Rang 29. Wahl-Luxemburger Dirk Bockel musste der Flucht auf dem Rad Tribut zollen und kam auf den 25 Rang. Der gebürtige Ungar und für Österreich startende Simon Agoston wurde 38.
(Kai Baumgartner)

Ergebnisse
Olympischer Triathlon Männer (1,5-40-10), 19.08.2008, Ming Tomb Reservoir (Beijing, China)

1. Jan Frodeno (GER) 1:48:53
2. Simon Whitfield (CAN) 1:48:58
3. Bevan Docherty (NZL) 1:49:05
4. Javier Gomez (ESP) 1:49:13
5. Ivan Rana (ESP) 1:49:21
6. Daniel Unger (GER) 1:49:43
7. Hunter Kemper (USA) 1:49:58
8. Rasmus Henning (DEN) 1:49:57
9. Igor Sysoev (RUS) 1:49:59
10. Frederic Belaubre (FRA) 1:50:00
...
15. Christian Prochnow (GER) 1:50:34
19. Olivier Marceau (SUI) 1:50:50
23. Sven Riederer (SUI) 1:51:19
25. Dirk Bockel (LUX) 1:51:31
29. Reto Hug (SUI) 1:52:05
38. Simon Agoston (AUT) 1:53:24

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