Frankfurt am Main - Der Münchener Weltmeister im Ironman Hawaii Triathlon von 2005 hat sich in diesem Jahr nach einem kleinen Hänger beim Ironman Malaysia mit einer starken Leistung zurückgemeldet. 3athlon.de fragt nach einer durchwachsenen Saison in der Vorbereitungsphase beim noch immer „Jungen-Wilden“ aus dem Süden Deutschlands nach, der sich am Montag mitsamt neuem „Dienstfahrzeug“ in Form eines Wohnmobils in Richtung Frankfurt begeben hat.
3athlon.de: Faris, im vorletzten Rennen in Bonn verließen Dich die Kräfte beim Radfahren, die Luft war raus. Allerdings nicht im für Triathleten üblichen Rahmen sondern durch eine undichte Ventilverlängerung. Was machst Du 2008 bei den Frankfurter Sparkasse Ironman European Championship anders?
Faris-Al-Sultan: Naja wir werden uns die Laufräder dann noch einmal genauer anschauen. Die Frage ist natürlich bissl schwer. In Bonn vor dem Rennen gab es viel Tohuwabohu vorher. Es war schließlich ein Vorbereitungsrennen und in Frankfurt bin ich auch in Details top konzentriert. Im Gegensatz zu 2007 war ich viel erschöpfter vor dem Start. In Frankfurt hoffe ich dann frisch am Renntag zu sein, nicht wie letztes Jahr - über den Zenit drüber und die Grundlage verloren.
3athlon.de: Also keine schlechten Erinnerungen an Deinen Zieleinlauf von 2007, als Du unter unterstützendem Applaus Deiner Fans mit den Schultern zuckend ins Ziel auf dem Frankfurter Römer eingelaufen bist?
Faris-Al-Sultan: Was heißt schlechte Erinnerungen. Ich habe mich nur geärgert, weil es nicht gelaufen ist. Das im Vorfeld von den Medien groß angekündigte Duell hat nicht stattgefunden. Weder Normann [Stadler] oder ich konnte eine ansprechende Leistung bringen. Mir taten die Zuschauer leid, die extra gekommen waren. Schlechte Erinnerungen - mein Gott. Ich wäre Kein Profi, wenn ich damit nicht umgehen könnte. Damit must du leben als professioneller Triathlet.
3athlon.de: Werfen wir einen kleinen Schulterblick auf die laufende Saison. Das erste Ausrufezeichen hast Du frühzeitig beim Ironman Malaysia mit einem deutlichen Sieg gesetzt. Danach ging es im Training stetig vorwärts, nur die Umsetzung im Rennen klappte nicht so ganz. Im letzten Jahr hast Du gegenüber 3athlon.de zum Ausdruck gebracht, dass Du zu früh fit gewesen seist – kurz nachdem Du etwa beim Alpentriathlon am Schliersee weit vorne gefinisht hast. Klappt die Taperingphase für Frankfurt besser, wie eben angedeutet?
Faris-Al-Sultan: Das ist dieses Jahr schon wieder komisch und schwierig. Nach dem guten Ergebnis von Malaysia hatte ich einen Virus und war krank. Gleich darauf habe ich direkt mit den Trainingslagern angefangen und da vielleicht einen Fehler begangen uns zu viel zur hart gemacht. In der Folge sind alle 6 folgenden Trainingsrennen weniger berühmt gewesen. Da kommen Zweifel auf. Da fragt man sich „geht’s jetzt noch?“, wenn Du regelmäßig einen auf den Deckel kriegst. Ich habe mich in der Phase versucht auf Langstrecke zu konzentrieren. Das ist schließlich noch eine ganz andere Geschichte.
Jetzt habe ich zwei Wochen Tapering hinter mir und hoffe, es klappt besser als 2008. Es ist wirklich schwierig den Weg zwischen Umfang und Intensität zu finden. Be- und Entlastung müssen passen und jährlich variiert werden. Das zu finden ist das das Geheimnis.
3athlon.de: Letztes Jahr gab es am Tag vor dem Rennen noch einen Döner am Nachmittag. Bleibt es auch 2008 bei diesem Ritual oder war es eine sprichwörtliche „Bauchentscheidung“?
Faris Al-Sultan: Das war eine Bauchentscheidung, was es dieses Jahr zum Essen gibt, weiß ich nicht. ich lasse mich von da ganz von meinem Bauch leiten.
3athlon.de: Frank Vytrisal wagte gegenüber 3athlon.de zwei Prognosen: 1. Das Schwimmen findet mit Neoprenverbot statt. 2. Ein Trio, vielleicht sogar ein Quartett wagt die Flucht nach vorne. Es bestünde aus Jan Raphael, Andreas Böcherer und Dir. Vielleicht könne Eneko Llanos noch den Sprung nach vorne wagen. Bist Du zur Flucht im Wasser und auf dem Rad bereit? Wie gefällt Dir die Idee vom Schwimmen ohne Neoprenanzug?
Faris-Al-Sultan: Das Erste ist. Ich weiß momentan nicht, wie warm der See ist. Es wäre ein Wahnsinn bei Temperaturen von 23° [Celsius] im See zu schwimmen. Da bekommt man einen Hitzschlag. Ich plädiere - unabhängig davon ob es mir was bringt - ohne Neo bei solchen Temperaturen an den Start zu gehen.
Zur Taktik: Ich versuche immer wegzukommen. Das Szenario ist nicht unwahrscheinlich. Die anderen Jungs sind auch nicht ganz schlecht im Wasser und man muss schauen, wie man überhaupt wegkommt. Ich wäre bereit so eine Konstellation mitzuziehen.
Für den Zuschauer wäre es am besten, wenn Stadler dann vielleicht noch auf dem Rad durchzieht und mich eventuell sogar auf dem Rad noch einholt und es zum Kampf auf der Laufstrecke mit Chris McCormack und den anderen kommt.
3athlon.de: Der Ironman-Übervater Mark Allen bemängelt den Hang der Deutschen sich auf das Radfahren zu versteifen und das Laufen zu vernachlässigen. Mit Chris McCormack und Cameron Brown sind zwei absolute Top-Läufer am Start, die sich auch in den anderen Disziplinen nicht zu verstecken brauchen. Auch aus den eigenen Reihen sind mit Michael Göhner und Titelverteidiger Timo Bracht zwei schnelle Läufer gemeldet. Entscheiden sich die Ironman European Championship 2008 auf dem Rad oder beim Laufen oder muss der Sieger ein kompletter Triathlet sein?
Faris-Al-Sultan: Das ist eine sehr schwierige Frage. Es reicht heute nicht mehr ein guter Schwimmer oder guter Radfahrer zu sein. Es muss schon ein sehr guter sein. Ein „Guter“ führt allenfalls eine Gruppe an, er hängt keine Athleten mehr ab. Das schafft nur ein sehr guter Athlet. Als Athlet sollte man komplett sein und alle taktischen Optionen besitzen.
Aber es ist halt so. Es nützt Nix, wenn man am Rad alles gegeben hat und sich ein starker Läufer taktisch beim Radfahrend ausgeruht hat, um dann im Marathon zu überholen. Die Balance zu finden ist die Kunst. Ein guter Läufer zu sein und trotzdem hart am rad attackieren zu können. Stark zu schwimmen und trotzdem die Füße noch vorwärts zu bekommen.
Für die schnellen Läufer ist die Strategie klar. Man will gut Radfahren um alle Optionen offen zu haben. Das wäre das Ideal was ich anstrebe: Alle Optionen bewahren und offenhalten!
3athlon.de: Wie komplett würdest Du Dich auf einer Skala von 1 bis 10 in den Disziplinen bezeichnen?
Faris-Al-Sultan: Im Schwimmen, wenn man Van Akkeren oder Jan Sibbersen als Referenz nimmt: 8 vielleicht, Radfahren im Blick auf Andersson: 8 oder 9 und beim Laufen: 8 oder 9 in dem Bereich irgendwo.
3athlon.de: Ein relativ kompletter Triathlet in allen drei Disziplinen kommt aus Australien, hört auf den Namen Chris „Macca“ McCormack und verdient im Laufen sicher das Attribut 9,9 derzeit. Er scheint auch in Disziplin 2 viel in diesem Jahr gearbeitet zu haben, um den Frankfurter Radexpress mit den starken deutschen Bikern in Sichtweite zu halten. Würde es Dich sehr überraschen, wenn Macca eine völlig neue Taktik zeigen würde? Kein Runnerup, sondern Angriff auf dem Bike…
Faris-Al-Sultan: Hmm, das würde mich überraschen. Auf der anderen Seite würde manlügen, wenn man behauptet er könne nicht Radfahren. McCormack hat seine ersten Ironman mit extrem guten Radzeiten und mittelprächtigen Läufen gewonnen. Erst später hat er seine Taktik geändert.
Ich denke die meisten Triathleten gehen auf Nummer sicher. Man ruht beim Rad aus entspannter aus, wenn man weiß man kann superschnell laufen. Ist psychologisch eine andere Sache wenn man aufholt, statt Zeit zu verlieren und man weiß wie viel Energie man beim Radfahren gelassen hat.
3athlon.de: Welche taktischen Varianten hat Al-Sultan zu bieten? Wäre ein persönlicher Sieg gegen McCormack - selbst wenn der Gesamtsieg an einen anderen Athleten ginge - wichtig für Dich? Schließlich pflegt McCormack weder zu Dir noch zu Normann Stadler das innigste Verhältnis, seitdem Du ihm bei zwei Rennen in Roth den Einsatz eines Tempomachers vorgeworfen hast.
Faris-Al-Sultan: Ehrlich gesagt habe ich wenig davon wenn Macca einen Platten hat und 11. wird und ich als glorreicher 9. einlaufe. Ich möchte in gutes Rennen abliefern. 100% Einsatz zeigen und mich in der Nähe von 100% Leistung bewegen. Wenn alle anderen Fair gespielt haben und besser sind, kann ich gut damit leben. Wenn nicht, ärgere ich mich halt unabhängig welcher Platz rauskommt.
(Kai Baumgartner)


