Sarah Fladung (geb. 23. April 1988, Tri Team Braunschweig), Mitglied des U23-DTU-Bundeskaders, amtierende Team-Europameisterin im Triathlon, und 9. des Europacup-Rennens 2008 in Pontevedra (Spanien )im Interview mit TVN-Vizepräsident Markus Kleinostendarp.
3athlon.de: Zunächst einmal möchte ich dir zu deinem 9. Platz beim Europacup in Pontevedra gratulieren!
Sarah Fladung: Danke! Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist, denn ich muss mich auch erst auf die Anforderungen der Olympischen Distanz einstellen. Pontevedra war, nach dem Europacup in Kedzierzyn Kozle (Polen) 2007 erst mein zweites Rennen über diese Streckenlänge.
3athlon.de: Was war dein Ziel beim Saisonauftakt in Spanien?
Sarah Fladung: Ich hatte mir eine Platzierung zwischen dem 10. und 15 Platz vorgenommen, allerdings bei einem vollen Starterfeld! Unter den vorgefundenen Bedingungen mit dem starken Regen und der Kälte bin ich aber sehr froh, den neunten Platz erreicht zu haben!
3athlon.de: Wie beurteilst du die hohe Ausfallquote von fast 50 % im Frauenfeld?
Sarah Fladung: Ich persönlich finde es schade, hätte ich mich doch gerne dem kompletten Feld gestellt und so den Vergleich mit allen Starterinnen, einschließlich der Weltmeisterin Vanessa Fernandes, gehabt!
3athlon.de: Was ist dein Ziel für 2008?
Sarah Fladung: Das ist schwer zu sagen: Zum einen würde ich mich gerne für die Weltmeisterschaft in Vancouver qualifizieren doch dafür könnte ich nicht auf gleich hohem Niveau bei zwei Worldcup-Rennen Erfahrungen sammeln. Als nächster Wettkampf steht erst einmal am 18. Mai das Europacup-Rennen in Brünn an, meine zweite Chance zur Quali für die WM 2008!
3athlon.de: Wie geht es dann weiter?
Sarah Fladung: Bedingung für eine Nominierung in das WM-Team ist entweder zweimal eine Platzierung im ersten Viertel bei den beiden Europacups (Pontevedra und Brünn) oder ein 3. Platz bei einem dieser Rennen. Brünn ist also meine zweite Chance und die werde ich versuchen zu nutzen!
3athlon.de: Was ist deine Alternative zur Weltmeisterschaft in Vancouver?
Sarah Fladung: Ich finde es aus sportlicher Sicht auch sehr verlockend, bei zwei Worldcup-Rennen, dem Anfang Juli in Hamburg und nur eine Woche später in Tiszaujvaros (Ungarn) zu starten und mein sportliches Standing auf dem Niveau auszubauen.
3athlon.de: Du startest 2008 über das Zweitstartrecht für den SC Neubrandenburg in der 1. Bundesliga Triathlon gemeinsam mit Deutschlands besten Triathletinnen, z.B. der dreimaligen Olympiateilnehmerin Anja Dittmer sowie Christiane Pilz, Wencke Stoltz und Juliane Straub. Was versprichst du dir von diesem Schritt?
Sarah Fladung: Ich muss einfach möglichst viele Erfahrungen auf sportlich hohem Niveau sammeln und das ist am besten bei den Bundesliga-Rennen mit diesem Team, zu denen die besten Deutschen gehören, möglich!
3athlon.de: Beschreibe doch ein bisschen den Rennverlauf vom Europacuprennen am vergangenen Wochenende aus deiner Sicht.
Sarah Fladung: Als „Neue“ musste ich beim Schwimmstart sehr weit außen starten, alle schnelleren Schwimmerinnen, die dann auch in der ersten Radgruppe zu finden waren, standen ganz links in einer etwas günstigeren Position. Ich kam dann mit ca. einer Minute Rückstand als 11. aus dem Wasser, konnte recht schnell wechseln und führte die zweite Radgruppe über weite Strecken an.
3athlon.de: Wie war das Zusammenspiel in deiner Radgruppe?
Sarah Fladung: Ich würde aus deutscher Sicht sagen: Verbesserungswürdig! Leider haben meine Mitstreiterinnen wenig Ambitionen gezeigt, sich an der Führungsarbeit zu beteiligen! Im Übrigen war dies das erste Rennen, bei dem mir von Kopf bis Fuß kalt war! Beim zweiten Wechsel hatte ich, genau wie die meisten anderen auch, Schwierigkeiten mit meinen klammen Fingern den Helm zu öffnen und die Laufschuhe anzuziehen. Meine Füße habe ich auf der Laufstrecke so gut wie nicht gefühlt!
3athlon.de: Aus sportlicher Sicht: Wie würdest du dein Rennen im Nachhinein beurteilen?
Sarah Fladung: Wenn man bedenkt, dass viele erfahrene und durchtrainierte Triathletinnen austeigen mussten und ich trotz dieser Bedingungen die zweitbeste Laufzeit gelaufen bin, bin ich mit dem Rennverlauf erst einmal sehr zufrieden!
3athlon.de: Sarah, du befindest dich seit dem Sommer 2008 über ein Sportförderprogramm des Landessportbundes in Kooperation mit der Polizei Niedersachsen in der Ausbildung zur Kriminalkommissarin. Was sind die Vorteile dieses Programms für dich als Leistungssportlerin?
Sarah Fladung: Ich bin eine von 10 Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern, die vom LSB und der Polizei für dieses Programm ausgewählt wurden. Aus dem Triathlonbereich ist Konstantin Bachor, U27-Langstreckenkaderathlet, ebenfalls dabei. Für uns dauert die Ausbildung aufgrund der vielen Freistellungen für Trainingslager, Lehrgänge und Wettkämpfe fünf Jahre, alle anderen 140 in Nienburg befindlichen Polizeidienstanwärter sind schon in drei Jahren fertig. Bei langfristiger Angabe der von uns benötigten Freistellungen wird auf unsere Bedürfnisse Rücksicht genommen und die Module des Studiums dementsprechend angepasst. Ich habe also die besten Voraussetzungen für eine Vereinbarkeit von Ausbildung und meinen Leistungssport!
3athlon.de: Dein Lebensmittelpunkt ist jedoch Hannover, wo du in einer Triathlon-WG wohnst. Beschreibe doch ein wenig deine Lebensweise und deinen Alltag.
Sarah Fladung: Das stimmt, ich wohne mit Lena Brunkhorst (Studentenweltmeisterin 2006), dem ehemaligen Kaderathleten Hauke Horstmann sowie einem weiteren Triathleten, alle drei Medizinstudenten, zusammen in einer Wohngemeinschaft. In der Woche lebe und trainiere ich in Hannover, fahre jeden Tag zu meiner Ausbildungsstätte nach Nienburg und am Wochenende zu meinen Eltern nach Braunschweig.
3athlon.de: Wie kommt dir die Infrastruktur des Olympiastützpunktes am Maschsee und das Stützpunkttraining unter Landestrainer Dr. André Albrecht entgegen?
Sarah Fladung: Als Mitglied des U23-Bundeskaders habe ich nochmal so gute Nutzungsmöglichkeiten am Olympiastützpunkt. Ich trainiere mit den Leistungsschwimmern im 50m-Hallenbad, allerdings bei deren Niveau spiele ich da noch nicht die große Geige! Daneben kann ich aber auch den besseren Kraftraum des Stützpunktes sowie den Physiotherapiebereich nutzen. Am Wochenende fahre ich dann mit meinem Landestrainer Dr. André Albrecht und meinem Bruder Kilian Fladung Rad. Auch die Kaderlehrgänge des TVN, zum Beispiel demnächst in Osterode mit den Schwerpunkten „Schwimmen“ und „komplexes Training“, nehme ich war.
3athlon.de: Wie sah die Unterstützung für die Europa-Cup-Rennen aus? Schließlich waren die Starts dort Vorgaben des Dachverbandes für eine Quali bezüglich Vancouver.
Sarah Fladung: Den Flug und Aufenthalt nach Pontevedra habe ich selbst organisiert und teilweise auch selbst finanziert. Betreut und begleitet wurde ich durch meine Mutter. Der Rennverlauf am Wettkampftag wurde dann durch den neuen Bundestrainer Wolfgang Thiel beobachtet. Finanziell wurde die Teilnahme erst durch einen Zuschuss des Triathlon Verband Niedersachsen und den Vereinssponsor „Öffentliche-Versicherungen“ ermöglicht. Für Brünn sieht das ähnlich aus!
3athlon.de: Sarah, ich bedanke mich für das Interview und wünsche dir morgen auf deinem 20. Geburtstag viel Spaß! Lass dich ordentlich feiern.
Sarah Fladung: Danke, dass werde ich ganz sicher machen! Ich habe frei da meine Kommilitoninnen Prüfungen haben und werde sicher eine Pizza springen lassen.
(Markus Kleinostendarp, TVN)
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