Al-Ain (VAE) – „Abenteuerreisen Al-Sultan“ waren wieder in den VAE. Diesmal buchten die üblichen Verdächtigen, Swen Sundberg, Werner Leitner, Ina "Schnuffi" Reinders und die Debütanten Jungprofi Nicole Töpfer, Kapitän Oli Glaser und der San Diego-gestählte Christian Rothart, sowie Cheflogistiker Tobias Wandinger.
Der unzerstörbare Werner verbrachte sogar die Weihnachtszeit mit mir in Al-Ain. Zeigte natürlich in keiner Trainingseinheit Schwächen - im Gegensatz zu mir. Es gibt wenig 38jährige die mich im Training so fordern, für jeden Spaß zu haben sind und sich geduldig und ausdauernd auch in den Dienst der Gruppe stellen. Neben seinen triathletischen Qualitäten setzt der bescheidene Dr. der technischen Wissenschaften seine wissenschaftlichen Fähigkeiten beim österreichischen Carbonspezialisten Xentis ein, um der kleinen Firma mit dem Faible für schnelle Laufräder beim außerordentlichen Wachstum zu helfen.
Kapitän Oli Glaser ist der unstylischste Triathlet, mal abgesehen vom legendären Josef Jeschke, mit dem ich je trainiert habe. Statt eines Karbonvollbluts und den neusten Gimmicks der Triwelt erblickten wir sein ebay-ersteigertes Triathlonvollaustattungspaket: Vom zu kleinen Helm über eine schreckliche Sonnenbrille, bis zu den Staubkäppchen auf allerdings immer noch brauchbaren Shamal-Laufrädern und gab Anlass zu verstärktem Kopfschütteln. Darüberhinaus ließ mich sein Beinpelz erschaudern. Aber der Kampfgeist und der Enthusiasmus, sowie seine Müdigkeitsresistenz nötigten uns Profis Bewunderung ab. Im Flugzeug hat er hoffentlich lange Hosen an, denn trotz heftiger Bemühungen lies sich Oli nicht zur Beinrasur bewegen.
Im Gegensatz zu Oli zeigten bei Nicole, die trotz ihrer 36 Jahre als Jungprofi zu gelten hat, die dauerhaften Domestizierungsversuche Erfolg. Also blieb der Trinkrucksack schließlich daheim und die Staubkäppchen landeten im Müll. Was Nicole noch an Leistung fehlt macht sie durch Einsatz und absolute Furchtlosigkeit wett. Im Windschatten von LKWs, die hier des Öfteren gegen ihren Willen zum Motortraining herangezogen werden, fühlt sie sich auch bei Tempo 85 noch pudelwohl.
Leistung ist das kleinere Problem bei Ina, ihre Radpower ist schon im Januar ordentlich. Die Furcht stellte allerdings ein nahezu unüberwindbares Hindernis bei der LKW-Jagd dar. Was gelegentlich zum einsamen Verfolgen der LKW-gezogenen Truppe und einer daraus resultierenden schlechten Laune führte. Wenn sie dann allerdings im Windschatten bleibt, wenn die Männermannschaft bei Intervallen die 400 Watt überschreitet oder mal an einer Düne den Gang stehen lässt, ist die Welt wieder in Ordnung. Ihren Zweitjob als Finanzminister versah sie mit Freude, bot das doch Anlass die geamten BWLer-Fähigkeiten einzusetzen und eine Excel-Tabelle mit diversen „Plus“ und „Minus“ versehen zu erstellen.
Christian, Meistertrainer und Rumpfmuskulaturbeauftragter rächte sich für die Schmerzen, die wir Ihm beim Radfahren beibringen: Beim gemeinsamen Rumpfaufbau. Die Ich-schaffe-hundert-Situps Fraktion sei gewarnt. Sein Kampfgeist ist unermüdlich und trotz der Hälfte an Radkilometern fällt er lieber tot vom Rad als abreißen zu lassen. Auch sein Wettkampf www.tri-motion.at gehört zu den schönsten Wettkämpfen.
Meister Swen sorgte dafür, dass wir nicht ein zu hohes Maß an Grundlage trainieren. Stichwort "Die Österreicher ( Leitner, Rothart) haben gesagt ( was sie übrigens nie tun würden ) wir hätten kein Raddruck" was zu sinnlosen Paarzeitfahren in der Wüste und Männlichkeitsdemonstrationen an den Dünen führt. Die vier Regentage des Jahres, die es in den VAE gibt und die dummerweise in unsere Trainingszeit fielen, haben dafür gesorgt, dass ein geplantes Berg- (auf und ab) Zeitfahren abgesagt wurde, wo Swen uns seine überragenden, bremsklotzverschleißenden Abfahrtskünste vorführen wollte.
Tobias stellte wieder neue Rekorde auf, im Dauerautofahren ca. 5.000 km in 3 Wochen, im Autozeitfahren „Al-Ain to Dubai Flughafen“ in StvO-unzulässigen 62 Minuten. Im Überladen eines Ford Focus mit acht Personen sowieso. Darüberhinaus setzte er seine logistischen Fähigkeiten ein um sieben hungrige und durstige Triathleten zu versorgen und die ganze Ausrüstung zwischen Deutschland, Dubai und Al-Ain sicher und günstig hin und her zu bewegen.
Ich selbst durfte meine ganze Ex-Weltmeisterlichkeit bei der ersten Ausfahrt mit Oli und Nicole vorführen, bei der ich über einen Zementbrocken auf der Straße fiel mir Knie und Ellbogen aufschlug und dann bäuchlings, Arme nach hinten, auf der Straße lag. Soviel zur Unantastbarkeit der Würde des Menschen.
Das Trainingslager war, trotz zunehmendem Verkehr in Al-Ain und einer feuchten Ausfahrt, sehr gut. Im Nebenprogramm haben wir auch ein Handballspiel beim Scheich Zayed Cup besuchen können. Das Bauchfett wurde weniger, die Form besser und die Stimmung war gut und ich freue mich schon jetzte auf meinen ersten Einsatz beim Ironman Malaysia.
Gruß an alle 3athloniker
Faris Al-Sultan
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