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Clearwater  Beach (Flordia, USA) – Die zweite Auflage der World Championship über die halbe Distanz (Ironman 70.3 steht für Anzahl der zurückgelegten Meilen) steht ganz im Zeichen der beiden Vorjahressieger.

Silber in Kona, Gold in Clearwater?
Beiden jungen Athleten gemein ist eine Karriere über die Kurzdistanz der International Triathlon Union (ITU) mit einer gehörigen Portion Grundspeed. Im Gegensatz zu vielen gescheiterten Versuchen von der Kurzstrecke auf die Langdistanz zu wechseln haben sowohl der Australier Alexander, wie auch die Kanadierin  McGlone den Sprung auf die Ironman-Distanz hervorragend gemeistert und bei den Ford Ironman Hawaii Triathlon World Championship in diesem Jahr grandiose Einstände mit zwei Silbermedaillen abgeliefert. Alexander - als herausragender Läufer bekannt - konnte überraschenderweise auf dem durchschnittlich windigen Radkurs zwischen Kailua-Kona und Hawi mit der Gruppe der Favoriten mithalten und World Champion Chris McCormack lange die Stirn beim Hitze-Marathon unter wolkenlosem Himmel bieten.  Alexander hat in der zurückliegenden Saison die Startfelder scheinbar nach Belieben dominiert. Siege in St. Croix, Florida, Ironman 70.3 Vineman und Ironman 70.3 Newfoundland stehen auf der Haben-Seite. Lediglich ein Raddefekt verbaute die Chance auch beim Ironman 70.3 Singapore als Sieger das dem Rennen zu gehen. Im April folgte dann die Premiere auf der Langstrecke – Platz 3.

Die 28 Jahre  junge Kanadierin musste sich nach Problemen in der ersten Stunde auf dem Rad nur der überragenden Siegerin Chrissie Wellington geschlagen geben, lieferte aber bei einem der wärmsten Renntage der letzten Jahre einen Marathon für die Geschichtsbücher ab: 3 Stunden sind nicht viele Athletinnen gelaufen.

Die Konkurrenz schaltet nicht den Schongang ein.
Die beiden Top-Stars haben jeweils die Halb-Distanz gewählt, um sich von der Olympischen Kurzdistanz an das lange Format heranzutasten und augenscheinlich den goldenen Mittelweg gefunden. Die einzig offene Frage lautet nun, wie sich beide Sportler von den Strapazen auf der knochenharten Strecke von Big Island erholt haben. Die Konkurrenz wird nicht den Schongang einlegen, wenn es um Preisgeld und den Titel geht.

An erster Stelle sind die Briten Simon Lessing (fünffacher ITU-Weltmeister)  und Spencer Smith (mehrfacher ITU-Weltmeister) zu nennen. Lessing der bisher beim Ironman Hawaii kein Glück hatte hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass er auf der „Halben“ immer zu den gefährlichen Mitbewerbern gehört. Smith hat sich nach schwerem Radunfall im letzten Jahr wieder aufgerappelt und ist in der Vergangenheit durch unglaubliche Parforce-Ritte vor dem Feld der draftenden Kurzstreckler aufgefallen. Der Australier Richie Cunningham, bekannt aus der Deutschen Triathlon-Liga und mit Bronze vom letzten Jahr ausgezeichnet musste in diesem Jahr   in Newfoundland und St. Croix Craig Alexander den Vortritt lassen.

Weitere erwähenswerte Namen sind der schnelle Schwimmer aus dem ITU-Circuit Andy Potts (Sieger Ironman 70.3 California), Chris Legh (alle USA) und der Neuseeländer Terrenzo Bozzone, der bei einem seiner jüngeren Auftritte in Non-Drafting Rennen den Streckenrekord beim Wildflower Triathlon förmlich pulverisiert hatte. Das Feld der Top-Kandidaten runden Reinaldo Colluci  (ARG), Stephan Bignet (Sieger des Ironman 70.3 Wiesbaden, FRA) der länger verletzte Brite Andrew Johns, Michael Simpson (USA), Bjorn Andersson (SWE)  und Chris Lieto (USA) ab.

Mirinda Carfrae, Bronzemedaillengewinnerin von 2006 aus Australien, die US-Amerikanerin Desiree Ficker, ebenfalls Bronze beim  Ironman Hawaii 2006 und Kate Major (AUS) sind die Top-Shots für das Podium der Damen. Ein mittlers Fragezeichen steht über der Form der Kandierin Lisa Bentley. Eine hartnäckihe Achillessehenverletzung zwang sie zum DNS in Kona.
Die Britin Julie Dibens  kommt mit dem frischen Titel der XTERRA World Championship nach Clearwater. Ebenfalls nicht zu vergessen ist   Yvonne Van Vlerken aus den Niederlanden, die trotz Radunfall in der vergangenen Woche ein Faktor sein kann. Schließlich hat sie es geschafft in einem Jahr 2 Sub-9 Performances an den Tag zu legen.

Aus Deutschland hat den weiten Flug nach Florida nur ein männlicher Profi gewagt. Enrico Knobloch (TSV Eisenberg/3athlon.org) wird die schwarz-rot-goldenen Farben in Ehren halten. Knobloch gibt sich optimistisch: "Die letzten Trainingswochen liefen für mich optimal. Ich [konnte] meine Schwimmform deutlich steigern. Diesen Montag beendete ich nach acht Tagen mein Traininglager auf Mallorca. Eine Überraschung gab es dann gestern bei einem abschließenden Leistungstest auf dem Rad. Die Werte die ich hier erzielte, waren so gut wie in diesem Jahr noch nie." Österreich vertreten Peter Schoissengeier, Norbert Langbrandtner und Markus Ressler. Gemeldet sind ebenfalls Nina Kraft, Gewinnerin der Ironman Florida und Katja Schumacher. Iris Tiedeken ist dir Dritte Deutsche auf der Startliste.  Monika Lehmann und Sibylle Matter vertreten die Schweiz.

Uwe Widmann (Soprema Team MTG Mannheim), ebenfalls für die WM nominiert startet nicht. "Ich werde in Clearwater nicht am Start sein. Ich hatte mir zwar beim IM 70.3 in WI den Platz gesichert aber dann vor vier Wochen endgültig entschieden, nicht zu starten. Zum Einen hatte mich ein Radsturz im September - vom Auto umgefahren und Rippen und Schlüsselbein geprellt - erheblich am für Clearwater wichtigen Schwimmtraining gehindert und zum Anderen hatte mir das 70.3 Rennen mit seiner flachen Radstrecke und der daraus resultierenden Windschattenproblematik eh schon etwas die Motivation genommen. Mein Focus liegt daher zum Abschluss der Saison auf IM Western Australia am 02. Dezember."

Großes und starkes im Feld der Altersklassen
Auch die Altersklassensportler, darunter auch etliche aus dem deutschsprachigen Raum küren ihre neuen Weltmeister. Gab es im letzten Jahr noch Probleme mit Drafting in den stärksten Gruppen, sollen Änderungen der Radstrecke und die Erhöhung der Anzahl der Startgruppen für ein faireres Rennen sorgen.

Ironman 70.3 als attraktive Rennserie etabliert
Ben Fertic, Präsident der World Triathlon Corporation  (WTC) hat mit der Einführung der Rennserie ein geschicktes Händchen und das richtige Gespür gehabt. „Im Ironman 70.3 treffen sich Ironman-Athleten und Kurzdistanz. Selbst, wenn man nicht sehr viel Trainingszeit hat, kann man auch als Altersklassensportler an einem Rennen unter dem Ironman-Label starten. Das ist großartig.“

Die Serie boomt tatsächlich und entwickelt sich vor allem in den USA zu einem echten Selbstläufer. Sicherlich mit ein Grund, warum es nach Einführung der Serie erneut Dissonanzen zwischen der WTC und der ITU gab. Der juristische Vorstoss von Les McDonald (Prädent der ITU) konnte jedoch auf Basis bereits bestehender Verträge und Vereinbarungen zwischen beiden Parteien entkräftet werden.
(Kai Baumgartner)

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