Kailua-Kona (Hi, USA) - Der Belgier Rutger Beke konnte sich schon vier Mal in den Top 5 beim Ironman Hawaii platzieren. 3athlon.de fragt den Gewinner des Ironman Arizona nach seinen Wünschen für diese Auflage.
3athlon.de: Rutger, Du hast gestern viele Drehtermine über Dich ergehen lassen. Wie war das für Dich?
Rutger Beke: Ich wurde viel zum Dreikampf Normann, McCormack und Al-Sultan befragt. Rivalität ist im Sport immer gut. Die drei sollten aber nicht auf die persönliche Ebene wechseln. Für die Spannung vor und im Rennen ist das aber sicher sehr gut, wenn man so unterschiedliche Persönlichkeiten hat. Natürlich mag man den einen oder anderen Profi mehr, so auch die Fans. Aber dann sollte man sich auch hier darauf einigen seinen Favoriten anzufeuern und bei dem anderen halt nichts zu machen.
3athlon.de: Du bist 2, zwei Mal 4 und einmal 5 geworden. Was ist Dein Ziel für 2007? Zielst Du auf den Sieg? Den Vizetitel hast Du mit der Staggerrule erreicht, die anderen Ergebnisse mit dem herkömmlichen Regelwerk. Siehst Du einen Vorteil in der erneuten Änderung der Regeln?
Rutger Beke: Ich sehe das als Vorteil für mich. Es wird so ein faires Rennen werden. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es kein faires Rennen war, vielleicht wird es fairer. Schließlich konnte man in den Gruppen gut zusammenarbeiten. Es werden sicherlich viel mehr kleinere Gruppen geben, als eine große Gruppe, wie 2006. Man konnte das ja sehen, wie sie sich hinter Faris immer und immer wieder selbst überholt haben und damit ständig irgendwer im Windschatten war.
3athlon.de: Ich habe es den „Kona Circle“ genannt.
Rutger Beke: Ja, ja. Jetzt muss man an der Seite vorbei und das sollte das Kreisen viel schwerer machen. Ich hoffe auf ordentlich Wind, um schon auf dem Rad möglichst viele Leute auszuzehren.
3athlon.de: Normann Stadler hat auf der Pressekonferenz in Anspielung an Chris McCormack in einer ersten Aussage Dich als den schnelleren Marathonläufer bezeichnet, da Du den Großteil der Strecke alleine gefahren bist. Bis Du der schnellste Läufer?
Rutger Beke: Ja, aber zunächst einmal war Sergio Marques der schnellste im Feld, er lief 2:43. Auch wenn er nicht so schnell mit dem Bike war. Ich bin lange alleine hinter der Gruppe um Faris gefahren und war auch sehr lange mit Thomas Hellriegel unterwegs. Wir haben da eine Gruppe von 20-25 Fahrern überholt. Das passiert mit der neuen Regel und halbwegs gutem Wind hoffentlich nicht mehr. Ich glaube, dass ich mit McCormack mitlaufen kann, wenn ich mit ihm vom Rad steige.
3athlon.de: Vom taktischen Gesichtspunkt wird das Schwimmen immer wichtiger. Im letzten Jahr hatten einige den Schwimmanzug und es gab eine ordentliche Unterströmung auf dem Weg zurück. Hast Du Angst den Radexpress zu verpassen?
Rutger Beke: Nein, Mariono [Vanhoenacker] war nur 20 Sekunden vor mir aus dem Wasser und hat den Sprung geschafft. Ich hatte nur ein sehr schlechtes Gefühl und wirklich große Probleme in der ersten Stunde auf dem Bike. Ich konnte den Rhythmus nicht finden. Ich denke, dass ich hätte mithalten können.
3athlon.de: Hast Du aus dem Fehler gelernt und ein spezielles Training „Swim-Bike“ gemacht?
Rutger Beke: Ja ich habe ein spezielles Training gemacht, um nicht wieder die Probleme zu haben. Ich bin direkt nach dem Schwimmen auf das Rad und habe hart trainiert. Die erste Stunde klappt hoffentlich jetzt besser. Im letzten Jahr war sie wirklich schlimm. Es ist nicht gut, gleich so in das Rennen zu starten. Das ist schwer für den Kopf.
Aber ich denke, dass in diesem Jahr McCormack , Faris und die anderen das Schwimmen anders gestalten werden. Ich denke nicht, dass es eine so große Gruppe werden wird. Es sei denn, es gibt wieder eine solche Unterströmung. Es war so gut wie unmöglich wergzuschwimmen.
3athlon.de: In Arizona konntest Du mit einer guten Radzeit den Titel holen…
Rutger Beke: Ja, es war in dem Jahr sehr windig - fast wie in Kona. Mit einer 4:30 habe ich gezeigt, dass ich auf dem Rad Fortschritte mache und dass es hoffentlich reicht, um die Gruppen halten zu können. Ich war damit sehr glücklich.
3athlon.de: Die richtige Akklimatisierung ist immer ein Thema. Viele Profis trainieren vor dem Ironman in ähnlichen klimatischen Gegenden und versuchen z.T. auch die Zeitverschiebung möglichst schnell in den Griff zu bekommen. Faris und Normann trainiert mehrere Wochen in San Diego und reißen etwa 7-10 Tage vor dem Rennen an. Andere hat es nach Lanzarote gezogen.
Rutger Beke: Ich bin schon 4 Wochen hier und konnte mich optimal anpassen.
3athlon.de: Nach dem Ironman Arizona wurde es etwas ruhiger um Dich. War das Absicht?
Rutger Beke: Nein, ich hatte entzündliche Verhärtung in einem Teilmuskel der Wade und musste die Verletzung nach Antwerpen ausheilen. Sie behinderte mich aber nicht in meiner Kona-Vorbereitung. Wenn Normann Kona gewinnt hat er eine gute Saison, wenn nicht eben nicht. Ich habe zumindest einen Ironman-Titel in der Tasche.
3athlon.de: Was ist Dein Hauptziel für Kona? Ist es nun an der Zeit für Dich auf Trumpf zu setzen?
Rutger Beke: Ich bin 4 Mal in die Top 5 gekommen. Ich bin hungrig auf den Sieg. Wenn das bedeutet, dass ich in den nächsten 5 Jahren lieber 4 x DNF und einen Sieg haben werde ist mir das wichtiger. Ein weiterer Platz auf dem Podium oder in den Top 5 ist in dem Moment schön, befriedigt mich aber auf Dauer nicht mehr.
Dafür nehme ich gerne Risiko auf dem Bike oder im Laufen auf mich. Wenn ein DNF das ist, um den Sieg eines Tages zu ermöglichen, nehme ich das in Kauf. Auch Chris McCormack werden sie bei einem oder weiteren DNF nichts verübeln, wenn er dann schaffen sollte.
3athlon.de: Gibt es Rivalität zwischen den Belgiern? In Deutschland geht man sich zum Teil gepflegt aus dem Wege…
Rutger Beke: Das geht eigentlich ganz gut aber richtige Freunde sind wir nicht, weil es da dann ja doch den Wettkampf gibt. Allerdings machen wir kaum etwas zusammen. Das liegt aber nicht daran, dass wir uns nicht mögen. Eher daran, dass wir so weit auseinander wohnen. Es ist sicher ähnlich wie bei den meisten Athleten in Deutschland. Am Renntag versuchen wir uns gegenseitig zu schlagen, danach geht man für ein Bier aus.
Nur zu Luc [Van Lierde] habe ich ein anderes Verhältnis. Zum ihm sehe ich wirklich auf, er hat Kona gewonnen und den Sport geprägt. Er war der Grund, warum ich überhaupt mit dem Sport angefangen habe. Wir sehen uns gelegentlich.
3athlon.de: Gibt es weitere Favoriten, die in den Listen der Analysten nicht aufzufinden sind?
Rutger Beke: Craig Alexander ist sicherlich der schnellste Ironman 70.3-Athlet im Augenblick. Es ist aber nur die halbe Distanz und bei einem Ironman rücken ganz andere Eigenschaften in den Vordergrund. Er wird außerdem die WM in Clearwater im Kopf haben. Ich kann mir vorstellen, dass er wenn es schwerer laufen sollte und er viel leiden muss anfängt zu denken und dann die Konzentration verliert. (Kai Baumgartner)
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