Kailua-Kona (Hi, USA) - Michellie Jones ist die amtierende Titelverteidigerin beim Ironman Hawaii. Viele Sieger des Vorjahres haben im Folgejahr nur unter großen Anstrengungen oder gar nicht die Leistungen wiederholen können. Bei unserem Gespräch machte die Australierin einen sehr entspannten Eindruck.
3athlon.de: Michellie, Du bist als Titelverteidigerin nach Kona gekommen. Viele Athleten schaffen das Double nur mit Anstrengungen. Was hast Du für das Projekt Ironman Hawaii 2007 vorbereitet?
Michellie Jones: Das stimmt. Ich denke aber schon, dass ich zur richtigen Zeit in Form gekommen bin (lachend) und am Ende des Tages konkurrenzfähig bin.
3athlon.de: Dein Saisonverlauf entscheidet sich sehr von dem aus den beiden Vorjahren. Was ist anders?
Michellie Jones: 2005 hatte ich durch einen Radsturz die Hüfte gebrochen und konnte nicht viel laufen. Auf Hawaii war das Radfahren dann sehr stark. Im Folgejahr konnte ich diese Stärke nicht ausspielen. Das Laufen war in dem Jahr gut, aber auf dem Rad war ich nicht ganz dort, wie Kona 2005.
3athlon.de: 2006 begann ebenfalls mit Problemen…
Michellie Jones: Ja, ich war im Februar für mehrere Wochen verletzt und habe dadurch sehr spät mit dem Training auf Hawaii begonnen. In den letzten 3 Monaten ist die Vorbereitung ohne Probleme verlaufen.
3athlon.de: Wenn man Dich so ansieht, machst Du einen fitteren Eindruck, als 2006. Beim Laufen wirkst Du sehr stabil. Vor allem die Rumpfmuskulatur wirkt ausgeprägter und das Becken kippt nicht mehr so stark nach vorne und zur Seite ab, wie im letzten Jahr. Stimmt mein Eindruck?
Michellie Jones: Ja, das stimmt. Vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich mich viel frischer fühle. Im letzten Jahr habe ich mich schon beim Training müde gefühlt und war auch im Rennen nicht richtig frisch.
3athlon.de: Nicole Leder hat in einem Interview gesagt, dass es jedes Jahr wichtiger wird auch im Schwimmen vorne dabei zu sein. Siehst Du das ähnlich wie sie und hat da zum Beispiel Deine Hauptkonkurrentin Natascha Badmann noch Entwicklungspotential?
Michellie Jones: Natascha ist sicher die stärkste Konkurrentin. Sie hat viel Erfahrung und weiß auf jeden Fall, wie man gewinnen kann. Natürlich ist es wichtiger auch vorne aus dem Wasser zu kommen. Durch den getrennten Start der Profis und Altersklassen haben die schwachen Schwimmerinnen nach meiner Meinung Nachteile. Sie finden keine Füße zum Mitschwimmen. Im letzten Jahr war ich mit dem Schwimmen zufrieden. Ich bin mit den Leuten aus dem Wasser gekommen, die ich sonst auch um mich herum habe. Die Strömung hat vielleicht die Schwimmzeiten beeinflusst, aber nicht meine Platzierungen.
3athlon.de: Wie sehr wünschst Du Dir auch in diesem Jahr als erste Frau auf den Alii Drive einzubiegen? Oder legst Du da keinen Wert drauf?
Michellie Jones: Ach, das war schon sehr schön (lachend). Die Finish-Line ist beeindruckend und ich blicke mit großartigen Gefühlen auf diese Momente zurück.
3athlon.de: Du trainierst in San Diego. Bist Du mit Spezialisten unterwegs?
Michellie Jones: Ich trainiere viel mit meinem Mann auf dem Rad. Im Schwimmen gehe ich einfach zum Mastersschwimmen. Da kann ich auch mal das Programm umstellen, wenn es nötig ist.
3athlon.de: Du bist in diesem Jahr auf einem neuen Rad unterwegs und hast Reebok als Bekleidungssponsor nach langer Treue verlassen.
Michellie Jones: Letztes Jahr liefen viele der langfristigen Verträge aus. Nach meinem Sieg war das natürlich ein guter Zeitpunkt, um sich neu aufzustellen. Jetzt bin ich bei 2XU und fahre ein Felt. Ich war schon früher bei Felt und bin schweren Herzens gewechselt. Letztes Jahr vor Kona habe ich es dann bei den Vertragsverhandlungen zur Probe gefahren und war dann doch etwas unglücklich, dass ich es nicht nutzen konnte. Von den alten Sponsoren ist die American Interbanc geblieben. Darüber bin ich sehr froh.
(Kai Baumgartner)
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