Kailua-Kona (Hi, USA) - Faris Al-Sultan kam im Jahr 2005 ein wenig wie die Jungfrau zum Kind. Nach dem dritten Platz in 2004 hatten ihn viele auf der Liste der sicheren „Can do Top 3“, aber nicht für den Gesamtsieg. Der Münchener möchte erneut die Krone. Wie sehr er sie will, ist sicherlich mitentscheidend.
3athlon.de: Faris, NBC, Ironmanlive und die Deutsche Welle standen am heutigen Dienstag auf dem Plan Deines individuellen Medienmarathons. Die ARD hat sich angekündigt. Hattest Du ein stressiges Jahr?
Faris Al-Sultan: Hmm, das ging eigentlich diese Saison. Ich habe relativ wenig Wettkämpfe gemacht und weniger andere Sachen gemacht. Dafür andere Trainingssachen versucht. Es war auf jeden Fall nicht so stressig, wie das Jahr zuvor. Ich habe schon darauf geachtet, dass ich weniger Wettkämpfe habe, weniger Wettkampfstress eben.
3athlon.de: Im letzten Jahr, dem Jahr Deiner Titelverteidigung hast Du Doch ein bisschen aufgerieben, mit den vielen Wettkämpfen, mit den Einladungen undnatürlich auch mit den Verpflichtungen den Sponsoren und Medien gegenüber. In diesem Jahr hast Du versucht die gleichen Fehler nicht erneut zu machen. Aber Du bist etwa den XTERRA Deutschland gestartet, obwohl Du in der Vergangenheit bereits Sturzerfahrungen unmittelbar vor Roth bei einem Olympischen Triathlon in Potsdam gemacht hattest...
Faris Al-Sultan: Ja, da [XTERRA] habe ich mich auf 2 Mal abgelegt. Das erste Mal beim Bergauffahren, das ist auch nicht schlimm, dann beim Bergabfahren. Dort aber zur Seite, wenn ich vorne über den Lenker gegangen wäre, hätte das schlimmer ausgehen können. Aber egal, ob im Gelände oder auf der Straße, das Stürzen gehört bei einem Rennen halt dazu. Da kann halt immer was passieren, das gehört zum Wettkampfsport dazu und wenn man davor Angst hat, kann man gar nichts mehr machen. Damit muss man Leben, die Radfahrer stürzen viel häufiger, als wir und die haben viel schwerere Stürze.
3athlon.de: Jetzt machen wir die pädagogische Kiste ein bisschen auf. Wenn wir etwas gemein haben, dann die Vorliebe ohne Helm zu fahren. Du fährst im Training grundsätzlich ohne Helm, sofern es keine Helmordnung gibt. Was fällt Dir da zum Thema Vorbildfunktion ein?
Faris Al-Sultan: Kann man das nicht im Interview weglassen (lachend)? Ich möchte eigentlich nicht, dass das auf 3athlon.de erscheint und zwei Tage über die Helmfrage diskutiert wird. Das ist echt schlecht für die Kinder. Das will ich ja nicht, eine schlechtes Vorbild sein. Ich will, dass Jugendliche einen Helm tragen. Ich mag das nicht. Ja gut, wenn du damit aufwächst ist das OK mit dem Helm. Ich muss mich immer überwinden. Mir ist es einfach unangenehm.
3athlon.de: Ich habe in den letzten Tagen schon ausführlich mit den vermeintlichen Top-Favoriten Stadler, McCormack, Beke, Llanos und Vanhoenacker gesprochen. Ich gehe aber lieber auf das Interview mit Chris McCormack auf 3athlon.de ein. Er hat da ja schon starken Tobac abgelassen. Hast Du es schon lesen können?
Faris Al-Sultan: Ich habe es noch nicht gelesen, ich bin noch nicht dazu gekommen. Aber man hat mir am Wochenende berichtet und mitgeteilt worum es so Insgesamt geht. Wir sind uns natürlich darüber im Klaren, dass er der intelligenteste Athlet im Rennen ist, den ich kenne. Nicht, dass er nur einfach am Renntag seine Form abruft. Nein, er versucht schon vorher seine Gegner zu beeinflussen. Chris ist bewusst, dass er Alles einsetzen muss, um dieses Rennen zu gewinnen. Es reicht ihm nicht, sich dahinzustellen und schnell zu sein.
3athlon.de: Wie gehst Du mit den Anschuldigen um, die Chris getan hat. Möchtest Du dazu Stellung beziehen? Eine These ist ja, dass Deine Karriere nur auf einem Rennen bestehen würde. Dem Sieg beim Ironman Hawaii 2005, während er rund 150 Siege und einige große Titel habe und Dich in jedem beliebigen Rennen außerhalb von Kona schlagen würde.
Faris Al-Sultan: Ach naja, ich nehme das nicht so ganz Ernst, weil man das vertreten kann. Ich habe ja nicht so viele große Siege. Das ist einfach so. Aber auf der anderen Seite, wenn ich Morgen sterbe, habe ich mehr erreicht, als ich je als Triathlet erreichen wollte und ich bin ein glücklicher Mensch. Er hat es nicht zu den Olympischen Spielen geschafft und er hat es immer noch nicht fertig gebracht dieses Rennen zu gewinnen. Also – ich bin ganz entspannt.
3athlon.de: Ich habe natürlich immer ganz gerne Trends und Daten, wenn es zum Vergleich der Form kommt. Was hat sich verändert zum Vorjahr? Letztes Jahr konntest Du ziemlich zerknautscht auf Rang 8 nach dem Radfahren liegend noch bis auf Bronze vorlaufen.
Faris Al-Sultan: Ich denke, dass ich frischer bin auf dem Rad. Ich habe auch einen ganz guten 5.000 Meter Test im Schwimmen gemacht mit etwa der Zeit aus dem Vorjahr und eigentlich noch entspannter geschwommen. Wobei das ja komisch war. Letztes Jahr ging im Wasser ja dann nichts. Das ist halt so, einfach. Wie gesagt, bin ich auf dem Rad frischer, als letztes Jahr und beim Laufen kann ich wenig sagen, weil ich schon sehr wenig gelaufen bin. Auch sehr wenig harte Sachen. Ich denke aber, dass ich ein gutes Niveau habe im Marathon, über 10 Kilometer sprechen wir jetzt nicht. Im Marathon, das müsste schon passen, dass ich da mitspielen kann.
3athlon.de: Schauen wir uns die einzelnen Disziplinen an. Im Schwimmen haben Dich 2006 die Schwimmzeiten überrascht. Inwieweit waren die Schwimmanzüge ein Thema? Ich weiss, dass Du verschiedene Modelle getestet hast.
Faris Al-Sultan: ich werde einen Schwimmen, ich habe aber ehrlich gesagt, noch nicht alle ausprobiert. Mit dem XTERRA gab es ein kleines Problem beim Transport. Da werde ich Morgen noch dazukommen, den zu testen und mich dann relativ kurzfristig machen. Ob ich diesen oder Blueseventy oder einen anderen schwimme. Die Anzüge machen auf jeden [betonend] Fall etwas aus. Jeder konnte das sehr schön beim Kraichgau Triathlon sehen, als Thomas Hellriegel und ich quasi zusammen aus dem Wasser sind. Er im Anzug und ich in der Badehose. Thomas spielt da eigentlich mit mir rum. Wenn ich einmal ein Loch von 10-15 Meter aufgerissen habe, reicht das normal locker, um den Thomas abzuhängen. Aber jetzt sind ja alle Profis in den Dingern unterwegs. Von daher gleicht sich das dann aus und es wird keine Überraschungen geben.
3athlon.de: Wie sieht es mit dem Bike aus? Gestern haben wir das mehr oder weniger noch mit neuen Keramiklagern gepimpt. Es ist nicht wieder so spät, wie im letzten Jahr fertig?
Faris Al-Sultan: ich habe alle Teile zusammen und Cannondale schraubt gerade an dem Bike rum. Mt Material überrascht man im Moment auch keinen mehr.
3athlon.de: Hast Du einen Maßrahmen?
Faris Al-Sultan: Nein, das ist ein ganz normaler Stangenrahmen. Ich bin sehr zufrieden damit.
3athlon.de: Wie sieht es mit der Ernährung aus? Der Normann zum Beispiel nimmt auf Basis seiner Statur als kraftvoller Athlet sehr viele Gels auf dem Rad zu sich. Thomas Hellriegel isst dagegen sehr wenig. Du fängst wohl gerne mit festeren Dingen, wie einer Banane an und hintenraus beim Laufen gibt es Cola?!
Faris Al-Sultan: Ja, manchmal fange ich schon am rad mit Cola an. Ich esse nicht so viel Gels, weil das vertrage ich nicht so. Das schmeckt mir auch nicht. Am Anfang nehme ich einen Riegel, so ein paar Riegelstückchen und Banane vielleicht. Dann schon auch Gels natürlich und Gatorade, das hier angeboten wird. Und mein Gott, irgendwie müssen halt die Kalorien rein. Dabei gibt es sonst keine großen Tricks. Wie es Mark [Allen] schon früh beschrieben hat, taste ich mich von fest und lang nach flüssig und kurzkettig vor.
3athlon.de: Dein Wunschwetter am Renntag?
Faris Al-Sultan: Windig und schön heiß! Zu extrem windig muss es aber dann auch nicht sein. Aber so windig, damit wir alle Mal die Windschattendiskussion da klären. Dann kann keiner mehr sagen „Oh, der ist aber da und da…“
3athlon.de: Wie stehst Du zu der Erweiterung der Windschattenbox und den Änderungen zu Gunsten der Solofahrer? Also mit dem seitlichen Überholen und dem Einfahrverbot in den 10 Meter-Abstand von hinten und den verlängerten Überholphasen? Das bedeutet ja letztlich, dass der Überholer wirklich in die Pedale treten muss, um nach vorne zu kommen.
Faris Al-Sultan: Ja, das begrüße ich natürlich, weil letzlich konnte man ja, wie Du es in einem Interview bezeichnet hast rein theoretisch den „Kona Kreisel“ fahren, sofern sich die Athleten einig waren. Indem man sich einfach gegenseitig überholt und von hinten nachgerückt wird. Letztes Jahr war das ja nicht der Fall. Auf dem Rückweg war ich ja der der vorne die Verfolger fast im Alleingang gezogen hat. Die anderen haben sich dann wohl gedacht „Der macht schon“ (lachend). Das wird damit aber unterbunden, weil es einfach zu viel Kraft aneinander vorbeizufahren kostet und da überlegt man sich schon, ob man das macht.
3athlon.de: Ist es damit vielleicht einfacher sich aus Gruppen zu lösen?
Faris Al-Sultan: Das werden wir sehen. Ich hoffe das auch. Bisher war es ja immer das Problem, dass Leute die schlecht schwimmen der Gruppe hinterher gesehen haben und chancenlos als Einzelkämpfer irgendwo in der Mitte unterwegs waren. Die Leute, die ein bisschen langsamer fahren als ich und da mitfahren. Die wenden dann kaum noch Energie auf und die da hinter waren dann die Gelackmeierten. Vielleicht wird es dadurch besser und es kommt dazu, dass die dann auch wieder eine Chance haben.
3athlon.de: Deine Meinung zum möglichen Start von McCormack in Frankfurt?
Faris Al-Sultan: Puh, wir werden uns beide nicht freuen uns zu sehen. Aber wenn es so sein soll ist es gut so.
(Kai Baumgartner)
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