Kailua-Kona (Hi, USA) - Jan Raphael hat gleich beim seinem ersten IRONMAN eingeschlagen, wie eine Bombe und lange Zeit in Frankfurt geführt. Auf Hawaii ist der Hannoveraner ein Rookie und muss sich mit Pelé gutstellen.
3athlon.de: Jan, Du hast in Florida einen starken Eindruck hinterlassen und in Frankfurt lange den Ton angegeben. Mit welchen Erwartungen gehst Du nach Kona?
Jan Raphael: Ich habe keine großartigen Erwartungen oder Ziele sage ich mal. Ich bin diesmal nicht als Tourist hier. Bei meinem ersten IRONMAN habe ich das als Urlaub mit Wettkampf gesehen. Das geht jetzt nicht mehr. Realistisch gesehen, werde ich so ein Ergebnis wie in Frankfurt nicht schaffen. Die Leistungsdichte ist hier schon höher. Ich hoffe mein Leistungsvermögen umsetzen zu können und einigermaßen dabei zu sein.
3athlon.de: Was stellst du Dir konkret in Ziffern und Zahlen, sprich Plätzen vor?
Jan Raphael: Zur Platzierung kann ich da gar nichts sagen. Mit Normann habe ich schon in San Diego darüber gesprochen. Heute mit Vucko gelaufen und das Thema angesprochen. Das lässt sich wirklich schwer einschätzen. Ich warte mal ab und mach das Ding. Ist bissl was anderes, verstecken brauche ich mich aber auch nicht. Ich traue mir zu die Top 10 zu machen.
3athlon.de: Was ist Dir durch den Kopf gegangen, als Du aus dem Flughafen gekommen und die Gangway herab geschritten bist?
Jan Raphael: Der Flughafen war sensationell. Gleich nach 50 Metern kam der erste Souvenierladen. Letztendlich ist es einfach so: Hier ist jeder entspannt hat man das Gefühl. Keine großartigen Verpflichtungen, man lässt es einfach mal so laufen.
Sonst kann ich wenig von der Umgebung sagen. Habe es mir so vorgstellt. Mehr Strand habe ich schon erwartet, sind alle relativ klein. In Kona ist alles sehr zentral gelegen. Zum Wetter bleibt zu sagen, dass ich es mir schlimmer vorgestellt habe. Beim Laufen merkt man das die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Temperaturmäßig ist es recht angenehm. Durch San Diego bin ich vorbelastet und etwas besser daran gewöhnt. Der Temperaturschock ist höher, wenn man aus Deutschland kommt.
3athlon.de: Du machst nun das zweite Rennen unter der Flagge des Teams Dresdner Kleinwort. Kann man sagen, daß Dir genug Zeit für die Entwicklung gegeben wird?
Jan Raphael: Bei uns ist es ganz angenehm. Normann ist als Titelverteidiger unter Druck, klar dass er die Kaptitänsrolle einnimmt. Dadurch wird der Druck etwas genommen. Andererseits muss ich damit klarkommen, dass die Leute auf mich schauen. In Florida hat erst keiner das Ergebnis mitbekommen. In Frankfurt haben sie gesehen, der kann doch ein bisschen was. Rad war nicht so schlecht, wie viele gedacht hatten. Das erste Jahr Hawaii wird einem schon etwas verziehen. McCormack ist anfangs so oft gestartet und nicht durchgekommen. Das soll jetzt nicht mein Vorbild sein….
3athlon.de: Du bist in Frankfurt voll angegangen…
Jan Raphael: Die Rennen, wie Frankfurt anzugehen ist es mein Stil. Die Stärke ist das Schwimmen, wenn man das auf der Langdistanz sagen kann. Das will ich nutzen und nicht warten. Warum sollte ich 2 Minuten schneller schwimmen und daraus nichts machen? Ich werde voll schwimmen. Danach einigermaßen voll losfahren und gucken, was dabei rauskommt. Hier sind viele Leute die auch schwimmen können. Lessing, Faris [Al-Sultan], Pantano und der Japaner. Da muss man erst einmal reinkommen in so eine Gruppe. Das ist dann ein ganz anderes Rennen. In Frankfurt hatte ich schon die Taktik voll zu gehen und beim Faris so lange mitzufahren, wie es geht. Er hatte halt keinen guten Tag.
Ich werde aber schon versuchen, mehr den Kopf einzuschalten, als in Frankfurt - ist ja ganz klar.
3athlon.de: Wie sieht es mit der Ernährung aus? Der IRONMAN wird zu 30 % mit dem Essen und Trinken gewonnen sagt man…
Jan Raphael: Ich habe einiges versucht was die Getränke angeht, Mineraltabletten, Salztabletten und viel Obst natürlich. Ich versuche mich ausgewogen zu ernähren. Nutze aber keinen festen Ernährungsplan. In meinem Leben habe ich noch nie so hart trainiert, wie in San Diego mit Normann. Neue Erfahrungen kamen täglich dazu. Wenn man da jetzt auch nur noch auf die Ernähung achtet, geht jede Lebensqualität verloren.
Wenn man 6 bis 7 Stunden trainiert, kann man sich was gönnen. Ein Stück Kuchen oder Schokolade soll man schon essen können.
3athlon.de: Nimmst Du Salztabletten auf das Rad?
Jan Raphael: Das habe ich schon vor, Salztabletten auf dem Rad zu nehmen. In Florida hatte ich leichte Krämpfe auf den letzen 3 Meilen. Das Rennen hätte nicht länger dauern dürfen. Das könnte schon ein Zeichen dafür sein, dass ich anfällig bin. Bei einer Blutanalyse kurz vor San Diego wurde auch festgestellt, dass ich Natriummangel habe. Hatte ich nicht gedacht, vielleicht brauche ich da mehr als andere. Habe die Tabletten beim Radtraining ausprobiert und kam damit klar. Muss ich nur mal gucken, wie viel man da benötigt.
3athlon.de: Als ich am Mittwoch zurück von meinem Jogg aus dem Energy Lab war bist Du an uns mit einem grün-weißen Rad vorbeigeflitzt. Fährst Du jetzt auch ein Kuota wie Normann?
Jan Raphael: Nein. Ich habe kurz vor Hawaii noch ein neues Rad gekriegt. Die Farbe ist mal etwas anders. Es ist ein Isaac Joule Erotic. Da bin ich sehr zufrieden mit. In Frankfurt hatte ich noch den alten Rahmen und bin echt froh, für das Rennen. Das pusht schon ein bissl. Neue Laufräder habe ich direkt über HED klargemacht. Im Vergleich zu anderen Athleten ist da schon bissl Luft gewesen. Jan Ullrich würde uns mit einem alten Schopper wegfahren. Es ist schon wichtig, gutes Material zu haben. Alles was neu ist, gibt schon was an Schub. Sieht auch schicke aus. Grün hat nicht jeder…
3athlon.de: Euer Team hat eine eigene Lounge in Kona geplant. Wirst Du auch anwesend sein.
Jan Raphael: Ja, die Lounge wird es vom 9. bis 14. Oktober geben. Sie ist im Hard Rock Cafe am Coconut Groove*.…
(Kai Baumgartner)
* Der Ort wurde umgelegt: Lava Java, morgendliches Pressefrühstück ab dem 9. Oktober.
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