Kailua-Kona (Hi, USA) - Marino Vanhoenacker hat in diesem Jahr deutlich den IRONMAN Austria gewonnen. 3athlon.de widmet sich in seinem Hawaii-Special dem starken Belgier und seinem „Betreuer“ Gerrit Schellens.
3athlon.de: Marino, war das Rennergebnis beim IRONMAN Austria in Klagenfurt überraschend? Die Radzeit war stark.
Marino Vanhoenacker: Österreich war gut. Die Radform war keine Überraschung für mich. Ich habe viel Energie und Zeit hineingesteckt, um besser zu werden. Es war der gleiche Kurs bei sehr ähnlichen Bedingungen - dabei war ich 6 Minuten schneller.
3athlon.de: Was erwartest Du von Kona? Wo hast Du weitere Verbesserungen erzielt?
Marino Vanhoenacker: In Kona gehe ich hochmotiviert an den Start, hüte mich aber vor zu hohen Erwartungen. Ich baue darauf auf dem Rad und im Marathon schneller und stärker als in den letzten Jahren zu sein.
3athlon.de: Ich habe am Samstag den federnden Vanhoenacker Laufstil die Palani Road hinauf fligeen sehen können. Das sah wirklich schnell und entspannt aus.
Marino Vanhoenacker: Oh, da hast Du mich an einem guten Tag erwischt (lachend).
3athlon.de: Also, wie lautet die Taktik für den 13. Oktober?
Marino Vanhoenacker: Man kann sich für Hawaii keinen Plan zurechtlegen. Das macht keinen Sinn, weil so viel passiert. So wie im letzten Jahr, wo fast 45 Leute auf einmal aus dem Wasser gekommen sind, wird es wohl nie mehr werden. Ich erwarte ein völlig neues Rennen in diesem Jahr. Wir haben 2 oder 3 starke Radler in diesem Jahr, die sich vielleicht finden werden. Allen voran Normann, dann Chris Lieto und Sindballe. Sindballe sieht nicht so aus, als würde er nur auf den Radrekord schielen. Wenn sich die Jungs finden und zusammen fahren können, wird es hart für die Verfolger. Härter als 2006, als nur Stadler „gejagt“ werden musste.
2006 war ich froh nur die Gruppe halten zu können - nach vorne absetzen war nicht möglich.Auch wenn ich das gerne gewollt hätte. In diesem Jahr möchte ich meine Chance wahren, wenn es nötig sein sollte. Mal sehen, wo ich dann platziert bin nach dem Bike. Dann einen Marathon von 2:50 Stunden – das würde mich sehr froh machen. Das wäre nach 2:56 im letzten Jahr eine große Verbesserung.
3athlon.de: Das wäre in der Tat sicher auch ein guter Sprung in der Wertung nach vorne. Was machst Du, wenn Stadler bei Kilometer 60 an die vorüberfliegt?
Marino Vanhoenacker: Das hängt dann davon ab, wie ich mich fühle und welchen Gang Normann fährt ;-) Aber vielleicht komme ich schon nach ihm aus dem Wasser und sehe ihn erst, wenn er am Wendepunkt in Hawi umgedreht ist. Das Wetter ist schon beim Schwimmen ein Faktor und auf dem Bike sowieso.
3athlon.de: Chris McCormack ist bekannt für seine taktische Renngestaltung. Wie siehst Du die Situation seine eigenen Möglichkeiten und die der Konkurrenz auszurechnen und strikt nach Marschtabelle zu fahren?
Marino Vanhoenacker: Cameron “The Calculator” Brown ist sicher ein Paradebeispiel für Konstanz. Ich finde es gefährlich. Für McCormack ist es schließlich im letzten Jahr auch nicht aufgegangen. Er hat sicher darauf spekuliert, dass Normann einen seine 3 Stunden flach läuft. Dann läuft er aber vier Minuten schneller und Macca hatte ein ernsthaftes Problem. Gerrit Schellens hat es ähnlich in Süd Afrika gemacht, als er Tissink mit einem unglaublichen Marathon den Sieg abknöpfte.
Ich gehe im Rennen einfach auf Maximum. OK, wenn man in einer Gruppe gefangen ist, kann man nicht immer sein optimales Tempo fahren. Letztes Jahr war ich nicht stark genug für eigene Taktiken auf dem Bike.
3athlon.de: In diesem Jahr bist Du ohne Familie in Kona. Hat das Einfluss auf den Tagesplan?
Marino Vanhoenacker: Ja, dafür begleitet mich Gerrit (Schellens), den ich überreden konnte nach seinem Unfall$ doch mitzufahren. Er ist ein guter Begleiter und es wäre toll, wenn er nach dem Ende seiner Karriere eine Art Coach und Betreuer werden könnte. Ich komme auf denn Reisen gut mit ihm klar und er ist der einzige Athlet der es mit mir vier Wochen ohne Streit aushält (lachend). Wir sind gerade dabei, einen entsprechenden Budgetplan aufzustellen.
3athlon.de: Was macht Deine Familie? Verfolgt sie den Ticker auf Ironman.com?
Marino Vanhoenacker: Ja, meine Familie wird den Ticker verfolgen. Ein Freund von mir macht eine große Party und viele Freunde von uns werden dort zuschauen, um Ironman.com zu schauen.
3athlon.de: Welches Wetter wünschst Du für den 13. Oktober?
Marino Vanhoenacker: Ich bin kein Freund von dem Attribut „too“. Zu windig, zu heiß ist nicht so mein Ding – „too much“ halt. Letztes Jahr war nett, obwohl ich aber auch mit der Hitze zurechtkomme. Ich habe gute und schlechte Rennen bei allen Bedingungen gehabt.
3athlon.de: Gibt es noch ein spezielles Training in der Taper-Phase?
Marino Vanhoenacker: Nein, das ist ja alles kein Geheimnis mehr. Ich mache neben Tempoeinheiten noch 2 lange Radausfahrten und einen langen Lauf und schwimme noch oft im Pool. Allerdings ist er mir zu warm bei intensiven Einheiten.
3athlon.de: In Deutschland ist es wichtig, die Nummer 1 zu sein. Gibt es ein internes Ranking in Belgien? Wie versteht man sich? Schließlich sind mit Rutger Beke und Luc Van Lierde zwei weitere Podest-Kandidaten der Vergangenheit und Gegenwart am Start.
Marino Vanhoenacker: Wir sprechen miteinander, zusammen trainieren wir aber nicht. Ich kümmer mich nicht um interne Rankings. Das sind wir anders als die Deutschen.
3athlon.de: Wie fühlt man sich als Verletzter nach Kona zu reisen?
Gerrit Schellens: Nicht so gut. Es ist wahrscheinlich mein letztes Jahr in Kona und da hätte ich ganz gerne ein gutes Rennen gezeigt. Es ist mein dritter Aufenthalt auf Big Island und leider hatte ich immer Pech. Die Stagger-Rule war nicht gut für mich, danach war ich krank und dann der Schlüsselbeinbruch in diesem Jahr. Hawaii ist anscheinend nichts für mich.
3athlon.de: Was machst Du am Renntag.
Gerrit Schellens: Ich unterstütze Marino so gut ich kann. Aber er benötigt nicht sehr viel Unterstützung. Er weiß, was zu tun ist.
3athlon.de: Du hast dieses Jahr Süd Afrika mit einem schnellen Marathon gewonnen. Ist die Titelverteidigung geplant?
Gerrit Schellens: Ja, das ist mein Hauptziel. Dann möchte ich gerne die Langsdistanz von Almere zum fünften Mal gewinnne. Das ist meine Motivation für wohl meine letzte Saison. Das Alter nagt schließlich an mir (lachend).
(Kai Baumgartner)
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