Lenzerheide – Trotz oder vielleicht gerade wegen des wechselhaften Wetters gab es am Sonntag an der ewz Alpen-Challenge in Lantsch/Lenz drei Streckenrekorde. Unter den knapp 700 Gestarteten befand sich mit Faris Al-Sultan der Ironman-Weltmeister 2005.
Der ewz Alpen-Challenge scheint definitiv kein Wetterglück beschieden. Zwar blieben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bei der neunten Austragung von Temperaturen um den Gefrierpunkt und permanentem Regen verschont, doch es goss zwischenzeitlich wie aus Kübeln. Dies ausgerechnet, als die gestarteten 696 Männer, Frauen und Jugendlichen auf der als sonnig bekannten Alpensüdseite mehr oder weniger kräftig in die Pedalen traten. In Punt Muragl entschloss sich denn auch der Grossteil der für die Challenge-Strecke Angemeldeten, auf die Pässe Bernina und Forcla di Livigno zu verzichten und wie die Absolventen der Classic-Strecke direkten Weges über den Julierpass nach Lantsch/Lenz zurückzukehren. Gleichwohl hatten sie bei der Zielankunft 122 Kilometer und 3000 Höhenmeter in den Beinen.
Früh ein Spitzenquartett
Die über 220 Kilometer und 4000 Höhenmeter führende Königsdistanz legten schliesslich nur gerade 84 Männer und Angie Richter als einzige Frau zurück. Für die Anstrengungen wurde die 46-jährige Deutsche mit dem Gewinn des Bündner Radcups auf der langen Strecke belohnt; beim Engadin Radmarathon war sie vor sechs Wochen auf den fünften Rang gefahren. Bei den Männern hätte Philipp Götsch diese Wertung gewonnen, wäre er im ersten von zwei Rennen wegen Missachtens des Lichtsignals nicht als Zweiter disqualifiziert worden. Dafür konnte sich der Südtiroler am Sonntag als unbestrittener Sieger der ewz Alpen-Challenge, für die ewz 100 Prozent zertifizierten Ökostrom aus Sonne und Wasser lieferte, feiern lassen.
Philipp Götsch setzte sich früh zusammen mit Frank Haun (FL-Schaan), Faris Al-Sultan (D-München) und Thomas Girardi (Wangs) vom Rest des Feldes ab. Das Spitzenquartett harmonierte hervorragend, wurde in St. Moritz jedoch auf ein Trio dezimiert: Thomas Girardi musste nach gut zwei Dritteln der Distanz wegen eines gebrochenen Tretlagers aufgeben. In jener Phase des Rennens erkundigte sich der bislang den stärksten Eindruck hinterlassende Philipp Götsch bei seinen Mitstreitern über den weiteren Verlauf der Strecke und verabschiedete sich wenige Kilometer später von ihnen. Während des Aufstiegs zum Julierpass trennte sich auch das Verfolgerduo; Faris Al-Sultan vermochte dem Tempo von Frank Haun nicht mehr zu folgen.
Abschluss eines Höhentrainings
Mit der Zeit von 6:50:30 Stunden verbesserte der erst 23-jährige Philipp Götsch den im Jahre 2003 vom Belgier Rudy Verheyen aufgestellten Streckenrekord um 10:04 Minuten. Unter der bisher geltenden Bestmarke blieben auch Frank Haun (6:54:19) und Faris Al-Sultan (6:59:27). Der Drittklassierte, seines Zeichens Ironman-Weltmeister 2005 und letztes Jahr Dritter in Hawaii, schloss mit der ewz Alpen-Challenge ein dreiwöchiges Höhentrainingslager im Engadin ab. „Das waren harte 220 Kilometer.“, fasste der Weltklasse-Triathlet zusammen, der tags zuvor eine harte Trainingseinheit auf dem Rad absolviert hatte.. „Ich bin froh, dass ich jetzt nicht noch einen Marathon laufen muss.“ erklärt Al-Sultan, dessen Hämatokrit nach dem harten Training und seinem ersten richtigen Trainingscamp bei 39 Prozent liegt. Während sich die zwei Schnellsten von verschiedenen Radanlässen her kannten, erfuhren sie die Identität ihres prominenten Begleiters erst auf dem Rundkurs.
Streckenrekorde gab es dank Andreas Rutishauser (Zug, 3:49:02) und Judith Huonder (Disentis, 4:21:02) auch auf der kurzen Schlaufe. Die Münchener Triathletin Ina Reidners wird auf der Kurzstrecke 3.
„Das sportliche Niveau war extrem hoch“, freute sich OK-Präsident Ursin Fravi, „und auch aus organisatorischer Sicht klappte alles bestens.“ Schade sei jedoch, dass 17 Prozent der Gemeldeten (836) aus verschiedenen Gründen auf einen Start verzichteten. Dafür wurden seine quantitativen Erwartungen im Zeitfahren vom Samstagabend – es zählte zum Bündner Cup – übertroffen. Am schnellsten meisterten die 6,2 Kilometer von Crappa Naira nach Lantsch/Lenz von den 49 Teilnehmern und fünf Teilnehmerinnen Marcus Derungs (Surcasti, 13:53) und Corina Gantenbein (Zizers, 16:27).
(Ursin Fravi, Kai Baumgartner)
Auszug aus den Ergebnissen
Challenge-Strecke (220 Kilometer/4000 Höhenmeter). Männer: 1. Philipp Götsch (I-Südtirol) 6:50:30. 2. Frank Haun (FL-Schaan) 3:49 zurück. 3. Faris Al-Sultan (D-München) 8:56. 4. Rainer Maassen (D-Unterföhring) 25:20. 5. Jürg Marugg (Maienfeld) 28:20.
Frauen: 1. Angie Richter (D-Haag) 10:44:38.
Classic-Strecke (122 Kilometer/3000 Höhenmeter). Männer: 1. Andreas Rutishauser (Zug) 3:49:02. 2. Stefan Roffler (Chur) 1:49 zurück. 3. Karlheinz Risch (FL-Triesen) 10:46.
Frauen: Judith Huonder (Disentis) 4:21:02. 2. Regula Rohrbach (Zürich) 7:48 zurück. 3. Ina Reinders (D-München) 14:39.
Zeitfahren (6,2 Kilometer). Männer: 1. Marcus Derungs (Surcasti) 13:53. 2. Norbert Wyss (Mutten) 0:04 zurück. 3. Renato Gubser (Domat/Ems).
Frauen: 1. Corina Gantenbein (Zizers) 16:27. 2. Silvia Mölk (Bonaduz) 0:08 zurück. 3. Nadine Zimmermann (Wohlenschwil) 1:29.
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