Panama City Beach (Florida, USA) - Der ehemalige DTU-Kaderathlet Jan Raphael ist im Ironman-Rennzirkus mit seinem Sieg beim Ford Ironman Florida (8:22:44 Stunden) - seiner ersten Langstrecke überhaupt - eingeschlagen, wie eine Bombe. Der solide Schwimmer, Radfahrer und Läufer hat in Florida aber eines gezeigt: Er kommt mit den energetischen und athletisch-mentalen Anforderungen eines Ironman hervorragend zurecht und zeigt keine Angst vor arrivierten Namen und rund 2200 Startern.
Start-Ziel Sieg im Blick
Bereits nach dem Schwimmen (50:28 Minuten) führt der Hannoveraner das Feld vor Stephen Bayliss (GBR) und Spencer Smith (GBR, USA) an. Bei den Damen zieht wie zu erwarten Andrea Fisher (USA) vor Carole Sharpless, Hillary Biscay und Bella Comerford (GBR) ihre Kreise. Indessen steckt Raphael auch auf dem Rad (4:34:08 Stunden) nicht auf, sondern greift ganz in Deutscher Tradition behaftet a la Hellriegel, Al-Sultan und Stadler von vorne an.
Der einzige Athlet, der sich auf dem Rad ähnlich nach vorne bewegt ist der Brasilianer Eduardo Sturla (4:34:21 Stunden), der sich nach der Hälfte der 180 Kilometer von der Verfolgergruppe absetzen kann.
(Zu) schnell zu Fuß
Auf der Marathonstrecke macht der 25-Jährige schließlich, was alle ITU-Athleten machen - verdammt schnell anlaufen: 1:22:18 Stunden bedeuten eine Sub 2:45 Marathonzeit, wenn er durchhalten würde. Alles unter 2:52-2:55 Stunden für die 42 Kilometer wäre aber schon exzellent gewesen. Die bleiben am Ende bei erstklassigen 2:54:12 Stunden stehen, die ihn noch vor dem heranstürmenden Sturla schützen und zeigen, daß er gegen Ende dann doch abgebaut hat. Offen für seinen nächsten Ironman bleibt die Frage, wie es ohne Krämpfe auf den letzten Metern der Laufstrecke ausgesehen hätte...
Comerford auf dem Weg zur Titelverteidigung
Indessen hat die Titelverteidigerin Bella Comerford bereits auf dem Rad die Führung übernommen und holt sich das Double. Auf den Plätzen spielt sich gegen Ende des Marathons ein regelrechter Kampf um das Podium ab. Gleich drei Athletinnen kommen innerhalb von anderthalb Minuten ins Ziel: Carole Sharpless, Hillary Biscay und Tamara Kozulina haben auch nicht sehr viel Vorsprung vor der Fünftplatzierten Andrea Fisher.
Niedergehende Sterne
Für den vor anderthalb Jahren beinahe tödlich verunglückten Spencer Smith läuft es nicht so gut. Kämpfte er in Kona noch mit einem frühen Plattfuß, hadert er im Rennen etwas mit dem Schicksal und denkt bei Ironman.com laut über seinen Rücktritt vom Leistungssport nach. Wer Spencer's Karriere verfolgt hat und seine Art Rennen von vorne zu gestalten liebt, kann die möglicherweise endgültige Entscheidung gut nachvollziehen. Selbst in den Anfängen der Draftingrennen hat sich der bullige Mann wenig um die in Grüppchen hinter ihm fahrende Konkurrenz gekümmert und ist mit Vollgas an der Spitze gekachelt. Und oft genug als Sieger angekommen Einziger Wegbegleiter war oft genug Teamkollege und Mentor Simon Lessing.
Ebenfalls enttäuschend verlaufen ist das Rennen von Lothar Leder, der sich mit über 23 Minuten Rückstand nach dem Radfahren über den Marathonkurs mit einer 1:34 Stunden für die erste Hälfte müht - um dann auszusteigen. Auch hier scheint die Zeit herausragender Wettkämpfe langsam aber endgültig vorbei zu sein. Die Quali für Kona 2007 muß sich der Darmstädter bei einem anderen Ironman verdienen...
Wer ist eigentlich Jan Raphael?
In der Vergangenheit ist der junge Athlet (* 18.1.1980) meist bei Studentenweltmeisterschaften (1. Mannschaft 2004 in Kiel, 2. Overall in Lausanne 2006) in Erscheinung getreten. Seine letzten großen Titel rühren noch aus seiner Zeit als Nachwuchsathlet: Deutscher Meister (Junioren, 2000 und U23, 2003).
Auf der Kurzstrecke konnte der Student bisher nicht ganz den Sprung an die Spitze in Deutschland schaffen. Ein 28. Platz beim ITU World Cup in Madrid 2004 stellt eines seiner besseren Ergebnisse bei hochklassig besetzten Events dar.
Er nimmt aber mit 4 Top 8 Platzierungen in der diesjährigen Saison der Deutschen Triathlonliga einen Stammplatz im hansgrohe Triathlon Team ein.
Noch ziert sich Raphael ein wenig davor komplett auf die Langstrecke zu wechseln. Derzeit sind einfach zu viele exzellente Langdistanzler mehr als Konkurrenz genug im eigenen Land.
Ergebnis
Ford Ironman Florida, Panama City Beach (Florida, USA), 4.11.2006
3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen
Männer
1. Jan Raphael (GER, hansgrohe Triathlon Team) 8:22:44
2. Eduardo Sturla (BRA) 08:23:49
3. Jim Vance (USA) 8:37:09.
4. Stephen Bayliss (GBR) 8:43:41
5. Scott Curry (CAN) 8:45:12
Frauen
1. Bella Comerford (GBR) 9:28:28
2. Carole Sharpless (USA) 9:40:22
3. Hillary Biscay (USA) 9:40:39
4. Tamara Kozulina (USA) 9:41:50
5. Andrea Fisher (USA) 9:43:40

&i=Polar-Look-Keo-Power-2.jpg&w=65&h=65&cw=65&ch=65)


