Die Australierin Belinda Granger kommt frisch aus ihrem Höhentrainingslager im schweizerischen Leysin. Auf rund 1400 Metern hat sie sich nur 50 km von Lausanne für ihren erklärten Saisonhöhepunkt vorbereitet. Zwischenzeitlich hat sie in diesem Jahr vor allem in Europa Akzente setzen können.
3athlon.de: Hallo Belinda, wie fühlt es sich nach 10 Stunden Flug an, hawaiianischen Boden unter den Füßen zu spüren?
Belinda Granger: Fantastisch, ich bin zwar noch etwas zerschlagen, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie mich diese Insel in den Bann gezogen hat. Ich war eine von denen, die gesagt hat, daß „ich niemals eine von den Athleten werde, die immer wieder zurückkommen“! Jetzt bin ich das 5. Jahr hier und bin mir da nicht mehr so sicher. Schon wenn ich aus dem Flieger steige, bin ich aufgeregt und freue mich auf diese besondere Atmosphäre. Es ist auch immer schön, daß meine Eltern mich zum Rennen besuchen, nun bereits das 3. Mal.
3athlon.de: Das hört sich alles nach Urlaub an. Du siehst aber gar nicht nach Sonne, Sand und Meer aus. Gut trainiert? Du hast Dich in der Schweiz vorbereitet! Stimmt das?
Belinda Granger: Ja, ich habe sehr gut in der Höhe arbeiten können und bin mit einem neuen Trainer zusammengekommen, der ein anderes Konzept hat. Das muß nicht bei jedem Athleten funktionieren, bei mir und anscheinend auch bei Rebecca Preston geht es auf. Sonst habe ich mich immer in San Diego vorbereitet, aber ich mußte etwas Neues ausprobieren.
3athlon.de: Brett Sutton ist also der neue Coach hinter dem Auftritt beim Ironman Hawaii 2006?
Belinda Granger: Ja. Das Training ist wirklich hart und er nimmt eigentlich nur Athleten mit außergewöhnlichem Talent – oder dem unbedingten Willen zu arbeiten. Ich bin nicht die Talentierteste, aber ich gebe jeden Tag viel von mir, um das Training bestmöglich zu gestalten.
3athlon.de: Brett vertritt ja eher den Ansatz, daß man vor den Wettkämpfen nicht unbedingt sehr lange Taperphasen einbauen muß…
Belinda Granger: Das ist richtig. Ich war auch erst sehr skeptisch, aber je nach Typus geht Brett davon aus, daß die meisten Ironman-Triathleten viel zu lange vor dem Hauptrennen und auch den Aufbaurennen tapern.
3athlon.de: Wie sieht Dein Tapering exemplarisch vor Kona aus? Wie ist es in Roth konzipiert gewesen?
Belinda Granger: Roth, war nicht sehr viel anders, als Kona. Nach Roth bin ich in die Schweiz für einige Wochen in die Höhe gegangen. Wir sind dann für einige wenige Tage nach Australien gefahren, um der Heimat „Hallo“ zu sagen und mein neues Bike abzuholen. Es ist das Zeitfahrrad, daß auch das Team Phonak fährt und ich bin sehr stolz darauf!
Und typisch Sutton, hat er uns 2 Tage, bevor es in den Flieger gehen sollte noch beim Karlsruher Marathon vorbeigeschickt. Justin ist 7. und ich bin 2. geworden. Geplant war es, ähnlich wie in Kona anzugehen. Langsam anlaufen und dann bis zum Renntempo für den Marathon von 4:18er Schnitt pro Kilometer hinunter. Das hat gut geklappt und eine 3:14 ist OK.
Es wird also relativ nahe an Hawaii hart trainiert und in der letzten Woche schraube ich etwas herunter.
3athlon.de: Bluttechnisch ist dann also alles im grünen Bereich. Hast Du keine Angst, so weit weg von der Heimat und mit den hoffentlich zu erwarteten Leistungssprüngen gleich verdächtig zu werden? Wie sieht das Dopingkontrollsystem bei Dir in Australien aus?
Belinda Granger: Nein, ich bin ebenso wie auch Chris McCormack in das australische System eingebunden. Ich bin dieses Jahr 3 Mal außerhalb der Rennen getestet worden – Urin UND Blut!
3athlon.de: Wo hast Du Dich verbessern können? Du klingst sehr zuversichtlich!
Belinda Granger: Ich bin in die Schweiz, um an meiner Schwäche, dem Laufen zu arbeiten. Ich habe mich aber in allen Disziplinen klar verbessern können. Mein Ziel ist es in diesem Jahr meinen 6. Platz zu verbessern. Top 5 wäre schön, ein Platz auf dem Podium fantastisch – meine Vision.
3athlon.de: Das ist ein hartes Stück Arbeit. Wer sind die Konkurrenten?
Belinda Granger: Ganz oben auf dem Podium werden sich bestimmt Natascha, Michellie und Joanne sammeln, wenn sie einen normalen Tag haben. Dann sind da sicher noch 6-7 Mädchen, die alle das Zeug haben, in die Top 6 vorzustoßen. Ich wünsche mir einen richtig harten Tag mit unendlich Wind!
3athlon.de: Wieso das?
Belinda Granger: Weil ich nur so meine Radstärke, die ich hoffentlich haben werde ausspielen kann. An einem harten Tag sind die schnellen Läuferinnen vom Radfahren so ermüdet, daß sie keine 3:04 mehr laufen können. Ich kann auch müde hoffentlich meine 3:15 für die 42 Kilometer umsetzen.
3athlon.de: Wieder „Biking with Natscha“?
Belinda Granger: Ja, exakt. Ich hoffe endlich nicht nur bis Hawi mit Natascha mitfahren zu können, wenn sie mich irgendwann aufsammeln sollte. Sie ist auf den letzten 40 Kilometern so unendlich stark auf dem Rad. Wenn alle anderen nachlassen, legt sie noch einen drauf. Das möchte ich auch versuchen, mit ihr in die T2 zu kommen, wäre exzellent. Michellie wird sicher wieder sehr stark Schwimmen und auf dem Rad einzuholen sein.
Mein Freund Justin meint allerdings, daß mich Natascha nicht bis zum Laufen überholen wird- schön wär’s schon.
3athlon.de: Harte Bedingungen wünschen sich auch die Herren Al-Sultan und Stadler…
Belinda Granger: Das kann ich verstehen. Wer sie zu einem Zeitpunkt, wie Kona abschreibt – egal wie die Bedingungen sind ist selber Schuld. Bei viel Wind erhöhen sich ihre Chancen aber eindeutig. Sie kommen damit exzellent zurecht. Ich erwarte sowieso ein anderes Rennen. Reid ist weg, der dann im Verfolgerpack für Druck sorgt. Sindballe ist nicht da. Ich glaube es wird viele kleine Grüppchen oder Solofluchten geben. Das setzt Läufer wie Cameron Brown unter Druck, obwohl er noch immer mein Siegkandidat ist und sich ständig auf dem Rad verbessert.
3athlon.de: Wir wünschen viel Erfolg und jetzt geht es sicher trotz hohem Wellengang ins Wasser?
Belinda Granger: Ja, das machen wir.


