Die Trainingsgruppe Wüste, hat den ersten Abschnitt des Trainingslagers hinter sich. Nach einer lebensgefährlichen Fahrt vom Flughafen Dubai in die Oase AL-Ain, in einem schrottplatzreifen Peugeot, mit etwa 1.000.000 Kilometer auf dem nicht funktionierenden Tacho, machten wir uns am 29.02.03 an die erste Ausfahrt mit für emiratische Verhältnisse niedrigen Temperaturen von 28 Grad. Nachdem wir erfuhren, dass am 06.03. der wichtigste Triathlon in den Emiraten, der Abu Dhabi Sprint stattfinden sollte, beschlossen wir den Übergang von der Uni-/Winterperiode in die (Profi-)Trainingsperiode nicht gar so extrem zu gestalten und bauten sogar einen (relativen) Ruhetag mit nur 4,5 km Schwimmen ein.
Schnell kristallisierten sich in der Trainingsgruppe auch die haushälterischen Talente der Mitglieder heraus Robert Kathan, die aufräumerische Ordnungsmacht, Stefan Paternoster, Fahrradreparateur, Faris Al-Sultan, Tellerwäscher und Joseph Jeschke mit dem wichtigsten Talent, er ist der Koch. An dieser Stelle ein Dank an das Mitgas-Team aus Halle, dafür dass sie ihren Koch mit uns ins Trainingslager gelassen haben.
Nun zum Wettkampf: Ein befreundeter einheimischer Triathlet (175cm,
80kg und 65km Maximaleinsatzreichweite auf dem Rad) und ein Betreuer
aus Deutschland sorgten am Vormittag des 06.03 für den Transport
an den leider, wie immer, zuschauerfreien Raha Beach in Abu Dhabi, an
dem wir in sehr familiärem Umfeld die kleine Triathlongemeinde der
Emirate bewundern konnten. Etwa fünfundsiebzig Teilnehmer (Staffeln
inklusive) sorgten für ein sehr überschaubares Teilnehmerfeld.
Die Favoriten waren Peter Sandvang und Jason Matters. Diese waren, da
eigens für den Wettkampf angereist, in entsprechender Form und mit
entsprechender Ausrüstung ausgestattet: Scheibe, WK-Klamotten, WK-Räder.
Bei uns war das etwas anders: keine Scheiben, teilweise normale Schnürsenkel,
Trainingsräder. Mit der für die Emirate üblichen halbstündigen
Verspätung ging es dann los. Ich setzte mich beherzt an die Spitze
und versuchte hakenschlagend die Verfolger abzuschütteln. Leider
gelang das nicht. Nach einem für meine Verhältnisse blitzartigen
Wechsel ging ich auf die nicht ganz zwanzig Kilometerlange Radstrecke.
Dort sah ich sogar für etwa drei Kilometer die 45 auf dem Tacho.
Dann machte sich aber der nichtvorhandene Raddruck bemerkbar und Sandvang
und Matters zogen an mir vorbei. Trotz gutem zweiten Wechsel und schnellster
Laufzeit war leider nur der dritte Platz für mich zu holen. Josef,
der den zweiten Tri-Lenker der Gruppe(wir hatten nur zwei) fahren durfte,
wurde mit zweimaligem Schuhbinden Vierter, Stefan Fünfter und Robert,
der der Ansicht war, zwanzig Kilometer seien nicht genug und deshalb
die Radstrecke etwas verlängerte, wurde Siebter. Er verursachte
dabei, dass er und ich die interne Zimmerwertung gegen Stefan und Joseph
verloren - das war ihm offensichtlich wurscht.
Die Einheimischen Triathleten dagegen bringen einen wirklich immer wieder zum Lachen. So wird man vor dem WK gefragt ob man Ihnen denn den Schnellspanner richtig zumachen könne oder ob 2 Bar Reifendruck genug seien. Auch die Ernährungsfrage spielt immer wieder eine große Rolle, "Is a Cheese Sandwich 1 1/2 hours before the start ok?". Die Ausrüstung "was sind Radschuhe" sorgt auch oft für Gelaechter. Die Trainingshäufigkeit der Einheimischen Spitzenathleten ist indirekt proportional zu deren Fettgehalt. Demnach trainieren diese Athleten nicht sehr viel. Zu erwähnen ist an dieser Stelle noch, dass Robert trotz vier zusätzlichen Kilometern auf dem Bike die gesamte Emiratische Nationalmannschaft hinter sich gelassen hat.
Zur Belohung unserer heldenhaften Leistungen belohnten wir uns am darauf folgenden Tag mit einem Mittagessen im Burj Al Arab (einziges 7-Sterne Hotel der Welt) und aßen dort 3 Stunden lang, sodass wir am Abend nur noch zu einem halbstündigen Läufchen im 6:30iger Schnitt fähig waren.
Heute begann das ernsthafte Trainieren, doch der Spaß hört nicht auf.
Grüsse aus der Wüste,
Faris & Josef, Robert und Stefan.
Links:
Website Faris
al Sultan


