3athlon: Herr Walchshöfer, QUELLE CHALLENGE ROTH musste in den Startfeldern seiner Profi-Athleten Federn lassen. Wie verkraften Sie den Weggang von Athleten wie Thomas Hellriegel und anderen Corpus-Mitgliedern? Welche weiteren Profis haben ihre Verträge beim QCR bereits unterschrieben?
Herbert Walchshöfer: Wir waren zur Pressekonferenz am 28. November hervorragend aufgestellt und sind es noch immer, weil unsere Top-Liste lang genug war. Natürlich bricht bei uns nicht die Freude aus, wenn ein Thomas Hellriegel oder noch dazu der Franke aus der Nachbarschaft, Markus Forster, jetzt in Frankfurt starten. Für mich war aber klar, dass Frankfurt irgendwann nachziehen wird, und das ist jetzt passiert und es wird noch weiter gehen. Wir haben jetzt zwei große Events, da wird es eben Teilungen geben müssen. Für uns Veranstalter ist das gewöhnungsbedürftig, für die Athleten ist das gar nicht schlecht, weil sie die Auswahl und finanzielle Vorteile haben. Frankfurt hat finanziell ja scheinbar mächtig zugeschlagen, denn wenn die Corpusleute - zunächst ganz auf Roth fixiert - doch noch für mich überraschend eine andere Entscheidung treffen, dann hat dies vor allem geschäftliche, also Geldgründe. Bei den Finanzen verfolgen wir nächstes Jahr ganz klar ein anderes Konzept, denn wir möchten die Alterklassen in der Prämienausschüttung erstmals mit einbeziehen. Dies betrifft die DM und dies betrifft vor allem WORLD's BEST. Es sind uns deshalb enge budgetäre Grenzen gesetzt, wenn es um Verpflichtungen geht. Und man darf nicht übersehen, dass wir im nächsten Jahr um die 35.000 Euro an Prämien für Alterklassen ausgeben werden, diese Summe steht mir dann beispielsweise nicht mehr zur Verfügung, wenn es darum geht bei Angeboten an Tops nachzulegen. Wir wollten da aber auch nicht einknicken, denn schließlich ist die Prämienregelung für Alterklassen schon veröffentlicht und Teil unseres Konzeptes. Man muss aber auch dankbar sehen, dass Thomas Hellriegel hier Dauergast war, obwohl er in Roth noch nie gewonnen hat. Also sehen wir die Dinge sportlich und wünschen Thomas und seinen Freuden ein klasse Abschneiden in Frankfurt.
3athlon: Mit Lothar Leder hat der QCR den dominierenden Mann der Deutschen Rennszene für 2003 an Bord. Kommt es zu einer Neuauflage des Duells von Andreas Niedrig und Lothar Leder aus dem Jahre 2001 oder spielen andere Athleten aus dem Ausland die erste Geige in Roth?
Herbert Walchshöfer: Das ist sehr freundlich, dass bei allen aktuellen Diskussionen der beste Athlet der deutschen, ja der europäischen Triathlon-Szene, Lothar Leder jetzt ins Spiel kommt, schließlich trägt er 2003 die Nummer eins in Roth. Ich bin mir absolut sicher, dass Andreas Niedrig im Spitzenduell eine Rolle spielen wird. Sehen wir aber auch auf Bryan Rhodes, der zwar mit Lothar eng befreundet ist, der ihn aber nichtdesdotrotz in Malaysia besiegt hat. Bryan kommt mit der Ironman-Bestzeit des Jahres 2002 (8:10), also hoch motiviert nach Roth. Der Franzose Francois Chabaut - in Hawaii nur knappe vier Minuten hinter Thomas - ist ein exzellenter Radfahrer und er hat mehrfach versichert, dass er alles in die schnelle Rother Radstrecke legen wird. Und wer hat schon geglaubt, das Mika Luoto in diesem Jahr in Roth so hervorragend abschneiden wird. Im Anmarsch ist außerdem noch ein Athlet, der - wenn wir ihn tatsächlich im Rahmen unserer Möglichkeiten verpflichten können - ganz vorne mit dabei sein wird, in einer Teildisziplin sogar für einen neuen Rekord gut ist. Jetzt aber noch speziell zu Lothar: Dass man ihm alles zutrauen muss, hat man ja in diesem Jahr gesehen, da spielte dann das Abschneiden auf Hawaii nach meiner Auffassung auch nicht mehr die geringste Rolle. Er hat Variationen ausprobiert, und er wird die Erfahrungen als Profi richtig einordnen können. Wenn sich diese Varianten jemand leisten kann, dann Lothar. Trotz seiner Sonderklasse glaube ich aber nicht, dass er nächstes Jahr bei uns wie in Frankfurt in Siebenmeilenstiefeln davon eilen wird. Es wird spannend, denn im Grunde sind die Karten personell völlig neu gemischt. Keine Statik also bei den Tops, der Favorit ist bekannt, aber die Konkurrenz ist stark wie eh und je, jedoch nicht so sehr mit Roth vertraut. Und Lothar ist es wahrscheinlich wurscht, von wem er gejagd wird, oder auf wen er sich einstellen muss. Das Damenfeld ist ebenfalls mit Nicole Leder, Erika Csomor, Gillian Bakker und Karyn Balance derart ausgeglichen besetzt, dass ich da keine Prognose eingehen möchte. Es könnte aber ein Duell zwischen Nicole und Erika werden. Man sieht: Es kann also mit viel Spannung los gehen, sogar über einen Leder-Doppelsieg darf spekuliert werden.
3athlon: Der Zieleinlauf wird in diesem Jahr wegen einer anderen Veranstaltung nicht mehr am gewohnten Platz stattfinden. Wie bewertet der QCR den neuen Standort und wird der "Happeningcharakter" inkl. Stadionatmosphäre und den kurzen Wegen erhalten bleiben?
Herbert Walchshöfer: Die kurzen Wege werden erhalten bleiben, denn in Entfernungen von 50 bis 150 Metern liegt alles beieinander was zusammen liegen muss. Das Ziel und die Endversorgung, der Radpark und die Messe mit Biergarten. Und auch die Vips und die Journalisten werden keine langen Wege zu absolvieren haben. Was neu ist, das ist die Anordnung der Baulichkeiten, weil das hufeisenförmige Stadion 2003 wegfällt. Diese Konstruktion wird aber ersetzt durch einen Zieleinlauf der auf einer Länge von zweihundert Metern eine enorme Dichte zum Publikum verspricht. In eine Straße werden Tribünen hinein gebaut, die dem Athleten gerade eine Laufweg von zwei bis drei Metern lassen. Wer Roth kennt, weiß, was da auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zukommt. Ich bin aber sicher, dass schon vor den Tribünenbauten die Leute in Reihen stehen werden, um die Akteuere förmlich in den "Ziel-Schlauch" hinein zu schreien. Am Ende der "Triumph-Allee" öffnet sich dann wie ein Trichter der eigentliche Zieleinlauf, an dessen Ende noch eine Tribüne quer zum Ziel steht. Dort werden wir sehen, wie wir die Dinge ordnen können. Der Verlust des Stadions bedeutet aber nicht einen Verlust bisheriger Finish-Qualitäten, denn ein paar Tricks haben wir da schon noch vor, schließlich wissen unsere Programmplaner und Sprecher, wie die Unterhaltungsmechanismen funktionieren.
3athlon: Die neue Serie mit Rennen über alle wichtigen Distanzen und einer Gesamtwertung für die Alterklassen-Athleten inkl. Preisgeldausschüttung stößt in den Internetforen auf durchweg positive Resonanz. Besteht zum jetzigen Zeitpunkt bereits ein erster Überblick über die Anzahl der Serienstarter? Haben sich bereits Profis verbindlich zu der gesamten Serie oder einzelnen Rennen bekannt?
Herbert Walchshöfer: Dieses überaus positive Echo hatten wir uns ganz im Stillen erhofft, jetzt ist es tatsächlich eingetreten. Im Moment können wir noch keine Unterscheidungen bei den Anmeldung nach QCR, DM und WBT treffen, denn von den etwa 700 vorliegenden Anmeldungen - mit steigender Tendenz bei den Ausländern - gingen sehr viele innerhalb der letzten Woche ein. Unser Büro ist aber seit 19. Dezember nur noch auf Sparflamme in Betrieb. Wir sind aber bestens unterwegs und deshalb glaube ich, dass sich unser Konzept auszahlt, den Athleten/Athletinnen ganz neue attraktive Angebote zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Ich meine das nicht nur in finanzieller Hinsicht, spreche also nicht nur von den Prämien, sondern von Ideen. Die Serie kommt mit Sicherheit nicht für die überwiegende Mehrheit der Aktiven in Frage, denn drei Wettkämpfe in vier Wochen sind schon eine Challange für sich. Wer da ordentlich durchkommt, zählt zu WORLD's BEST. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass es uns gelingt, hier mittelfristig eine neue Marke zu kreieren, und das goldene Krönchen auf der Weltkugel ist entwicklungsfähig. Was die Profis anlangt, wollen wir ja noch ein Jahr warten, denn das Konzept sieht jetzt erst einmal die Masters im Fokus. Sobald es Detlef Kühnel - dem geistigen Vater der Serie - und mir gelingt, einen Serien-Sponsor an die Seite zu bekommen, geht die Sponsorsumme voll in den Prämientopf. Dann sind auch die Profis gefragt. Jetzt sind erst einmal die Altersklassen dran. Obwohl es 2003 vorrangig um die Masters geht, sind natürlich Lothar und Nicole Leder sowie Andreas Niedrig mit von der Partie, andere werden noch angefragt.
3athlon: Welche weiteren Neuerungen hat der QCR auf Lager, die unsere Leser interessieren könnte?
Herbert Walchshöfer: Das Fernsehen wird - was Roth anlangt - noch einmal zulegen, so jedenfalls Intendant Dr. Thomas Gruber und der Sportchef des BR, Werner Rabe. Auch für die Serie gibt es bereits eine Zusage, die in den nächsten Wochen noch genau definiert wird. Dann wird es beim "Best old Race" Änderungen an der Marathonstrecke geben, denn sie wird Zuschauer- und Athleten-freundlicher, weil sie über die Schleuse Leerstetten in den Ortsteil nach Schwand hineinführt. Am zweiten Wendepunkt wird durch eine Art Keltenareal (ein Kunstwerk) gelaufen. Dann haben wir noch ein paar Änderungen im Rahmenprogramm, die in einem Punkt dem steigenden Interesse der Amerikaner Rechnung tragen werden. Ein großes Anliegen ist uns die Internationale DM, die wir in enger Zusammenarbeit mit der DTU vorbereiten. Zusammen mit Präsident Dr. Müller-Ott werden wir versuchen, diesem wichtigen Teil der Veranstaltung einen ganz besonderen Stellenwert zu geben. Wie das im Detail aussieht, werden wir zu gegebener Zeit verlautbaren, wobei jetzt aber schon 300 Euro für die Alterklassensieger an Prämie feststehen. Bei der Serie freuen wir uns über eine sehr freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Kollegen in Erding, wobei das relativ problemlose Zustandekommen des Serien-Vertrages Anlass zu großen Hoffnungen gibt. Erding wird eine ganz tolle Kulisse für das Rennen am 22. Juni abgeben. In Hilpoltstein wird für den 8. Juni ein Wechselzonen- und Zielbereich an der Lände gebaut, der vor allem die Zuschauer interessieren dürfte, denn von dort aus lassen sich Schwimmen, Radfahren und Laufen auf nur kurzen Wegen erreichen. Damit wären die wichtigsten Voraussetzungen für ein Triathlonfest gegeben. (kb)


