3athlon: Joelle, gemessen an deinen Resultaten aus dem
Vorjahr ist die Saison alles andere als rosig verlaufen. Bei den bevorstehenden
Weltmeisterschaften hättest du Gelegenheit, zu beweisen, dass du
dennoch zur Weltspitze gehörst, welche Platzierung rechnest du Dir
aus?
Joelle Franzmann: Das ist wohl war, dass meine Resultate
in diesem Jahr nicht so rosig waren, aber das hat auch seine Gründe.
Das Seuchenjahr wurde bereits im Winter mit einer sehr hartnäckigen
Fersenverletzung eingeläutet. Ich konnte knapp 5 Monate nicht laufen
und habe mir schon ernsthaft Sorgen um meine Zukunft im Triathlonsport
gemacht. Dann bin ich aber trotzdem nach Davos zum Skilehrgang angereist
und habe mich von einem zum anderen Trainingslager immer fitter gefühlt,
so dass in Südafrika schon wieder eine sehr gute Form vorhanden war.
Blöd war nur, dass ich dann mal wieder unvernünftig geworden
bin und viel zu viel wollte. Folge war eine Adduktorenverletzung noch
bevor ich meinen Einstieg in die Saison feiern konnte. Pech gehabt, dieser
hat sich dann auf den 8. September in Hamburg verschoben, da noch eine
Übertrainingsphase von 4 Wochen die Misere komplettiert hat. Somit
war ich mit meinem 17. Platz in Hamburg sehr zufrieden. Für die WM
rechne ich eigentlich mit gar nichts. Ich hoffe natürlich, dass eine
Platzierung zwischen 10 und 15 drin ist, aber ich bin zufrieden, wenn
eine ansteigende Form zu erkennen ist. Aber ich kann schon versprechen,
dass ich im nächsten Jahr wieder angreifen werde. Motiviert bin ich
jedenfalls bis in die Haarspitzen!
3athlon: Wie ist das Verhältnis unter den anderen
Nationalmannschaftmitgliedern - seit ihr eine richtiges Team oder eine
Gruppe von Individualisten?
Joelle Franzmann: Vom Umgang sind wir schon ein richtiges
Team. Leichte Probleme gibt es nur im Frauenbereich, wenn es an gemeinsame
Trainingseinheiten geht. Das betrifft natürlich nicht alle, aber
einzelne Sportler bevorzugen es, sich im stillen Kämmerlein vorzubereiten.
Ob das ein Nachteil oder Vorteil ist, muss jeder selber wissen. Ich trainiere
ja am Olympiastützpunkt in Saarbrücken und kann nur sagen, dass
dort die Stimmung unter den Athleten bestens ist.
3athlon: Wie bereitest du dich mental auf ein großes
Rennen vor, kannst du vielleicht unseren Lesern einen Tipp aus deinem
Erfahrungsschatz auf den Weg geben?
Joelle Franzmann: Ich habe eigentlich kein bestimmtes
Rezept, mich mental auf einen grossen Wettkampf vorzubereiten. Da wir
Frauen sowieso immer nachgesagt bekommen, kleine Psychos zu sein, bin
ich wohl nicht der geeignete Ratschlaggeber. Ich versuche einfach, so
locker wie möglich an die Sache ranzugehen, was mir auch sehr gut
gelingt solange das Training und die Trainingsleistungen sehr gut laufen
(sonst werde ich zum typischen Frauenpsycho!!). Ansonsten viel abschalten
und an andere Sachen denken. Die Aufregung kommt dann ganz von alleine,
spätestens wenn man im Briefing sitzt und alle Athleten um sich herum
hat. Aber ich denke mal, dass die einfach dazu gehört.


