Blog 2: Der Weg zum Profi
Die Jahre 2009 und 2010 waren für mich Übergangsjahre. Ich trainierte zwar in jeder freien Minute, kam dennoch nie über die 15 Trainingsstunden pro Woche hinaus. Trotz des relativ geringen Traingsaufwandes waren 2009 mit dem Sieg bei der Mitteldistanz des Schloß-Triathlon-Moritzburg und dem guten Abschneiden beim Ironman 70.3 in Wiesbaden (Gesamt 12.) durchaus positive Wettkämpfe dabei. Doch gerade das Jahreshighlight beim Ironman Austria ging wegen einer kleinen Erkältung völlig daneben.
Auch 2010 absolvierte ich starke Wettkämpfe. So konnte ich beim Ironman 70.3 in St.Pölten immerhin gesamt 16. werden und auch den heimischen KnappenMan gewinnen. Doch auch in diesem Jahr verlief das Jahreshighlight, der Ironman Regensburg, nicht nach Plan. Ein 11. Platz in der Gesamtwertung zeigte aber, dass ich auch bei diesem Wettkampf nicht der schlechteste Profi gewesen wäre.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Zeitgleich mit dem Ironman Regensburg verteidigte ich auch meine Diplomarbeit. Mein Studium war nun vorbei, ich musste mir Gedanken über meine berufliche Zukunft machen und meine sportliche Entwicklung stimmte mich zuversichtlich, es jetzt einfach mal zu probieren. Frei nach dem Motto:”Wenn nicht jetzt, wann dann”.
Mit 26 Jahren war ich theoretisch auch genau im richtige Alter, um mich als Langdistanz-Athlet aufzubauen. Außerdem hatte ich mir in den letzten Jahren das richtige Netzwerk aufgebaut. Ich hatte sowohl die besten Unterstützer gefunden, die ich mir vorstellen konnte und auch meine Familie stellte sich hinter mich, um mich bei meinem großen Ziel zu unterstützen.
Die ersten Schritte als Profi
Aus sportlicher Sicht war ich bereits auf dem richtigen Weg. Organisatorisch musste ich zunächst den Elitepass der DTU für 250 Euro zu kaufen, damit ich mich offiziell “Triathlon-Profi” nennen durfte. Mit der Anmeldung zum Elite-Pass war ich sofort auch als Profi bei der Nada gemeldet. Seitdem muss ich meinen täglichen Aufenthaltsort im “Adams-Programm” angeben, um für unangemeldete Trainings-Dopingkontrollen erreichbar zu sein.
Der Elitepass ist ebenfalls die Voraussetzung, um einen “Ironman-Profipass” kaufen zu können. Auch dieser Ironman-Profipass lässt sich für jedermann problemlos erstehen. Einfach 750 $ überweisen und man kann kostenlos 1 Jahr lang bei allen Ironman Wettkämpfen als Profi an den Start gehen. Soweit alles ganz leicht.
Die wirtschaftliche Situation als Jung-Profi
Aus wirtschaftlicher Sicht stellt sich der Schritt, Profi zu werden, schon ein bisschen schwieriger dar. Ich wollte zwar grundsätzlich Abhängigkeiten vermeiden! Aber als Studien-Absolvent hatte ich keinerlei Ansprüche beim Arbeitsamt. Die Triathlon-Langdistanz ist nicht olympisch und hat somit keinen Platz in der deutschen Sportförderung. Das heißt, dass man als Profi-Athlet auf der Langdistanz keine Unterstützung seitens der Deutschen Triathlon Union (DTU) erwarten kann. Wenn man keine Sponsoren hat, die das Leben zu 100 Prozent finanzieren, steckt man als Jungprof in einer Zwickmühle: Entweder arbeiten und nebenbei trainieren, oder trainieren und nebenbei arbeiten.
Ich hatte also viele Fragen im Kopf: Wie bekomme ich es hin, nur zu trainieren? Wie machen es die anderen? Wie läßt es sich wirtschaftlich am besten darstellen? Werde ich Arbeitnehmer oder werde ich selbständig? Wie kann ich mich versichern?
Ohne Unterstützer läuft wenig
Die Veränderungen in meinem Leben waren enorm und bereiteten mir viel Kopfzerbrechen. Lange sah es so aus, als ob ich einen Hauptsponsor für mich gewinnen konnt. Der sprang aber leider ab. Mit 26 Jahren wollte ich auch meinen Eltern auch nicht mehr auf der Tasche liegen.
Als Jung-Profi stellt man recht schnell fest, wie schwer es ist, sich selbst zu „vermarkten“ oder zu organisieren. Meine Ziele sind klar definiert. Ich will Profi sein und demzufolge auch so auftreten. Die Grundlage für den perfekten Trainingsalltag und die Wettkampfreisen und Traingslager ist aber eine stabile wirtschaftliche Basis. Allerdings liegen meine Stärken im sportlichen Bereich. Dafür bin ich bereit, an meine Grenzen zu gehen. Aber kann man als Jungprofi schon einen Manager haben? Und was sind seine Aufgaben? Ist es nicht etwas zu früh dafür? Schließlich hab ich in Zukunft erst mal zu beweisen, dass ich sportlich bestehen werde und auch für künftige Sponsoren ein stabiler Partner sein kann.
Da kam mein größter Unterstützer (ich meine nicht finanziell) ins Spiel. Ingo Gabriel ist ein Freund aus meinem Netzwerk. Er ist ein erfolgreicher Unternehmensberater, ehemaliger Leistungssportler und aktiver Triathlet. Obwohl Ingo bisher nie als Sport-Manager gearbeitet hat, bringt er doch die perfekten Eigenschaften für einen Manager mit.
Und ja, man kann sich als Jung-Profi einen Manager gönnen, man sollte sogar, wie ich heute über ein Jahr später rückblickend sagen kann. Ein großer Teil meines Erfolges liegt sicher auch darin begründet, dass Ingo mir den Rücken freihält und ich das tun kann, worin ich als Triathlon-Profi gut bin. Obwohl wir nach wie vor das „M“ Wort meiden, kann man doch sagen, dass Ingo diese Rolle für mich eingenommen hat.
Wie wir es geschafft haben, die wirtschaftliche Basis zu schaffen und auch auszubauen kannst du u.a. dann im nächsten Blog lesen.
Foto: Rico Hofmann


