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Sport und Karies: Schlechte Leistungen durch schlechte Zähne?

9. November 2016 von Stefan Gackstatter

Christine Waitz, freiDer Körper eines Profisportlers ist sein Kapital. Inzwischen wird der einzelne Profisportler von einem großen Betreuerstab umgeben, zu welchem nicht nur der Trainer zählt, sondern auch Physiotherapeuten, Mentaltrainer, Krafttrainer, Ernährungsberater und viele mehr. Auf den Stellenwert der Mundgesundheit achtet hingegen kaum jemand. Dabei besteht ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen schlechter Mundgesundheit und einer schlechten körperlichen Leistung.


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Während der Olympischen  Sommerspiele 2012 war der Medizinerstab des University College London  für die Betreuung der Athleten des Teams Großbritannien verantwortlich. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden – doch mit der großen  Anzahl an zahnärztlichen Notfällen hatte das Team im Vorfeld nicht gerechnet.

Zahnschmerzen als häufigste Ursache

Zusammen mit den Verletzungen des Bewegungsapparates waren Zahnschmerzen die häufigste Ursache, weshalb während der Olympischen Spiele ein Arzt/Zahnarzt konsultiert wurde. Beinahe jeder dritte Sportler klagte über Zahnbeschwerden. Im Anschluss an die Spiele dokumentierte das Team um den Studienleiter Prof. Ian Needleman die Vorfälle in einer Veröffentlichung.

Insgesamt wurden 300 Athleten zahnärztlich eingehend untersucht, darunter waren 95 Leichtathleten. Die Ergebnisse waren eindeutig: 18% der Sportler hatten so massive Probleme mit ihren Zähnen, dass sie in ihrem Abschneiden bei den Sommerspielen beeinträchtigt waren.

Christine Waitz, freiProf. Needleman vom Londoner Eastman Dental Institute stellte zudem fest, dass etwa 50% der Elitesportler eine behandlungsbedürftige Karies hatten und sogar 75% der Studienteilnehmer unter Zahnfleischentzündungen litten. Da dieser Anteil im Vergleich zu den Normalbürgern sehr hoch ist, lassen sich  Zahnprobleme als typisches Problem der Spitzensportler charakterisieren.

Auch im Freizeitsport relevant

Eine schlechte Mundhygiene verhindert aber nicht nur bei Spitzensportlern sondern auch bei Freizeitsportlern gute Leistungen.

Gerade durch die körperliche Anstrengung und den Wettkampfstress kommt es zu einer Entwässerung und einer Austrocknung im Bereich der Mundhöhle. Ohne diesen karies-protektiven Speichel haben Bakterien ein leichtes Spiel. Besonders relevant ist hierbei die Marathondistanz, bei der die Wettkampfdauer jenseits der zwei Stunden Marke liegt. Zudem wird durch das intensive Training gerade in der Vorbereitung das Immunsystem stark geschwächt.

Riegel, Gels und Energy-Drinks sind Mitverursacher

Foto: Christine Waitz, freiAls weitere Ursache wird der Verzehr kohlenhydratreicher Energy Drinks, Gels oder Energieriegel angeführt, deren Inhaltstoffe Wasser und Kohlenhydrate – also Zucker sind. Durch die ständige und wiederholte Zuckeraufnahme sinkt der ph-Wert im Mund stark ab. Besonders die kariesrelevanten Bakterien profitieren von dieser ständigen Substratzufuhr. Es kommt zur ständigen Säureproduktion und Demineralsation der Zahnhartsubstanzen. Eine versteckte Karies stellt dabei einen Entzündungsherd im Körper dar, der sich auf die körperliche Leistungsfähigkeit auswirkt.

Da jedoch die Energiezufuhr gerade bei der Marathondistanz essentiell ist, kann auf die Energydrinks nur sehr schwer verzichtet werden. Daher unser zahnärztlicher Rat:

  • Wenn Sie Energiegels und Riegel verwenden, dann achten Sie ganz besonders auf eine gute Mundhygiene und verwenden Sie zusätzlich fluoridhaltige Mundspülungen
  • Bei leichtem Training und kürzeren Dauerläufen stillen Sie ihren Durst mit Wasser oder ungesüßten Getränken
  • Vernachlässigen Sie nicht ihre Zahngesundheit und lassen Sie sich bei ihrem Zahnarzt mindesten einmal, besser jedoch zweimal durchchecken. Denn Sie können ihre volle Leistung nur dann abrufen, wenn im  Mund alles gesund ist.

Fotos: triathlon.de

Stefan Gackstatter war mehrere Jahre lang Mitglied im Landeskader Baden-Württemberg. Zu seinen größten Erfolgen zählen, neben Landesmeistertiteln bei den Junioren, ein 3. bei der DM Triathlon 2004 und ein 4. Platz bei der DM Duathlon 2008. Zudem startete er jahrelang für das WMF Team BKK AST Süßen in der 1. Triathlon Bundesliga. Er ist in der Zahnarztpraxis Dr. Schorm in Sindelfingen tätig. Zu seinen Interessenschwerpunkten zählen Implantologie, Zahnerhaltungskunde, ästhetische Zahnheilkunde und vollkeramische Restaurationen.
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