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Laufserie mit Andrej Heilig: Warum nicht mal ein paar Laufwettkämpfe einstreuen?

12. April 2011 von Andrej Heilig

Frequenzläufe, Treppenläufe, Berganläufe, Laufen mit Laufhilfen, Bergabläufe, Sprints – das waren die Inhalte unserer Laufserie. Eine Menge Holz für einen Sport, der für Triathleten „nur“ die dritte Disziplin darstellt. Warum also nicht häufiger auch bei einem Lauf-Event starten?


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Laufen muß nicht nur Mittel zum Zweck – also „nur“ die letzte Disziplin beim Triathlon sein. Wer Spaß daran hat und gut in Form ist, kann sich auch durchaus häufiger an den Start eines Laufwettkampfs trauen.

Schließlich finden sich auch immer eine Reihe von Spitzenprofis, aber auch viele Top-Amateure in den Ergebnislisten regionaler und nationaler Laufveranstaltungen weit vorne wieder. Warum das so ist, dafür gibt es eine Reihe von Gründen:

In einem reinen Laufwettkampf bewegt ihr euch wesentlich schneller als auf der Laufstrecke eines Triathlons. Grund dafür sind, die in der Regel nicht vorhandene oder deutlich geringere Vorbelastung und der durch den gemeinsamen Start bedingte, direkte und geradezu „mitreißende“ Kontakt mit anderen Läufern, sowie alles andere was unter dem schlichten Begriff „Wettkampf-Feeling“ zusammengefasst wird.

Frisch und ohne Vorbelastung los laufen

Ein Laufwettkampf ist für Triathleten eigentlich nichts anderes, als ein Tempotraining, bei dem die Intervalllänge der Streckenlänge entspricht. Anders als bei einem einsamen 5.000 oder 10.000 m Intervall auf der Stadionbahn, handelt es sich hier aber um eine deutlich effektivere und weitaus kurzweiligere Angelegenheit. Was ihr dabei lernt, ist euch über eine lange Distanz an der absoluten Grenze eurer individuellen kardiovaskulären, muskulären und koordinativen Fähigkeiten zu bewegen. Verglichen damit erscheint dieselbe Streckenlänge, die im Triathlon aber vergleichsweise langsam gelaufen wird,  gefühlt viel einfacher.

Läufe gibt es wie Sand am Meer

Laufwettkämpfe eignen sich auch, um sich an den Wettkampfstress zu gewöhnen und Routine, in den unmittelbarer Vorbereitungen für den Wettkampf (Essen, Trinken, Toilettengang etc.) zu bekommen. Dabei ist die Sache, verglichen mit einem Triathlon, geradezu simpel. Läufe gibt es wie Sand am Meer, die An- und Abfahrtswege sind entsprechend kurz, Nachmeldungen sind meist bis eine Stunde vor dem Start möglich und die Startgebühren regionaler Veranstaltungen sind vergleichsweise winzig.

Gekoppelt mit einer zumeist möglichen An- und / oder Abreise per Fahrrad wird aus der Teilnahme sogar ein qualitativ besonders hochwertiges Koppeltraining. Vorausgesetzt, ihr müsst nicht bis zur Siegerehrung bleiben …

Es sind genau diese Aspekte, die viele Triathleten zur Teilnahme an Laufwettkämpfen bewegen (sollten).

Wann ihr euch, für welchen Laufwettkampf entscheidet, ist dabei abhängig von euren triathlonspezifischen Zielen.

Sprint- / Olympische Distanz: Für Triathleten, deren Hauptaugenmerk auf diesen Distanzen liegt, sind Wettkämpfe über 10 km und insbesondere 5 km zu empfehlen. Es bietet sich an, diese Distanzen  vier (10 km) und zwei Wochen (5 km) im Vorfeld der Olympischen Distanz zu bestreiten. Für erfahrene Athleten, die ihre Regenerationsfähigkeit genau einschätzen können, eignen sich auch die Wochenenden zwei und eine Woche vor dem Hauptwettkampf.

Mittel- / Langdistanz: Hier sind Streckenlängen von 10 km bis Halbmarathon am besten geeignet. Ab und an finden sich auch Laufwettkämpfe über 25 km. Aufgrund der langen Regenerationszeit nicht zu empfehlen, ist die Teilnahme an einem Frühjahrs-Marathon. Die Wettkämpfe können wiederum vier (21 km) und zwei Wochen (10 km), bzw. für erfahrene Athleten zwei und eine Woche vor dem anvisierten Triathlon absolviert werden.

Ein Wettkampf an der Grenze der persönlichen Leistungsfähigkeit bedingt natürlich eine verlängerte Regenerationsphase, in der nur mit verminderten Umfängen und Intensitäten trainiert werden kann. Viele Athleten meiden deshalb Wettkämpfe und laufen lieber zum x-ten Mal die 20 km-Waldrunde im GA1-Bereich.

In der unmittelbaren Vorwettkampfphase sind Laufwettkämpfe aber besonders zu empfehlen, da zu dieser Zeit die Umfänge im Laufen ohnehin reduziert werden sollten. Schwimmen und Radfahren werden durch intensive Laufbelastungen jedoch kaum beeinträchtigt. Um ausreichend zu regenerieren, kann nach einem Laufwettkampf z.B. zwei Tage lang den Fokus auf das strukturell weniger belastende Schwimmtraining legen, um  – mit bereits wieder erholten Beinen – dann für zwei Tage das Radfahren zu priorisieren, bevor abschließend ein neuer Trainingsreiz im Laufen gesetzt wird.

Eine weitere Ursache dafür, dass Laufwettkämpfe von vielen Athleten  gemieden werden, ist, der in den Augen mancher Triathleten eventuell bestehende Erklärungsbedarf, im Falle einer subjektiv unbefriedigenden Zeit oder Platzierung.

Natürlich ist es eher unwahrscheinlich, aus dem vollen Schwimm-, Rad- und Lauftraining heraus jedes Mal seine persönliche Bestzeit zu unterbieten. Allerdings lassen genau die, unter diesen Umständen erreichten Zeiten einen Rückschluss, auf die im Triathlon tatsächlich zu erwartende Laufleistung zu. Triathleten sollten Laufwettkämpfe daher nicht als potenziell bloßstellenden, erklärungsbedürftigen Leistungsnachweis, sondern die Vorteile einer solchen, realistischen Selbsteinschätzung sehen. Abgerechnet wird schließlich erst dann, wenn es wirklich drauf ankommt!

Also, auf zum nächsten Volkslauf bei euch um die Ecke – der regionale Veranstalter freut sich, ihr habt ein qualitativ hochwertiges Training und dazu noch einen Grund im Ziel ein Stückchen Kuchen zu verdrücken!

Seit 1999 ist Andrej Nichtraucher und gleichzeitig einer neuen Sucht verfallen: Triathlon. Seit den Anfängen hat sich viel getan im Leben des erfolgreichen AK30 Triathleten. Aber das erzählt er Euch lieber selber. Hier die Webseite von Andrej Heilig.
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