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Ironman Hawaii: Kampf gegen die Lavawüste! Was macht die Strecke auf Kona so anspruchsvoll?

4. Oktober 2017 von Christine Waitz

Ingo Kutsche, freiKona, 4. Oktober 2017 – Die Strecke des Ironman Hawaii gehört auf dem Papier vielleicht nicht zu den anspruchsvollsten der Welt. Schwimmen im angenehm temperierten Pazifik, rund 1.600 zu überwindende Höhenmeter auf dem Rad und ein abschließender Marathon entlang der Küste und des Highways. Warum der WM-Kurs dennoch mit Anspruch nicht geizt, lest ihr hier.


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Was sind die Faktoren, die einen Kurs besonders anspruchsvoll machen? Höhenmeter, Kursführung, Asphaltqualität, Wetterbedingungen und nicht zuletzt die Konkurrenz. Auch wenn diese Faktoren einzeln betrachtet das Rennen auf der Lavainsel sicherlich nicht zum Härtesten machen. Unter dem Strich sieht das anders aus.

Die Summe macht’s

Ingo Kutsche, frei

Wo man sonst mit Taucherbrille und Schnorchel bunte Fische anschauen würde, kämpfen die Athleten zu Tagesbeginn um die Ränge sowie gegen Strömung und Wellen. Ohne Neoprenanzug stellt das Schwimmen für viele eine Herausforderung dar und dürfte trotz angenehmer Wassertemperaturen einige Körner mehr kosten, als andernorts. Und der Tag hat noch nicht einmal begonnen.

Ingo Kutsche, freiBevor es mit dem Rad hinaus in die Lavafelder geht, muss eine kleine Schleife durch Kona absolviert werden. Dann sind die Sportler auf sich gestellt. Hügel über Hügel gilt es auf dem rauen Asphalt zu bezwingen. Die spärliche Vegetation bietet nur wenig Abwechslung. Dafür haben Fans mit weißen, runden Kieseln Nachrichten und Zeichen in die schwarzen Lavafelder am Straßenrand gezeichnet. Immer an der Küste entlang führt die Straße hinauf bis nach Hawi, dem Wendepunkt und mit rund 196 Metern über dem Meeresspiegel dem höchsten Punkt der Strecke. Von nun an geht es »nach Hause«.
Doch ganz so leicht ist dieses Vorhaben häufig nicht: Allzu oft stellt sich den Athleten Mumuku in den Weg.

Erfahrene Athleten wissen: Wenn Mumuku loslegt, ist Schluss mit lustig. Der Wind, der über die Hawaiianischen Inseln fegt, lässt erfahrene Triathleten ihre Felgenwahl noch einmal überdenken. Mit über 90 Kilometern pro Stunde kann Mumuku vom Meer aufs Land fegen. Wer sich auf der Radstrecke nicht beeilt, hat nicht nur auf dem Weg zum Wendepunkt, sondern wegen des meist gegen Mittag drehenden Windes besonders auf dem Heimweg mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen. Schon so mancher Athlet fand sich plötzlich mitsamt Rad in den scharfkantigen Lavafeldern abseits der Straße wieder.

Lava, Lava und nochmals Lava

Hitze, tiefschwarzer Asphalt, Vorbelastung und Streckenprofil kosten auf der Laufstrecke die letzten Körner der Athleten. Die abschließenden 42 Kilometer werden in einer einzigen Runde absolviert. An zwei Wendepunkten können sich Kontrahenten entgegenlaufen und kritisch beäugen.

Zunächst geht es an der Küstenstraße entlang durch den Ort. Das Ziel ist klar vor Augen und nach dem ersten Wendepunkt läuft man sogar darauf zu. Nur wenige Meter vorher leitet eine Rechtskurve den härtesten Teil des Tages ein: Es geht die Palani Road steil bergauf. Viele wechseln hier vom Laufen zum Gehen. Mit einer Linkskurve und tosendem Applaus verabschieden die Zuschauer die Sportler aus dem Städtchen.

Caroline Steffen Hawaii 2014 Lauf

Nun geht es wieder hinaus in die Lavafelder. Hügel über Hügel schleppen sich die Athleten über den glühenden, schwarzen Asphalt. Jede Kreuzung scheint gleich auszusehen – bald muss sie doch kommen…?
Gemeint ist die Abzweigung hinab ins »Natural Energy Lap«. Vom Queen K Highway (kurz für Queen Kaahumanu) geht es runter an die Küste. Freude über den beginnenden Rückweg mag nicht recht aufkommen, gilt es doch erst einmal den Anstieg zurück zum Highway zu überwinden – einige kurze, fiese Kuppen müssen bis zum Ziel noch bezwungen werden.

Egal wie hart der Kurs ist – die Konkurrenz treibt einen an die Grenzen

1989 dokumentierten die Kameras eines der wohl spannendsten Duelle der Triathlongeschichte zwischen »The Grip« Mark Allen und »The Man« Dave Scott. Letzterer hatte bereits sechs Siege auf Hawaii zu verzeichnen, Rivale Mark Allen hatte sich schon mehrmals geschlagen geben müssen und war fest entschlossen, dieses Mal zu siegen. Im Duell, das als »IronWar« in die Geschichte einging, lagen beide Athleten bis zuletzt gleich auf. Am finalen Anstieg vor der Stadt löste sich Allen vom sechsmaligen Weltmeister und beendete seine persönliche Durststrecke mit dem Sieg. Allen sollte in den folgenden Jahren noch fünf weitere Erfolge auf der Insel feiern.

Unvergessen sind auch die Bilder von Julie Moss, der 1982 nur wenige Meter vor dem Ziel die Beine versagten. Dehydration und Erschöpfung ließen sie zu Boden gehen. Als alle Versuche aufzustehen missglückten, bewegte sie sich auf allen vieren krabbelnd in Richtung Ziellinie. Im Tumult bemerkte kaum jemand, dass sich die Zweite, Kathleen McCartney, an ihr vorbeischob und so den Sieg holte.

Am Ende sind es wahrscheinlich nicht nur Kurs, klimatische Bedingungen und Wetter, die das Rennen so gnadenlos erscheinen lassen. Sondern vor allem die unübertroffen große Konkurrenz und der mentale Druck. Denn auf Hawaii scheint der Kampf um den Sieg immer unerbittlich zu sein.

Die Streckenpläne im Überblick

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Der Schwimmkurs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Radkurs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der Laufkurs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Ingo Kutsche, Sebastian Kuhn, Ironman Media

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