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Ironman Wisconsin 2009: Hart aber herzlich

17. September 2009 von Christian Friedrich

ironman-wisconsin_kjell-schiobergDer Ironman Wisconsin ist kein leichter Ironman. Das musste auch Kjell Schiöberg feststellen, der in seinem Wettkampfreport ein wenig sein persönliches “Leiden” und über eine sehr interessante Wechselzone berichtet.


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Die wenigen Wochen Training die ich für diesen Ironman umsetzten konnte, waren intensive und ich hoffte, das es reichen würde. Ende Juli noch von einer Autofahrerin angefahren, musste ich gute zwei Wochen mein Training aussetzten. Damit war mein Plan, am Ironman Louisville zu starten gestorben. Ich entschied mich trotz der Problem für den Ironman Wisconsin.

Mein Training fand hauptsächlich in Coeur d´ Alene statt, von wo aus ich am Donnerstag den 10 September los flog. Angekommen in Madison, wurde ich sehr herzlich von David und meinem Zimmerkollegen Daniel (Müller), aus München, empfangen. Das Rad war zum Glück mitgekommen und so fuhren wir gleich nach Hause. Die Vorwettkampftage verliefen wie üblich mit Wettkampfbesprechung, Rad fertig machen und vor allem alles bereit legen. Am Samstag gingen Daniel und ich noch zum College Football. David hatte uns zwei Karten für das Spiel von Wisconsin State gegen Fresno besorgt.

ironman-wisconsin_kjell-schioberg-2Der Wettkampfmorgen war da. Ich konnte schon ab 2:30Uhr nicht mehr schlafen und ruhte nur noch im Bett. Um kurz vor 4Uhr stand ich auf und machte mich fertig. Gepackt war ja alles, aber anziehen, eincremen und vor allem etwas essen. Auf in den Kampf. David fuhr uns in die Stadt, wo Daniel und ich unsere Vorbereitungen trafen. Beutel und Rad kontrollieren, Toilettengang, Bodymarking und abschließend noch mal sammeln vor einem sehr langen Tag.

Um 6:50Uhr ging es los. Insgesamt knapp 30 Pros machten sich auf den Weg. Ich suchte wie in jedem Rennen eine Gruppe mit der ich schwimmen konnte. Doch ist dies selten von Erfolg gekrönt. Diesmal jedoch fand ich eine kleine Gruppe von zwei Pro Starterinnen, die ein gutes Tempo schwammen. So wechselten wir uns in der Führungsarbeit ab. Wir nahmen die zwei Runden ohne große Ereignisse und ich versuchte in der sehr langen ersten Wechselzone nicht zuviel Zeit zu verlieren. Es war schon etwas anderes in einem Konferenzsaal sich umzuziehen. Normalerweise sind es ja Zelte. Schnell ans Rad und mit der klaren Vorgabe es ruhig anzugehen auf den folgenden 180km.

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Bild: Die erste Wechselzone

Ich fuhr ziemlich alleine und mir war klar, dass ganz vorne die Post abgeht. Auch war klar, dass sich einige abschießen werden und ich nur die Ruhe bewaren musste. Das tat ich auch. Ohne Radcomputer und nur mit einem Puls von 150-160 bewaffnet erarbeitete ich mir die unzähligen Hügel der Radstrecke. Es wirkte am Anfang gar nicht so dramatisch doch die Kräfte schwanden. Selbstverständlich war mein Trainingsrückstand auch schuld an meiner Radleistung. Die erste Radrunde fühlte sich gut an und auch der Beginn der zweiten war Okay. Ich konnte mit einigermaßen verpflegen, ohne das mein Magen zu groß rebellierte. Einzig nerviges Ereignis war eine Gruppe von ca. 30 Fahrern, die auf mich auffuhr. Ich konnte diese Gruppe nicht loswerden. Meine Versuche weg zu fahren waren ohne Erfolg, so ließ ich mit ans Ende fallen und blieb mit einem angemessen Abstand dran. Dieses Problem löste sich auf einmal von selbst, da ein Berg kam, der diese Gruppe in ihre Bestandteile zerlegte und ich wieder für mich war.

Wenig Kilometer bevor ich mich auf den Weg zurück nach Madison machte, fühlte ich das meine Beine kaum noch Druck hatten. So rettet ich mich die letzten knapp 20km in die Wechselzone. Rein in meine Laufschuhe und mal sehen was nun noch geht.

Ich wusste, dass es nötig ist einen soliden Marathon zu laufen, damit ich mich im Profeld weiter nach vorne arbeite. Für realistisch hielt ich, mit 7Minuten pro Meile zu beginnen. Ich war ein wenig schnell am Anfang wofür ich später zahlen musste. Auch die Laufstrecke ist keine leichte und vor allem keine schnelle Strecke. Viele kleine Hügel, der Stadiumlauf und sehr viele ironman-wisconsin_kjell-schioberg-4Wendepunkte machen einem das Leben schwer. Ich suchte verzweifelt meinen Lauf-Rhythmus. Aber ein Blick in die Gesichter der anderen Pros machte mir sehr viel Mut. Keiner sah gut oder locker aus und das schon früh im Marathon. Doch mein Schnitt und vor allem meine Zielsetzungen wurden schon bei Meile 4 ½ angegriffen. Es war aus mit der Energie. Ich wurde langsamer und es war nichts zu machen. So griff ich schon sehr früh zu meinem Notmittel – Cola.

Es half ein wenig, wenn auch ich mir bewusst war, dass dies gefährlich war. Mein Magen war schon sehr labil und dann noch soviel Cola?! Aber ich hatte keine Wahl, da die Gels, wie auch Gatorade einen starken Würgereiz bewirkten. Ich kämpfte und mit jeder gewonnen Meile, kam ich dem Ziel näher. Völlig am Ende und mit keiner Vorstellung wo ich stand war ich unglaublich glücklich endlich im Ziel zu sein. Gute 10 Stunden nach Start, mit einigen Pfund leichter und viele Erfahrungen reicher, muss ich sagen es war ein extrem harter Tag.

Info und Bilder: Kjell Schiöberg

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