Ironman Weltbestzeit: Interview mit Sandra Wallenhorst
Das Interview mit der Siegerin des IRONMAN Austria in Klagenfurt, Sandra Wallenhorst (Hannover 96), führte der Vizepräsident des Triathlon Verband Niedersachsen (TVN) am 21. Juli 2008 im Olympiastützpunkt Hannover. Sandra Wallenhorst ist dort fast zu Hause, schwimmt sie doch unter der Woche jeden Morgen auf der 50m- Bahn ihr Schwimmprogramm.

Markus Kleinostendarp: Sandra, auch von meiner Seite meine herzlichsten Glückwünsche zu deinem Sieg beim IRONMAN Austria! Wie hast du die Stunden und Tage nach dem Rennen erlebt?
Sandra Wallenhorst: Danke! Die Stunden nach dem Rennen waren natürlich sehr aufregend, weil ich es ja erst selber kaum glauben konnte! Ich wollte unbedingt einen Hawaii-Slot, habe aber bei dem starken Starterfeld nicht mehr damit gerechnet. Einen Sieg, den ich für die Quali benötigt hätte, hatte ich vor dem Rennen für mich schon fast abgeschrieben. Im Rennen dann lief einfach alles perfekt an diesem Tag! Nach dem Zieleinlauf war ich so aufgeregt und konnte es lange nicht glauben!
Markus Kleinostendarp: Wie bewertest du deine sportliche Leistung an diesem Tag?
Sandra Wallenhorst: Hervorragend! (lacht) Es hätte nicht besser sein können. An diesem Tag passte einfach alles gut zusammen! Und wir haben im Vorfeld alles richtig gemacht. Die sportliche Leistung wird ja nicht nur an diesem Tag erbracht, es ist das Ergebnis vieler, vieler Stunden harter Arbeit.
Markus Kleinostendarp: Deine sensationelle Endzeit von 8:47:25 Stunden hat als eine der schnellsten Zeiten der Geschichte für Diskussionen gesorgt. Manche respektieren deine Leistungen als einen tollen Sieg über sehr starke Konkurrentinnen, sehen die Endzeit jedoch als Ergebnis zu kurzer Wettkampfstrecken. Andere halten dich schlicht für gedopt. Was sagst du dazu?
Sandra Wallenhorst: Also, ob die Strecke jetzt offiziell vermessen war, dass sollte sie zwar sein weil es ja schließlich ein offizieller IRONMAN war, weiß ich nicht. Das habe ich auch nicht nachgeprüft, keine Ahnung! Insbesondere beim Laufen heißt es ja, die Strecke soll kürzer gewesen sein. Ich hatte kein GPS dabei. Letztlich ist mir das auch völlig egal! Letzten Endes bin ich ganz gut gelaufen und auch schneller als die anderen, ich denke, dass zählt!
In Bezug auf die Dopingandeutungen: Wenn man eine gute Zeit hinlegt, erwartet man quasi fast schon, dass da irgendwelche Gerüchte zirkulieren –leider! Ich kann mich nur wiederholen und sagen: Ich weiß was ich gemacht habe, und ich weiß, was ich nicht getan habe! Und wer da was besser weiß als ich selber, kann sich ja gern an mich direkt wenden und mit mir sein Problem besprechen. Der Neid um den Erfolg ist leider sehr groß. Schade, dass sich manche nicht einfach mit freuen können… Ich kann mich hinsichtlich solcher Anschuldigungen ganz offen verhalten. Ich wurde z.B. gefragt, ob ich im nächsten Jahr beim IRONMAN Germany in Frankfurt starten werde und ich weiß, dass der Veranstalter X-Dream, gemeinsam mit Sponsoren und der DTU dort ein sehr klares und genaues Anti-Doping-Programm namens „Eiserne Transparenz“ umsetzt. Ich werde mich diesem Programm unterordnen. Die daran teilnehmenden Athleten werden besonders häufig kontrolliert. Das finde ich gut und bin gern dabei. Nur so können wir auch dem Sumpf der Manipulation sportlicher Leistung entgehen.
Markus Kleinostendarp: Wir sehen dich also im kommenden Jahr beim IRONMAN Germany in Frankfurt?
Sandra Wallenhorst: Es sieht so aus! Ich habe eine Vorabzusage gegeben und bekomme die Vertragsunterlagen zugeschickt.
Markus Kleinostendarp: Der Name Wallenhorst war bislang vielen Triathlonfans, zumindest außerhalb Niedersachsens, nicht bekannt. Jetzt präsentierst du dich als eine der schnellsten Triathletinnen aller Zeiten. Wo hast du die letzten Jahre gesteckt und wie verlief deine sportliche Entwicklung bis zu dem Rekordrennen?
Sandra Wallenhorst: Ich komme aus einer sehr sportlichen Familie. Meine Eltern waren beide auch im Sport sehr aktiv. Mit 6 Jahren habe ich schon mehrfach pro Woche trainiert, ab dem Alter von 8 Jahren würde ich schon von Leistungssport sprechen. Ich war in der Leichtathletik, insbesondere später im Mittel- und Landstreckenlauf. Mit dem Beginn der Studienzeit habe ich den Triathlon entdeckt und bin dort recht schnell auch ganz gut dabei gewesen. Bundesliga für meinen Verein Hannover 96, World Ranking points races, internationale Triathlons. Im Jahre 2003 habe ich mich dann zum ersten Mal auf der „Langen“ versucht. Das hat mir gut gefallen. Parallel zu den Bundesligarennen habe ich auch in den darauffolgenden Jahren jeweils einen Ironman gemacht, nicht mit dem größten Erfolg. Man kann eben nicht auf zwei Hochzeiten tanzen. Kurz und Lang – ich kann es nicht unter einen Hut bringen.
In 2006 habe ich mit einem dicken Bauch hier in Hannover gesteckt. Ich habe im Dezember 2006 meinen Sohn Philipp bekommen, konnte demzufolge in der Saison 2006 keine Rennen machen. Anfang 2007 lief es naturgemäß zunächst noch nicht so richtig, erst beim Wasserstadt Limmer Triathlon in Hannover, absolvierte ich meine erste Mitteldistanz, ganze sechs Monate nach der Geburt meines Sohnes und mit 8 kg mehr auf den Hüften. In einem starken Feld mit Andrea Brede, Ute Mückel und der Dänin Brigitte Christensen erreichte ich dort Platz 4. Danach habe ich noch drei andere Mitteldistanzen gemacht und alle gewonnen: Landesmeisterschaften Bad Bodenteich, Burgtriathlon Bad Bederkesa (NIE) und dem Waren-Müritz-Triathlon. Da habe ich schon gemerkt: Es kommt was, es geht doch! Im Herbst 2007 habe ich dann begonnen, mich zum ersten Mal ernsthaft und strukturiert auf einen IRONMAN vorzubereiten und das mit dem Erfolg, den man jetzt sehen kann!
Markus Kleinostendarp: 2006 hast du beim IRONMAN Arizona (USA) für das Schwimmen 1:01 Stunden, für das Radfahren 5:23 Stunden und den Marathon 4:51 Stunden benötigt. 2008 in Österreich bist du mit 4:50 Stunden alleine auf dem Rad 33 Minuten schneller. Was hast du geändert, um einen solchen Sprung nach vorne zu machen?
Sandra Wallenhorst: Vor allem bin ich nicht mehr schwanger. Ich hatte damals im Rennen das Gefühl, ich hätte eine Magen-Darm-Grippe. Auch Wochen nach dem Rennen wurde und wurde es einfach nicht besser. Die Magen-Darm-Grippe heißt nun Philipp, ist mittlerweile 1 ½ Jahre alt und fühlt sich anscheinend wohl!
(Philipp beschäftigt sich während des Interviews ausgiebig mit den Tonsteinchen einer Pflanze des Olympiastützpunktes Hannover und sorgt so dafür, dass dem dortigen Hausmeister nicht langweilig wird …)
Ich habe mein Radtraining im letzten Herbst komplett umgestellt mit spezifischen Kraftausdauerelementen und SRM-Analyse in der Ergänzung zu langen Ausdauereinheiten bereits im Winter. Seit Januar habe ich knapp 11.000 km in den Beinen.
Beim Laufen habe für den Marathon sehr von den langen Läufen teilweise mit Überdistanz und auch von meinem drastischen Gewichtsverlust profitiert. Übrigens konnte ich schon immer besser aufs Rad laufen und bin im olympischen 36 min. auf 10 Kilometer gelaufen, was für Frauen m.E. recht gut ist. Meine große Schwäche sehe ich allerdings im Schwimmen, hier brauche ich sicher noch mal Unterstützung.
Markus Kleinostendarp: Was sagst du zu den Vorwürfen von „Szenekennern“ gegenüber dem Veranstalter des IRONMAN Austria, der Firma TRIANGLE, die Distanzen wären mit 3,5 km Schwimmen, 177,2 km Radfahren und 40,5 km Laufen deutlich zu kurz gewesen?
Sandra Wallenhorst: Es gibt halt immer Schlaumeier … Auf meinem Tacho hatte ich 177 Kilometer. Zur Schwimmstrecke kann ich nichts sagen, außer dass der Lendkanal, die letzten 900 Meter der Schwimmstrecke, eine Strömung hatte, die mit uns ging. Ich glaube nicht, dass die Schwimmstrecke deutlich kürzer war, weil ich da immer knapp unter einer Stunde bleibe. Meine schnelle Splitzeit von 57 Minuten erkläre ich mir durch die Strömung, quasi „Rückenwind“, auf den letzten 900 Metern. Auch zur Laufstrecke kann ich nicht viel sagen. Es war für mich eine sehr schnelle Zeit, keine Frage! Der Marino Vanhoenacker ist im letzten Jahr genauso schnell gelaufen wie in diesem Jahr, glaube ich. Marino meinte, die Laufstrecken seien gleich geblieben. Bella Comerford habe ich auch gefragt und sie meinte ebenfalls, dass die Strecke nicht kürzer sei. Letztlich kann ich es nicht beurteilen und denke das ist Aufgabe der Veranstalter. Mir ging es nicht um irgendwelche Bestzeiten, die Kurse und Bedingungen sind sowieso nicht wirklich vergleichbar.
Markus Kleinostendarp: Im Mai beim 70.3 IRONMAN Austria konntest du läuferisch mit den Profitriathletinnen Erika Csomor und Yvonne Van-Vlerken noch nicht mithalten. Was ist dazwischen passiert?
Sandra Wallenhorst: St. Pölten (IRONMAN 70.3 Austria) war so nicht geplant. Ich war zum Training für den IRONMAN Klagenfurt in Österreich und habe dann den 70.3 Austria zu Trainingszwecken mitgemacht, weil er gerade in diese Zeitspanne fiel. In dieser Phase war ich für einen ernsthaften Wettkampf trainingstechnisch noch nicht auf den Wettkampf hin vorbereitet, habe aber den Wettkampf, Gott sei dank, mitgemacht weil ich so dort festgestellt habe, dass ich im Laufen noch was machen muss. Ich habe dann bis zum IRONMAN in Klagenfurt die Laufumfänge noch einmal richtig gesteigert und 3 kg abgespeckt, dann hat es funktioniert!
Aber ich würde dennoch nicht von „nicht mithalten“ sprechen. Schließlich habe ich zwar an Yvonne die Führung schon am Anfang des Laufens abgegeben, aber Erika hat mich erst 3 km vor dem Ziel überholt. Die beiden waren schon mitten in ihrer Saison, hatten schon einige Rennen gemacht und waren schon „warm“. Ich fand meine Leistung auch in St. Pölten schon ziemlich gut.
Markus Kleinostendarp: Deine Internetseite war, (un-)passend mit deinem jüngsten Erfolg offline, was für Verwunderung und unglaubliche Spekulationen gesorgt hat. Wie lautet deine Erklärung für diese Begebenheit?
Sandra Wallenhorst: Kostengründe! Nach dem Sieg in Klagenfurt habe ich noch vom Hotel aus den Administrator der Seite angerufen und ihm mitgeteilt, er möge doch bitte umgehend die Seite abstellen. Ich habe damit gerechnet, dass zum Beispiel potentielle Sponsoren oder auch Triathlonfans über meine Seite per Gästebuch und E-Mail mein Postfach zum überlaufen bringen. Da ich aber bis dahin selbst keinen direkten Zugriff auf den Account bzw. die Seite hatte, hätte alles über die Betreiberfirma abgewickelt werden müssen. Ich hatte einfach auch Angst, durch so verursachte etwaige Verzögerungen Fans und vor allem potentielle Sponsoren zu vergraulen. Außerdem war die Seite seit mindestens einem ¾ Jahr nicht mehr aktualisiert worden. Jedes Update über die Betreiberfirma meiner „alten“ Seite hat mich 200-220€ gekostet, dass war mir einfach zu teuer. Die Aktualisierung hätte ich nach Klagenfurt ganz schnell machen müssen und dieses war zufriedenstellend in der Kürze der Zeit nicht möglich. Meine neue Seite war aber schon wenige Tage nach dem Rennen online, meine „Fans“ hätten sich nur ein wenig gedulden müssen. Was das Abschalten einer Seite an Verwunderung und Spekulation erzeugt, kann ich mir zwar nicht erklären, aber jetzt bin ich ja wieder für alle da.
Markus Kleinostendarp: Du besitzt seit längerem einen DTU-Elitepass. Wie oft wurdest du in diesem Jahr kontrolliert, von der DTU bzw. auf Veranstaltungen direkt?
Sandra Wallenhorst: 2008 bin ich nur in Klagenfurt mittels Urinprobe kontrolliert worden.
Markus Kleinostendarp: Und von deinem Dachverband, der DTU, trotz Elitepass, in diesem Jahr gar nicht?
Sandra Wallenhorst: Nein! 2008 gab es keine Kontrollen von Seiten des Verbandes. Auch in 2007 kann ich mich an keine Kontrolle erinnern. 2006, dass Jahr in dem ich schwanger war, bin ich viermal kurz hintereinander kontrolliert worden.
Markus Kleinostendarp: Eigentlich sollte durch den Elitepass der DTU die Kontrolllücke bei den nichtolympischen Langdistanzlern geschlossen werden. Das heißt, die Trainingskontrollen der bis zur Einführung des Passes nicht erfassten Langdistanzler sollten auch über die erhöhten Lizenzen finanziert werden. Was kostet dich so eine Profilizenz?
Sandra Wallenhorst: Ich zahle 250 € pro Jahr an die DTU.
Markus Kleinostendarp: Demnach hast du für 2007 und 2008 die „Gegenleistung“, unangemeldete Dopingkontrollen, von Seiten deines Lizenzgebers nicht bekommen?
Sandra Wallenhorst: (Scherzhaft) Ich habe nichts habe ich für mein Geld gekriegt, „Sauerei“ so etwas! (lacht)
Markus Kleinostendarp: Diese unangemeldeten Dopingkontrollen, inklusive Bluttests, hätten dir doch in der momentanen Situation und Diskussion helfen können! Wären diese erfolgt, wäre das für dich eine Entlastung gewesen!
Sandra Wallenhorst: Ich habe mir das mal so erklären lassen: Die (Anti-Doping-Kontrolleure) haben da so ein Random-Verfahren (Zufallsverfahren) im Anti-Doping-Bereich und so waren sie im Jahr 2006 gleich viermal bei mir. Auf meine Frage, „was sie denn so oft bei mir wollen“ wurde mir gesagt, dass dieses Auswahlverfahren nach dem Zufallsprinzip eben keiner der Kontrolleure steuern kann. Wer da raus gepickt wird, ist halt dran. Es kann also passieren, dass die drei Tage hintereinander vor deiner Tür stehen! Als die mich sooft aufgesucht haben, war ich schwanger.
Markus Kleinostendarp: Hast du bei dir schon einmal eine Blutkontrolle erlebt?
Sandra Wallenhorst: Nein, ich weiß auch gar nicht, ob die das machen. Machen die Blutkontrollen?
Markus Kleinostendarp: Ja, nach der neuen Anti-Doping-Ordnung machen die das!
Sandra Wallenhorst: Wusste ich nicht, aber das haben sie auch noch nicht gemacht bei mir.
Markus Kleinostendarp: Klar! Bei den Wettkämpfen in Frankfurt und mittlerweile in Roth genauso wie bei Trainingskontrollen.
Markus Kleinostendarp: Es gibt in Internetforen ziemlich deutliche Vorwürfe bezüglich der theoretischen Möglichkeit, dass du als Lebenspartnerin eines Arztes leichter an unerlaubte Mittel kämest. Was entgegnest du diesen Kritikern?
Sandra Wallenhorst: Ich kann auch nichts dafür dass mein Lebensgefährte Arzt ist! Ich hätt mir auch ´nen anderen aussuchen können aber meine Mutter, meine Schwester sind auch im Gesundheitswesen, meine Tante ist Ärztin und ich kenne aus dem privaten Bereich viele Mediziner. Ich hätte also nach diesen Theorien jederzeit an so etwas (Dopingmittel) herankommen können, wenn ich es denn gewollt hätte! Ganz davon abgesehen, müssten die mir bekannten Ärzte da ja mitspielen und das ist sicher nicht einfach. Es ist für einen Arzt auch riskant, da er so seine Approbation aufs Spiel setzen würde. Im Übrigen ist auch Frank Vytrisal mit einer Ärztin zusammen, Norman Stadler war es glaube ich ebenso.
Markus Kleinostendarp: Du sagst also ganz deutlich zum Thema „Doping“ …
Sandra Wallenhorst: No, not for me!
Markus Kleinostendarp: Hat sich in punkto Sponsoren in den letzten Wochen etwas bei dir getan?
Sandra Wallenhorst: Es tut sich was. 2XU über Martin Filser Marketing ist einer meiner neuen Partner und zurzeit ist eine Agentur für mich dabei, weitere Unterstützer zu gewinnen wie z.B. einen Radhersteller. Ganz wichtig ist jedoch auch für mich die Finanzierung des Hawaii-Aufenthalts, für den ich auch meinen Sohn Philipp, demzufolge auch eine Tagesmutter und für zwei Wochen auch meinen Lebenspartner einplanen möchte.
Markus Kleinostendarp: Wie sehen deine Wünsche für die Zukunft aus?
Sandra Wallenhorst: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es solche Vorwürfe im Netz nicht mehr gibt! Und hinsichtlich der sportlichen Zukunft wünsche ich mir, dass ich ein tolles Rennen auf Hawaii haben werde! Eventuell auch noch nach Florida, dafür hatte ich mich ja qualifiziert und bin auch angemeldet. Na ja, so wie es aussieht, bin ich nächstes Jahr doch noch dabei obwohl 2008 eigentlich mein letztes Jahr sein sollte und so wünsche ich mir auch für 2009 weitere solche Erfolge wie jetzt in Klagenfurt.
Markus Kleinostendarp: Bitte vervollständige die folgenden Satzanfänge:
- Doping …. Ist nichts für „organic food“ Asketen, dazu zähle ich mich! Ich kaufe nur Bio, und das nicht, um meinen Körper dann mit anderen Sachen zu vergiften.
- Streckenlängen bei IRONMAN-Rennen ….sollten vermessen sein!
- In vier Jahren … werde ich möglicherweise keinen IRONMAN mehr machen!
Markus Kleinostendarp: Was traust du dir auf Hawaii zu? Siehst du dich als eine der Favoritinnen?
Sandra Wallenhorst: Nein, ganz sicher nicht! Ich kenne Hawaii überhaupt gar nicht. Ich kann es nicht einschätzen. Es ist nicht so wie ein IRONMAN mal hier und mal da. Schließlich ist da die absolute Weltelite am Start und obwohl ich jetzt ein gutes Rennen hatte mit einer sehr guten Zeit, würde ich mich nicht zur Weltelite zählen. Da muss man schon 2-3 solcher Rennen gemacht haben um sagen zu können, dass man dazu gehört. Ich gebe aber bis dahin alles im Training dafür und hoffe, dass ich ein gutes Rennen haben werde und mein Schwimmen noch ein bisschen besser wird.
Markus Kleinostendarp: Das nächste Rennen, wo wir dich sehen können?
Sandra Wallenhorst: Nächste Woche beim Öffentliche-Triathlon in Braunschweig, wo ich für Hannover 96 in der Landesliga starte. Im September dann beim Hannover-Triathlon am Maschsee.
Markus Kleinostendarp: Sandra, Dankeschön dass du und Philipp sich die Zeit genommen haben! Ich wünsche dir alles Gute für deine Pläne und tolle Rennen, ob in Braunschweig oder Hawaii!
Foto: Markus Kleinostendarp triathlon-niedersachsen.de
- Hintergrundinformationen
- In einem Telefongespräch (21.7.08) des Vizepräsidenten im Triathlon Verband Niedersachsen, Markus Kleinostendarp, mit dem Rennleiter des IRONMAN Austria, Herrn Wolfgang Reich, erklärt dieser folgendes zu den Streckenlängen und Dopingproben: „Die Strecken wurden per GPS vermessen und weichen nur geringfügig, innerhalb der Toleranzgrenze von den angegebenen Distanzen ab. Die Schwimmstrecke war 3740 Meter lang, die Radstrecke knapp 180 Kilometer und auch der Marathon genau 42 Kilometer. Vor vier Jahren ist die gesamte Strecke über den Kärntner Triathlon Verband kommissioniert und seitdem nicht geändert worden. In Bezug auf unseren Anti-Doping-Kampf kann ich nur sagen, dass die Ergebnisse der Dopingproben noch nicht vorliegen. Wir haben uns im Organisationsteam für Urinproben entschieden, auf Blutproben haben wir 2007 verzichtet. Für 2009 haben wir diesbezüglich noch keine Entscheidungen pro oder contra Bluttests getroffen.“
- Die Deutsche Triathlon Union bestätigte gegenüber dem TVN am 22. Juli in einem Telefongespräch die ordnungsgemäße Ausstellung eines DTU-Elitepasses für Sandra Wallenhorst, mit dem die Athletin dann genauso im Testpool der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) aufgenommen ist wie die anderen Langdistanzler.
- Matthias Blatt, Mitarbeiter der NADA Bonn, teilte in einem weiteren Telefongespräch vom 22. Juli mit, „dass Frau Wallenhorst sich mit ihrem Elitepass ganz regulär im NADA-Kontrollsystem geführt wird, gemäß den Statuten regelmäßig ihren Aufenthalt der NADA mitteilen muss, genau wie alle anderen ca. 110 Triathletinnen und Triathleten mit Elitepass. Bei dieser Anzahl von zusätzlich zu prüfenden Triathleten kann es schon einmal vorkommen, dass über einen längeren Zeitraum mal ein Sportler, eine Sportlerin, nicht geprüft wurde. Mit einer unangemeldeten Kontrolle muss aber jeder dieser Sportler jederzeit rechnen!“ Auf die Frage nach dem Screening von EPO in einer NADA-Dopingkontrolle teilt der Spezialist für Triathlon mit: „Hier reicht eine Urinprobe aus um EPO nachzuweisen. Blutproben als Trainingskontrolle sind möglich, aber nicht zwingend für einen EPO-Test.“
- Kommentar
- Sandra Wallenhorst sportliche Leistung beim IRONMAN Austria in Klagenfurt bleibt, Weltbestzeit hin und exakte Streckenlängen her, ein hervorragendes Ergebnis. Was bleiben jedoch nach diesem schlagzeilenträchtigen Sieg einer deutschen Sportlerin mit der im Nachgang teilweise unschönen und wenig durch Fakten belegten Diskussion an Aufgaben?
- Die IRONMAN-Macher der Kontinente täten sicherlich gut daran, sich bezüglich der Streckenlängen von unabhängigen Institutionen kontrollieren zu lassen. Das könnten ganz einfach, weil unabhängig, die zuständigen nationalen und anerkannten Triathlonverbände über sogenannte Technische Delegierte übernehmen.
- Die Triathlonfans, und auch die, die sich dafür halten, sollten sich stärker an Fakten als an Theorien bzw. Gerüchte halten, offene Fragen hin oder her. Mehr miteinander sprechen als übereinander. Verantwortlich für die Streckenlängen, aber auch die richtigen Dopingkontrollen, sind immer noch die Veranstalter bzw. die Verbände – beim IRONMAN wird es noch ein bisschen komplizierter, da diese Veranstalter sich als selbständig ansehen.
- Die Dachverbände dürfen ihre Langstreckler mit Profilizenz nicht einfach so „im Regen stehen lassen“ – Trainingskontrollen sind versprochen und müssen auch her! Hier ist der Verband als Dienstleister zur Unterstreichung glaubwürdiger Athleten-Leistungen gefragt.
- Die Athleten selbst sollten ihre Leistungen immer ehrlich einzuordnen versuchen. Kein Wettkampf ist wie der andere und 1:1 vergleichbar! Und kein IRONMAN ist ganz, ganz genau 3,8 km-180km-42,195 km lang, denn wir betreiben eine Sportart, die von den gegebenen Umständen abhängig ist: Natur, Straßen, Gewässer, Wind und Wetter. Und das ist auch gut so! Bleibt noch das unschöne Thema Doping: Hier muss anscheinend der Athlet selbst dem Verband auf die Füße treten, um eine adäquate Gegenleistung für sein Geld zu bekommen. Und er muss sich, siehe die Diskussion über die Internetseite, entsprechend gut „verkaufen“!









