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Ironman Hawaii: Spieglein, Spieglein… – Der Favoritencheck der Herren

5. Oktober 2015 von Mario Lisker

Top3 Hawaii 2014Die Aussagen jedes Jahr vor Kona gleichen sich: „Ein so hochwertiges Startfeld gab es noch nie“. So oder so ähnlich wird es auch in diesem Jahr zu hören sein. Dass aber eine gehörige Portion Wahrheit darin steckt, liegt zum einen an der deutschen Dominanz, zum anderen an dem ein oder anderen Ersttäter, den es zu beobachten gilt. Überraschungen, wie Ben Hoffman im letzten Jahr, wird es auch wieder geben. Wir haben uns im Favoritencheck einige der Starter näher angeschaut…


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So sind wir vorgegangen

Ein Orakel sind wir natürlich nicht. Aber Tendenzen über eine bloße Ergebnisliste hinaus können erkannt werden. Und genauso sind wir vorgegangen: Über das Endergebnis eines Vorbereitungsrennens hinaus, flossen Faktoren wie die Qualität der Konkurrenten, die Stärke in den Einzeldisziplinen, sowie die Streckenverhältnisse und das Wetter mit ein. Gerade auf Hawaii stellte des öfteren ein starker Marathon den kompletten Rennverlauf auf den Kopf…

Top3 Hawaii 2014

Unsere Top5 Kandidaten

Ingo Kutsche, freiSebastian Kienle Einer der stärksten Radfahrer und vor allem der Titelverteidiger. Somit ist er der Gejagte. Als einer der Wenigen, die sich vor der Konkurrenz in der Vorbereitung nicht verstecken, musste er sich allerdings auch schon zweimal hinter Frodeno einreihen. Für Kona muss das noch nicht viel heißen, denn Kienle hat beim Lauf mächtig aufgeholt. Kann er das in Kona noch verfeinern und abrufen, ist er mit seinem starken Willen der Titelverteidigung nah. Er könnte versuchen seinen momentan stärksten Gegner Frodeno mit einer Überraschungsattacke zu fordern.

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Felix Rüdiger - letzmakeaplan.de ,freiJan Frodeno 2015 das Maß der Dinge. Längst als einer der besten Läufer bekannt, überraschte er mit besseren Radzeiten als höher gehandelte Mitstreiter. Er ist der Ausgeglichenste in allen Disziplinen und auch mental eine Bank. Da seine Konkurrenz um die Ausgeglichenheit weiß, wird es keine Zurückhaltung geben. Er wird attackiert werden, wo es bisher nur Taktik gab. Seine Konter werden entscheiden, wo er sich am Ende befindet. Dennoch – mit Kienle gemeinsam der heißeste Kandidat auf den Sieg.

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Jörg Schüler, freiFrederik Van Lierde Wer ihn nach Kona 2015 und seinem achten Platz abschreibt, macht einen Fehler. In seiner Vorbereitung beim Ironman Südafrika ließ er bärenstarke Läufer hinter sich. Auch wenn Frankfurt „nur“ Platz fünf bedeutete – die eigenen Gesetze auf Hawaii kann er gut zu seinem Vorteil einschätzen. Als ausgeglichener Athlet gut für Top5 mit Potenzial für mehr.

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Jörg Schüler, freiMarino Vanhoenacker Das Marino für die besten fünf in Frage kommt, dürfte nur die überraschen, die seine Vorbereitung nicht mitverfolgten. Nach seinem Marathon-Desaster Kona 2014 meldete er sich eindrucksvoll zurück. Ihn als Selbstzerstörer auf dem Rad abzuschreiben ist ein Fehler. Er wandelt auf einem sehr schmalen Grat, der aber auch erfolgreich sein kann. Und dann wird es schwierig. Denn Laufzeiten unter 2:50 Stunden, die er bei beiden seiner Rennen 2015 hatte, werden auch für die besten Läufer schwierig einzufangen sein.

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Ingo Kutsche, freiAndi Böcherer Mit lautem Knall zurück! In Frankfurt zwar hinter Frodeno und Kienle, aber diese hat er in Heilbronn kalt erwischt und gewonnen. Aus diesem Grund ist er im Auge zu behalten – er ist momentan so etwas wie eine Wundertüte. Podium wird schwierig, aber Top5 sind durchaus realistisch. Vorausgesetzt, die Wundertüte hat mehr als nur einen kurzanhaltenden Überraschungseffekt und ruft es in Kona erneut ab. Schwachstelle, und entscheidend, können das Laufen und die mentale Härte werden.

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Top10 Kandidaten

Jörg Schüler, freiNils Frommhold – Nach seinem eindrucksvollen sechsten Platz 2014 dürfen wir gespannt sein. Im März zwar hinter Kramer auf Platz fünf in Melbourne, zeigte er in Roth keine Schwächen bei seinem Sieg. Nach diesen Erfolgen ist die Zeit unter dem Radar aber vorbei und kann zu Fehlern verleiten, insbesondere wenn andere taktieren und locken. Bleibt er besonnen wird es wieder ein Ergebnis unter den besten zehn.

Christian Kramer – Von seinem „Streichergebnis“ Kona 2014 erholt, zeigte er auf Lanzarote woran er gearbeitet hat. Der mit Abstand beste Bikesplit auf der Insel wird ihn genügend Selbstvertrauen für Kona mitgeben. Ist sein Kopf frei, läuft er in die Top10. Die gemeinsame Vorbereitung mit Frommhold in den texanischen Woodlands ist taktisch gut gewählt.

Andy Potts – Als hervorragender Schwimmer und mäßiger Radfahrer wird es schwer. Aber er hat Routine und wird sich kaum Fehler leisten. Das wird entscheidend wenn er als der Topläufer plötzlich in die Top10 hineinläuft. Es gilt ihn nach dem zweiten Wechsel im Auge behalten.

Ben Hoffman – Für den Vizeweltmeister von 2014 wird es vermutlich nicht reichen. Seine Vorbereitungsrennen waren sehr durchwachsen. Er lebt von seiner Ausgeglichenheit in den Disziplinen. Die sind insgesamt gut aber kein Topniveau. Eine ähnlich Platzierung wie 2014 wäre eine Überraschung. Selbst Top10 wird in diesem Jahr schwierig.

Bas Diederen – 2013 ein DNF und 2014 nicht am Start auf Hawaii könnte er für eine Überraschung sorgen. Ähnlich wie in Frankfurt kann eine konstante Leistung in allen drei Disziplinen der Sprung in die besten Zehn sein für Top5 reicht es nicht. Keine eklatanten Schwächen aber auch kein Überflieger.

Foto: Ralph Schick, freiTimothy Van Berkel – Der siebtplatzierte überraschte vor allem mit Platz zwei in Melbourne, als er Frommhold, Kramer und Kahlefeldt hinter sich ließ. Mit Schwächen auf dem Rad läuft er einen soliden Marathon um die 2h50. Das sollte für Top10 reichen.

 

Jordan Rapp – Längst als guter Radfahrer bekannt, fehlt es ihm in der ersten Disziplin. Allerdings kann er auch nach einem harten Radfahren solide Laufen. Auf die Spitze fehlen zwar fünf Minuten, wenn er aber vorn mit vom Rad geht, kann er einen Platz in den Top10 durchaus verteidigen.

Cyril Viennot – Seine Vorbereitungsrennen liefen alles andere als gut. Bei ihm scheint es aber die Tendenz zu geben, dass er bei heißer und feuchter Luft erst in Fahrt kommt. Insgesamt ist das aber vielleicht zu wenig um seinen Vorjahreserfolg von Platz fünf zu wiederholen. Unter den besten zehn ist drin – aber diesmal muss alles passen.

Unter dem Radar – Dark Horse

Brad Kahlefeldt – Im März in Melbourne auf Platz drei mit exzellenter Schwimmleistung und gutem Lauf. Er hat das Potenzial durchaus in die Top5 zu schlittern! Beweise? Den 70.3 Bintan gewann er und schlug Bracht (Rang 4)

Brent McMahon – Die Überraschung und ganz klar ein Dark Horse. Den Ironman Arizona mit Streckenrekord gewonnen wird er einige Favoriten mächtig erschrecken.

Für diese Kandidaten wird es schwer

Andreas Raelert – Der ewige Favorit wird es vor allem mental schwer haben. Zu viele DNF stehen auf seiner Liste auch wenn er in Frankfurt mit Platz sechs ganz solide war. Seine Vorbereitungen absolvierte er auch gern bei lokalen Rennen bei denen am Ende zwar der Sieg und häufig ein Streckenrekord steht, aber die Konkurrenz zu meiden kann nicht die Lösung sein. Andreas – bitte straf uns lügen!

Jörg Schüler, freiBoris Stein – Der Sieger des Ironman Frankreich überraschte in diesem Jahr insgesamt mit sehr guter Radperformance und starkem Lauf. Aufgrund seines Schwimmens wird es auf Hawaii sehr schwer aber unter den besten fünfzehn kann er durchaus landen…vielleicht sogar mehr (?)

 

Terenzo Bozzone – Wenn er ein Rennen durchzieht und alles passt ist er bärenstark. Leider aber zu unbeständig und genau das ist eine Voraussetzung für Hawaii. Ein Zwischending wird es wohl bei ihm nicht geben. Entweder Hopp oder Top.

Ivan Rana – Als ein guter Schwimmer und Läufer schwächelt er an einer entscheidenden Disziplin: Dem Radfahren. Er verliert zuviel um es mit seiner Laufstärke wieder aufzuholen. Bei der diesjährigen Konkurrenz wird es deshalb nicht reichen.

Eneko Llanos – Klar dominierte Rennen gefolgt von bitteren Niederlagen. Kaum ein Athlet ist so schwer einzuschätzen wie Llanos. Wenn es darauf ankam, fehlte meist der letzte Schliff.

Justin Daerr – Solide genug um locker unter den besten fünfzehn zu landen. Ambrose und Sanders hat er schon geschlagen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie er mit den klimatischen Bedingungen klar kommt. Seine Vorbereitungsrennen waren beide in Kanada.

Zum triathlon.de Hawaii Spezial.

Fotos: Ingo Kutsche, Jörg Schüler, Felix Rüdiger, Ralph Schick, triathlon.de

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