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Ironman Hawaii: der Favoritencheck mit Andi Böcherer

6. Oktober 2017 von Stephan Schepe

Ingo Kutsche, freiAuf Hawaii wird deutsch gesprochen. Seit 2014 kommt der Champion aus Deutschland, seit 2009 verging kein Jahr, in dem nicht mindestens ein Deutscher auf dem Podium stand. Das überragende Abschneiden der deutschen Profis im vergangenen Jahr komplettierte Andi Böcherer auf einem starken fünften Platz. In diesem Jahr musste der sympathische Freiburger seine Hawaii-Teilnahme leider verletzungsbedingt absagen. Im Interview nimmt er für uns die Favoriten unter die Lupe.


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Ingo Kutsche, frei

Hallo Andi,
Du musstest vor drei Wochen den Ironman 70.3 Santa Cruz in Führung liegend abbrechen und hast daraufhin auch die Teilnahme für die Ironman WM auf Hawaii abgesagt. Nach vielen sehr guten Ergebnissen in diesem Jahr hätten Dich viele dort gern im Kampf um die Krone gesehen. Was ist passiert?

Andi: Schwimmen und Radfahren liefen gut. Aber schon nach zwei Laufkilometern hatte ich das Gefühl, ein Stück Holz unter dem Fuß zu haben. Das Gefühl war weg. Aber wenn du so ein Rennen mit über vier Minuten Vorsprung anführst, steigst du nicht sofort aus, wenn etwas zwickt. Deshalb bin ich weiter gelaufen, trotz wachsender Schmerzen. Bei Kilometer 16 ging es nicht mehr und ich musste den Notausgang nehmen und aussteigen. Ich habe mir eine Faszie unter dem Fuß angerissen und musste die Saison leider beenden. Mittlerweile kann ich zumindest ein bisschen schwimmen und Radfahren und Krafttraining einbauen.

Beim Ironman Hawaii 2016 sah es lange so aus, als würdest Du der dritte Deutsche auf dem Treppchen werden. Wie siehst Du in diesem Jahr die Chancen für ein erneutes rein deutsches Podium?

Andi: Ohne mich ist die natürlich sehr viel geringer (lacht). Nein, im Ernst: Wir sind in Deutschland etwas verwöhnt von den letzten Jahren. Eigentlich ist es ja schon gigantisch, wenn einer von unseren Jungs auf dem Treppchen landet. Ein Ergebnis wie im letzten Jahr zu wiederholen ist eher unwahrscheinlich und wir sollten nicht traurig sein, wenn das nicht klappt.

Ingo Kutsche, freiBleiben wir beim Podium vom letzten Jahr: Kann Jan Frodeno in diesem Jahr den Hattrick perfekt machen? Ist er weiterhin das Maß aller Dinge?

Andi: Das ist schwer vorherzusagen. Jan hat ja in diesem Jahr einen anderen Weg gewählt und sich nicht der ganz großen Konkurrenz gestellt. Ob sich das auf Hawaii auszahlt, muss man sehen. Der Druck ist jetzt natürlich hoch und in welche Richtung eine andere Vorbereitung geht, weiß man ja immer erst hinterher. Auf den ersten Fotos von der Insel hatte ich den Eindruck, dass er abartig dünn ist. Vielleicht ist der Druck zu hoch. Aber Jan braucht das ja so und ihm ist immer alles zuzutrauen.

Beim Ironman in Frankfurt im Juli musstest Du Dich einem physisch und psychisch bärenstarken Sebastian Kienle geschlagen geben. Ist Sebastian in dieser Verfassung in der Lage, Jan Frodeno zu knacken?

Andi: Ja, absolut! Sebi hat ja auch schon bewiesen, dass er jeden anderen schlagen kann – auch einen Frodeno. Frankfurt war auch noch nicht sein Highlight-Rennen. Ich denke, Sebi kann und wird auf der Insel noch stärker sein.

Ingo Kutsche, freiPatrick Lange, der überraschende Drittplatzierte aus dem letzten Jahr, wird nicht zuletzt aufgrund seiner Laufstärke in diesem Jahr als Mitfavorit gehandelt. Glaubst Du, er kann den ganz großen Coup landen?

Andi: Ich glaube (noch) nicht daran. Er muss mit der neuen Rolle erst umgehen lernen und hat viel auf dem Rad gearbeitet. Eine Verbesserung auf dem Rad sorgt aber oft erstmal für eine schlechtere Laufleistung. Er musste halt in der zweiten Disziplin hart an sich arbeiten. Denn wenn er Hawaii gewinnen will, muss er vorne und ohne Zeitstrafe vom Rad steigen. Dann ist natürlich alles möglich. Patrick ist für mich eine der Wundertüten im Rennen. Er kann gewinnen – oder nach einem langen Wandertag ins Ziel kriechen.

Wenn man einen Namen hört, der die Phalanx der Deutschen durchbrechen kann, ist es Lionel Sanders. Ist der Hype um ihn gerechtfertigt?

Andi: Keine Ahnung, ich bin noch nie gegen ihn gestartet. Athletisch ist er beeindruckend stark. Aber ein gutes Kona-Ergebnis hat er bis jetzt noch nicht stehen. Und auf Hawaii zählen alle anderen Ergebnisse herzlich wenig. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Andi’s Tipp für die TOP 5 lest ihr auf auf der nächsten Seite.


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